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Clem Clemson Band in Arnis : Blues-Rock auf Weltklasse-Niveau

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Beim Auftritt der Clem Clemson Band mit Chris Farlowe geriet das Publikum fast in Ekstase.

Als die Beifallschwaden allmählich im Angesicht des Vollmondes über dem Noor verhalten, wurde allen, die dabei gewesen waren, bewusst: Dieser Sommersonnenabend war ein Meilenstein in der neuzeitlichen Kulturhistorie von Arnis. Dieser Auftritt der „Clem Clemson Band“ (CCB) war ein fulminanter Höhepunkt und zugleich Abschluss des vierten „Musik am Noor“ – ein denkwürdiges Konzert.

„Nur das Beste ist für Arnis gut genug!“, mögen sich die drei Blues-Impressarios Niels Springer, Bernd Kugler und Jens Matthiesen gedacht haben, als sie die CCB für ihr kleines, aber feines Festival an der Schlei buchen konnten. Ihre Dienstreise nach Hamburg zum „Downtown-Blues-Club“ erwies sich als ein echter Volltreffer. „Blues-Rock von Weltklasse“ wurde im Festivalprogramm angekündigt. Ein Superlativ, dem die Musiker um Gitarrist und Sänger Clem Clemson auf der Bühne der „M&P-Werft“ über die volle Distanz mehr als gerecht wurden.

Ihre vitale Spielfreude war erfrischend authentisch. Von bloßer Routine keine Spur. Und damit traf die Band an diesem Abend den Nerv ihres Publikums – vom Start-up „Dancing with the blues“ bis zur unweigerlichen Zugabe „Help me“ (dem Bluesklassiker par excellence).

Clem Clemson war und ist ein Phänomen in der Rockgeschichte. Seit 45 Jahren mit lückenloser Biographie hat sich der sympathische Brite seinen verdienten Platz auf dem „Blues-Olymp“ erspielt. Seine enorme Bandbreite an Kreativität und Spieltechnik wissen bis heute unzählige Bands und Musiker im Studio und auf der Bühne zu schätzen. Kurzum: Für Clemson ist Stillstand gleich Rückschritt.

So entschloss er sich im vergangenen Jahr, eine eigene Band unter seinem Namen zu formieren. Er produzierte sein erstes Soloalbum „In the public interest“, tourte durch die Republik und landete, dem Himmel sei Dank, ausgerechnet in deren kleinster Stadt.

Getreu an seiner Seite vier Musiker, die den Gitarristen Clemson mehr als nur begleiten duften. Denn sie genossen auf der Bühne alle Freiräume, um ihr Können und ihre immense Erfahrung auszuleben. Angetrieben vom CCB-Motorblock Eddie Filipp (Drums) und Reggie Worthy am Bass steigerte sich die Band kontinuierlich von Titel zu Titel, deren Progammablauf besser hätte nicht ausgewählt sein können. Nur zwei aktuelle Clemson-Kompositionen, dafür aber jede Menge Bluesrockklassiker, die das Werftpublikum begeisterten. „Rope ladder to the moon“ von Jack Bruce und Pete Brown oder Ray Charles’ „Hallelujah (I just love her so)“. Titel, die Clemson auch schon mit seinen Bands „Colosseum“ und „Humble Pie“ zelebriert hat.

Dass Clem auch ein Meister der Slidetechnik ist, bewies er an diesem Abend mit „Done somebody wrong“ und dem „Borderline blues“. Welch eine Hommage an zwei seiner großen Vorbilder: Duanne Allman und Lowell George. Was wäre die Clem Clemson Band ohne einen Keyboarder und Sänger wie Adrian Askew. Diesmal ohne Hut, aber mit Zopf, erinnerte er etwas an das unlängst verstorbene Deep-Purple-Genie Jon Lord. Mächtig gewaltig gelang es Askew, auf seiner Hammondorgel sämtliche Register seines Könnens zu ziehen. Chappeau!

Mit wohl keinem anderen Rockveteranen dürfte Clem Clemson in seiner langen Karriere so häufig die Bühne geteilt haben wie mit Chris Farlowe, dem lebenden Beweis für eine stetig wachsende „Anti-aging Bewegung“ in der Rockmusik. Sein typisch britischer Humor: so schwarz wie seine Stimme. Seine (Über)lebensphilosophie: „ich brauche keinen Doktor. Ich brauche Jack Daniels“.

Das Konzertfinale, es gebührte Chris Farlowe. Der brachte nochmal „die Steine gehörig ins Rollen“. „Baby, baby you’re out of time“ skandierte ein fast ekstatisches Publikum übers Noor. Clem Clemson, seine Band, seine alten und neuen Fans sowie der Mond über Arnis: an diesem Abend ein rundum gelungene Mischung.

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