Mit oder ohne B-Plan? : Bauvorhaben am Hafen in der Kritik

Da der geplante Neubau – hier eine Fotomontage – „eine bauliche Verbindung“ zu dem denkmalgeschützten Pierspeicher (r.) hat, soll die Ortsgestaltungssatzung nicht gelten. So hat es die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises angeordnet.
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Da der geplante Neubau – hier eine Fotomontage – „eine bauliche Verbindung“ zu dem denkmalgeschützten Pierspeicher (r.) hat, soll die Ortsgestaltungssatzung nicht gelten. So hat es die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises angeordnet.

Soll ein geplanter Neubau am Pierspeicher vom B-Plan befreit werden? Vor dieser Frage standen jetzt die Mitglieder im Bauausschuss. Die Bedenken überwogen.

shz.de von
25. Juni 2014, 07:30 Uhr

Die letzte verbleibende Baulücke am Hafen hat am Montagabend im Bauausschuss für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Dabei gab es zwischen Verwaltung und dem größten Teil der Ausschussmitglieder unterschiedliche Ansichten. Es geht um ein von einem Kappelner Ehepaar geplantes vierstöckiges Wohn- und Geschäftshaus, das an der Ecke Dehnthof 36/Am Hafen neben dem Pierspeicher errichtet werden soll. Für dieses Bauvorhaben sah die Beschlussvorlage der Verwaltung auf der Grundlage des Baugesetzbuches die Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens, also den Verzicht auf einen Bebauungsplan, vor.

Dagegen wandte sich mit Friederike Hübner eine Nachbarin aus dem Dehnthof. Hübner appellierte an die Ausschussmitglieder: „Lassen Sie sich die Planungshoheit bei diesem Schaufenster am Hafen nicht aus der Hand nehmen.“ Ob sich der Neubau – wie im Baugesetzbuch für das gemeindliche Einvernehmen vorgeschrieben – in die Umgebung einpasse, sei sicherlich ein weiter Begriff. „Doch wenn man für die Gebäudehöhe allein den Speicher heranzieht, dann ist fast alles möglich“, so Hübner. Direkt am Hafen würde die Sicht auf die Aaltürme durch den Neubau jedenfalls verdeckt.

Auch den in der Vorlage vorgesehenen Verzicht auf die Ortsgestaltungssatzung kritisierte die Anwältin. In der Vorlage wurde dies damit begründet, dass der Neubau eine bauliche Verbindung mit dem angrenzenden denkmalgeschützten Pierspeicher erhält. Zudem habe die Untere Denkmalschutzbehörde des Kreises mit dem Bauherrn ein Gestaltungskonzept abgesprochen. Hübner meinte dazu: „Hier wurde die Ortsgestaltungssatzung ziemlich schlank weggewischt. Die Ortsgestaltungssatzung wird doch ad absurdum geführt, wenn die Vorschriften nicht auf neue Bauvorhaben angewandt werden.“ Da die Ortsgestaltungssatzung sich laut Hübner an der Erhaltung des historischen Stadtbildes orientiert, müsste der Neubau wie das Vorgängergebäude zweigeschossig werden.

Stadtvertreter Norbert Dick (Grüne) nahm Bezug auf eine Fotomontage des Neubaus, als er sagte: „Bei diesem Bild schüttelt es mich. Es ist zu hoch und passt sich von der Form nicht ein. Das ist ein Stilbruch sondergleichen.“ Auch Lars Braack (SPD) sprach sich für einen
B-Plan aus und betonte: „Das passt nicht ins Stadtbild rein.“ Harald Stührwold (SSW) fand zudem, dass sich dies nicht mit dem Denkmalschutz vereinbaren lasse. „Hier werden die Rechte der Stadtvertreter ausgehebelt.“ Außerdem solle man Kappeln durch solche Bauten nicht verhunzen.

Bauamtsleiter Erich Reuter sagte, dass die Untere Denkmalschutzbehörde den Bau bereits unter Vorbehalt genehmigt habe. Zudem wies Reuter darauf hin, dass die dreigeschossigen Skipperhäuser von Gerd Mittelmann auch im gemeindlichen Einvernehmen erstellt worden seien und forderte in diesem Zusammenhang gleiches Recht. Bauausschussvorsitzender Volker Ramge (CDU) meinte zu den Einwänden: „Ein ‚nicht ästhetisch‘ oder ‚gefällt mir nicht‘ ist kein Argument. Wir sind hier im Bauausschuss und nicht in einem Verschönerungsverein, da brauchen wir für eine Ablehnung gute Gründe.“

Christian Andresen (SSW) meinte, dass der Glasbau zwischen Speicher und Neubau seiner Ansicht nach nur da sei, um die Ortsgestaltungssatzung auszuhebeln. „Das allein begründet für mich schon einen B-Plan.“ Axel Langkowski (CDU) fand, dass man darüber diskutieren könne, ob der Neubau in die Stadtsilhouette passe oder nicht. „Doch die Investoren tun auch für Kappeln etwas Gutes. Wir sollten solchen Leute keine Steine in den Weg legen“, so Langkowski. Bauamtsleiter Reuter machte darauf aufmerksam, dass solche Bauanträge bei der Bauaufsicht in Schleswig eingereicht würden. „Wenn die Stadt jetzt einen
B-Plan beschließt, könnte es womöglich zu Schadensersatzansprüchen kommen“, meinte Reuter. Dirk Langenstein (LWG) schlug vor, das Thema zurückzustellen, um zunächst die Frage der Schadensersatzansprüche zu klären. Bis auf Ramge, der mit nein stimmte, waren alle Ausschussmitglieder dafür.

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