3D-Filme in Kappeln : Begegnung mit der dritten Dimension

Die herkömmliche  Technik: Eine Filmrolle wird abgespult. Foto: privat
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Die herkömmliche Technik: Eine Filmrolle wird abgespult. Foto: privat

Capitol-Kino stellt von mechanischer Handhabung auf digitale Vorführung um / Neuer Projektor zeigt künftig auch 3 D-Filme

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31. März 2012, 08:09 Uhr

Kappeln | Was verbindet Dortmund, München, Gelsenkirchen und Mönchengladbach miteinander ? Richtig, sie alle gehören zur absoluten Spitze der Bundesliga. Und zu dieser erlesenen Gesellschaft wird bald auch Kappeln zählen. Zugegeben - nicht in der Fußball-Bundesliga, aber dafür in der Bundesliga der deutschen Kinostätten, die dreidimensionale Filme zeigen können.

"Wenn alles fertig ist, werden wir ein technisch modernes Kino haben, das es so in Schleswig-Holstein nur noch einmal gibt", gerät Kinobetreiber Michael Wittkowski geradezu ins Schwärmen. "Das ist schon ein Quantensprung", nennt Mitbetreiberin und Wittkowskis Lebensgefährtin Carmen Schrief den Übergang von der mechanischen zur digitalen Technik. Denn wurden in Kappeln bislang riesige Filmrollen abgespielt, so wird es künftig eine etwa zwei parkscheibengroße Festplatte sein, die an den neuen Projektor angeschlossen werden.

Für diesen Sprung in die Eliteklasse der Kinostätten bedarf es internationaler "Mitspieler": Der Projektor kommt aus Japan, die Leinwand aus Belgien, die Drei-D-Brillen kommen aus Amerika. 100 000 Euro haben Wittkowski und Schrief in die neue Technik investiert. Ein Großteil der Summe stammt aus Fördergeldern des Landes, der Filmförderungsanstalt und aus Preisgeldern, die das Kappelner Duo mit seinem Capitol-Kino in den vergangenen Jahren eingeheimst hat. "Ohne diese Fördergelder hätten wir diesen Schritt nicht machen können", meint Wittkowski. Dass die beiden Kinobetreiber ihn jetzt gegangen sind, hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Kinos auf Digitalisierung umstellen und die analoge Filmbelieferung somit immer länger dauert. "So haben wir eine schnellere Belieferung, und unser Programm ist dadurch attraktiver. Außerdem fahren die Jugendlichen auf Drei-D-Filme ab", meint Schrief. Für Wittkowski gibt es keine Alternative zur neuen Technik: "Entweder wir machen es jetzt oder wir machen zu." Denn die analogen Filmkopien gebe es maximal noch drei Jahre in Deutschland.

Wegen des enormen technischen Umbruchs blieb das Kino in den vergangenen Tagen geschlossen. Von 7 Uhr bis teilweise 0.30 Uhr galt es, an drei Tagen den alten Projektor aus- und den neuen Projektor einzubauen, etliche Kabel zu verlegen und dazu ein extra Metallpodest für den 250 Kilogramm schweren neuen Projektor aufzubauen. Dafür sind mit Stefan Scholz und Sascha Roll von der Firma Orpheum - Bild und Ton zwei absolute Profis am Werk. Sie bauen von Grönland bis Russland fast täglich solche Anlagen auf. "Es ist eine Komplettmodernisierung, die hier abläuft, weil auch der Ton neu ist. Es wird alles besser", sagt Scholz. Das Kappelner Kino ist dabei eines der kleinsten Kinos, in die Scholz und Roll jemals eine solche Anlage eingebaut haben.

Laut Sascha Roll setzen die Kappelner Kinobetreiber konsequent auf Modernisierung, indem sie sich für die höher auflösende 4K- statt der 2K-Technik entschieden haben. "Bei der 2K-Technik können Sie in der dritten Reihe noch die einzelnen Pixel erkennen, bei der 4K-Technik können Sie 20 Zentimeter vor der Leinwand stehen, und Sie werden keinen einzigen Pixel ausmachen." Dazu werden die Bilder fürs linke und rechte Auge zeitgleich und nicht wie bei anderen Verfahren schnell hintereinander gezeigt. Das ist laut Roll viel angenehmer für den Kinobesucher.

Einen Nachteil hat allerdings die neue Technik. Sie ist bei Weitem nicht so langjährig. Scholz hat einen Filmvorführer aus dem Jahr 1927, der auch jetzt noch seinen Dienst tut. Der neue Projektor muss dagegen in acht Jahren ausgetauscht werden. "Bis dahin", so Scholz "müssen sich die Investitionen amortisiert haben".

Für Michael Wittkowski ergeben sich mit der digitalen Technik ganz neue Nutzungsmöglichkeiten seines Kinos. So könne er nun auch eine Oper aus der Met in New York übertragen. Und auch die Übertragung eines Spitzenspiels der Fußballbundesliga mit Beteiligung aus Dortmund, München, Gelsenkirchen oder Mönchengladbach ist nun möglich. Dann wäre Kappeln auf diese Art auch in der Fußball-Bundesliga angekommen. "Aber wir fangen erst mal ganz klein an", so Wittkowski. Heute geht der Kinobetrieb wieder los, doch dreidimensionale Vorführungen gibt es erst nach Ostern, wenn die neue Leinwand eingebaut ist.

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