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Schlei-Bote

20. Oktober 2017 | 18:41 Uhr

Begegnung auf gleicher Ebene

vom

In Hamburg wurde aus einer christlichen Kirche eine Moschee / Chance für neue Form der Auseinandersetzung mit Religion und Glaube

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hasselberg/Hamburg | Eine Kirche wird zur Moschee...und löst damit großes Unverständnis und Unbehagen aus. So jetzt geschehen bei der in den 60ern gebauten Kapernaum-Kirche in Hamburg Horn (die Presse berichtete).

Vieles von den geäußerten Gefühlen kann ich verstehen. Mit dem Gebäude einer Kirche, auch wenn sie nur wenige Jahrzehnte Bestand hatte, verbinden sich Gefühle und warme Erinnerungen an Taufen, Heiligabende mit Krippenspiel, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen. In einem Kirchbau drückt sich sicherlich das richtige Gefühl aus, dass Religion, Gottesdienst und Gebet einen besonderen einladenden Raum brauchen, der sich vom normalen Wohnzimmer unterscheidet. Und dieser Raum soll nun Andersgläubigen als Gebetsraum dienen ? Noch dazu Andersgläubigen, denen der Normalbürger sowieso schon mit Misstrauen und Ängsten begegnet ?

Zunächst einmal muss man sagen, dass in der Nachkriegszeit, besonders im zerstörten Hamburg, ohne Rücksicht auf die Stadt- und Bevölkerungsentwicklung unverhältnismäßig viele Kirchen gebaut worden sind, für die es keinen Bedarf mehr gibt.

Aber einiges möchte ich doch zu bedenken geben: Da wäre die Alternative "Plattmachen und Parkplatz da, wo mal eine Kirche stand" - ich glaube, damit würden auch Erinnerungen plattgemacht. Oder gegen einen kräftigen Mietpreis Umwandlung in einen Supermarkt, eine Disco oder eine Lagerhalle. Bei so einer Lösung dürfte die Kirche dann aber nicht mehr über die Überkommerzialisierung predigen und selbst dabei Profit machen.

Oder eben die Lösung, wie man sie in Hamburg-Horn versucht hat: die übrigens schon seit langem entwidmete Kirche gläubigen Moslems für ihren gottesdienstlichen Gebrauch zu überlassen. Das könnte eine große Chance sein: Auf unterster Ebene könnten sich Christen und Normal-Muslime begegnen und sich näher kennen lernen. Und feststellen, dass auch der Normal-Islam das Gebot der Nächsten- und Feindesliebe, die Anbetung der Einen Gottes und den Stammvater Abraham und sogar Jesus (Isa ben Mariam) als Propheten kennt. Und es könnte ein Beitrag dazu sein, im moslemischen Mitbürger nicht immer gleich den terrorverdächtigen Islamisten zu sehen und in jedem orientalisch aussehenden Moslem ein Sicherheitsrisiko zu vermuten.

Ich denke, in einer Welt, in der die vereinfachenden Feindbilder schwarz-weiß gepflegt werden, ist es wichtig, eine genauere Trennlinie zu ziehen zwischen einem friedliebenden dialogbereiten Alltags-Islam und den gewaltbereiten terroristischen Randgruppen der Islamisten, von denen die Medien so voll sind, dass jeder meint, das sei DER Islam.

Nebenbei: Ich selbst habe mein christliches Vaterunser auch schon in Synagogen und islamischen Gebetshäusern gebetet ! Und: Keine Angst, Kölner Dom und Freiburger Münster bleiben auch weiterhin christliche Kathedralen !

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