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Arbeitsmarktchancen für Zuwanderer : Betriebe zeigen Interesse an Flüchtlingen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

100 Personen kamen zur Informationsveranstaltung „Zuwanderer meets Arbeitgeber“ in die Kappelner Werkstätten.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2016 | 07:30 Uhr

Menschen, die ihre Heimat verlassen, weil dort unmenschliche Zustände herrschen, sind in ihrem neuen Zuhause zu Beginn meist auf umfangreiche Unterstützung angewiesen. Ihren Willen nach Unabhängigkeit bremst das freilich nicht, daher streben viele von ihnen eine Arbeit an, eine Verdienstmöglichkeit, die ihnen die Chance auf wachsende Selbstbestimmung bietet. In dem Wissen, dass dieser Wunsch mit etlichen Hürden verbunden ist, gleichzeitig aber sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern vielleicht bislang ungeahnte Türen öffnen kann, kamen in dieser Woche rund 100 Menschen in den Kappelner Werkstätten zusammen. Die IHK Flensburg, die Handwerkskammer Flensburg, die Bundesagentur für Arbeit und die drei Wirtschafts- beziehungsweise Handels- und Gewerbevereine aus Kappeln, Gelting und Süderbrarup hatten unter der Überschrift „Zuwanderer meets Arbeitgeber“ geladen. Im Fokus: Ausbildung und Beschäftigung von Flüchtlingen. Auch wenn an diesem Abend sicher keine Arbeitsverträge unterschrieben wurden, war es am Ende der gut eineinhalbstündigen Veranstaltung gelungen, vor allem Unternehmen aufzuzeigen, wie sie Flüchtlinge in ihren Betrieb integrieren können. Und dafür, dass viele Zuwanderer genau das wollen, dürfen stellvertretend drei 17- und 18-jährige Syrer stehen. Alle leben erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Umso eindrucksvoller kann ihr Auftritt in den Werkstätten gelten, als sie in deutscher Sprache davon berichteten, gerne Verkäufer oder Kfz-Mechatroniker werden zu wollen.

Die drei jungen Männer sind Teilnehmer des Projekts „Berufsorientierung für Zuwanderer“, das Björn Geertz und Katarzyna Hill von der Handwerkskammer vorstellten. Geertz nannte sie „Jungs mit großem Willen“ und „künftige Fachkräfte“. Unterwiesen werden sie im Sozialverhalten, in handwerklichen und schulischen Kompetenzen, in Ausbildungswegen, später qualifiziert im Bereich Elektro, Metall oder Küche. Susanne Brommarius von der Agentur für Arbeit Flensburg informierte ausführlich und aufschlussreich über einzelne Kriterien, die bei der Beschäftigung eines Flüchtlings zu beachten sind. So sollten die ersten Fragen stets dem Herkunftsland und dem Aufenthaltsstatus gelten. Brommarius sprach von einem „sehr umfangreichen Regelwerk“, dem sich auch ein Arbeitgeber stellen müsse, wenn er etwa aufgefordert werde, die Stellenbeschreibung abzuliefern. Wie Brommarius betonten auch Catharina Nies und Sonia Kefi von der IHK Flensburg die Bedeutung von Sprachkenntnissen. Die Referentin für Flüchtlingsfragen und Willkommenslotsin verstehen es als ihre Aufgabe, Flüchtlinge und Betriebe zusammenzubringen. Kefi sagte: „Viele Betriebe sind noch verschlossen, andere fangen an, die Chance, die in der Zusammenarbeit mit Flüchtlingen steckt, zu erkennen.“ Etwa so wie Marion Kubicki, die über mehrere Monate einen iranischen Zuwanderer in ihrem Sanitätshaus Hildebrandt als Praktikanten beschäftigt hat. „Es war für alle sehr neu“, sagte Kubicki. „Aber ich würde es auf jeden Fall wieder tun.“ Damit kam sie der Hoffnung, die Heiner Nissen vom Handels- und Gewerbeverein Gelting, zu Beginn geäußert hatte, besonders nah. Nissen hatte gesagt: „Zusammen können wir aus einer Notsituation eine Chance machen.“

Stefan Wesemann (IHK), Moderator des Abends, war hinterher überzeugt: „Die Bereitschaft, neue Wege zu denken, ist da.“ Das bestätigte etwa Christian Nickelsen, Vertriebsleiter der Ostseefjord-Schlei GmbH, der zwar keinen direkten Austausch mit einem Flüchtling erlebte, aber feststellte: „Wir verschließen uns überhaupt nicht, für uns war das der erste Schritt.“ Zudem sei es eine große Hilfe, nun Gesichter zu den Ansprechpartnern der einzelnen Behörden zu kennen. Damit entsprach er der Hoffnung, die Stefan Wesemann auch mit diesem Abend verbunden hatte und die er in Richtung potenzieller Arbeitgeber am Ende so formulierte: „Fordern Sie Unterstützung ein.“

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