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Vor der Sanierung : Bauplan für einen neuen Heringszaun

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eukalyptusholz könnte das künftiges Baumaterial für den Kappelner Heringszaun werden. Vor einem Jahr wurde ein Stück in der Schlei ausgebracht, jetzt stand die Kontrolle an.

shz.de von
erstellt am 26.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Gummistiefel, Latzhose, Friesennerz, Schiebermütze – Peter Becker ist gerüstet für seine kurze Bootstour raus zum Heringszaun. Ausnahmsweise will der Mann vom Bauhof keine schadhaften Stellen ausbessern. Er will auch keine mehr oder weniger gefüllte Fischreuse aus der Schlei holen. Peter Becker steuert einen ganz bestimmten Pfahl an. Markiert mit einer grauen Plastikkappe ist er leicht zu erkennen. Vor einem knappen Jahr wurde dieser Pfahl zum Miniatur-Versuchslabor auserkoren. Seitdem ist er mit einem kantigen Stück Eukalyptusholz verbunden. Heute will Becker herausfinden, ob dieser Eukalyptus die Rettung sein kann. Ob dieser Eukalyptus ihm ein bisschen Arbeit abnehmen kann. Ob er nicht weniger leisten kann, als den Heringszaun in eine sichere Zukunft zu tragen.

Peter Becker ist so etwas wie der Hüter des Heringszauns. Seit einer gefühlten Ewigkeit rettet er das Wahrzeichen der Stadt immer wieder übers Jahr. Er zerrt Pfähle aus dem Schlick, repariert sie tauscht sie aus, rammt sie wieder in den Boden. Dass sich der Zaun auch dadurch optisch immer weiter vom historischen Original entfernt hat, ist ihm am allerwenigsten anzukreiden. Ohne Peter Becker hätte die Stadt gar keinen Heringszaun mehr.

Seit Jahresanfang nun rückt der Zaun immer wieder in den Mittelpunkt. Kappelns Aushängeschild steht vor einer längst überfälligen Generalüberholung, und wie die aussehen kann, hat eine im Februar bekannt gewordene Machbarkeitsstudie offenbart. Aus ihr gehen drei mögliche Sanierungsvarianten für den Zaun hervor, mit denen sich die Stadtvertreter noch vor der Kommunalwahl beschäftigt haben. Eine Entscheidung steht zwar noch aus, im Rathaus wird jedoch die Version bevorzugt, die dem Ur-Zaun optisch am nächsten kommt: einfache Pfahlreihe, zusätzliche Seitenarme, gute Fischdurchlässigkeit. Dazu passt glücklicherweise, dass sie mit knapp 400.000 Euro die kostengünstigste ist.

Vor ziemlich genau einem Jahr hat Peter Becker das vom Unternehmen Henningsen und Steckmest spendierte Stück Eukalyptus in der Schlei ausgebracht, gemeinsam mit Uwe Frye, Kassenwart des Verschönerungsvereins und damit dem Heringszaun mindestens ebenso verpflichtet, hat er es in dieser Woche wieder herausgezogen. Eukalyptus gilt als äußerst hartes Holz und als nahezu unempfindlich gegen Schädlinge. Und tatsächlich offenbart der Eukalyptus gerade im Vergleich mit dem zeitgleich eingebrachten Pfahl aus Eschenholz, mit dem er verbunden ist, seine Vorzüge: Die Esche sieht aufgequollen aus, aufgeweicht, die Rinde hat sich komplett abgelöst. Am Eukalyptus erkennt Uwe Frye nur ein paar Miesmuscheln. Die beiden Männer entscheiden, das Tropenholz noch einem zweiten Winter auszusetzen, noch einmal Schnee und Eisgang.

Zeit genug haben sie für diese Experimente. Ulrich Bendlin von der Bauverwaltung vermeldet derzeit Stillstand, was potenzielle Fördermittel für die Sanierung angeht. Und die sind zwingend erforderlich. Liefern soll sie der EU-Fischereifonds, der zum jetzigen Zeitpunkt schon reichlich geschröpft ist und dessen Richtlinien im kommenden Jahr neu gesteckt werden – „und das möglicherweise mit besseren Konditionen“, sagt Bendlin. Statt 55 Prozent könnten sogar 75 Prozent der Summe förderfähig sein. „Auf jeden Fall sprechen wir von einem Baubeginn nicht vor 2015“, lautet Bendlins Prognose.

Bis dahin wird auch feststehen, wie der Heringszaun unter Wasser aussehen soll. Derzeit testet die Verwaltung zwei sogenannte Geogitter aus Polyethylen mit unterschiedlich großen Maschen und unterschiedlicher Festigkeit. Im vergangenen Mai hat Zaun-Wächter Becker die Gitter am Heringszaun befestigt, inzwischen ist klar: Zwar ist das flexible dem deutlich unnachgiebigeren vorzuziehen, weil es mehr Bruch-Sicherheit verspricht. Aber die schmalen, rechteckigen Maschen des weicheren Gitters haben sich schon innerhalb eines halben Jahres dicht mit schlammigen Ablagerungen und Algen zugesetzt. Die quadratischen Maschen des härteren Gitters dagegen haben nur wenig von ihrer Durchlässigkeit eingebüßt. Ulrich Bendlin leitet daraus einen Wunsch ab. „Toll wäre das robuste, flexible Gitter mit größeren Maschen“, sagt er. Bendlin hat in der Vergangenheit viel mit Fischern gesprochen, eben mit den Menschen, die die natürlichen Phänomene um Schlei, Hering und Heringszaun wohl mit am besten verstehen. „Dabei habe ich erfahren, dass der Hering schon abdreht, wenn er ein mögliches Hindernis auch nur spürt“, sagt er. „Es sieht also aus, als würde die Maschengröße gar keine so große Rolle spielen. Sogar wenn er durchpassen würde, würde er wohl nicht durchschwimmen.“ Ein Biologe soll die Annahme noch bestätigen.

Und so wird noch jede Menge Wasser unter der Schleibrücke hindurch fließen, ehe der Heringszaun zu seinem Ursprung zurückfindet. Ulrich Bendlin wird die Zeit nutzen, um sämtliche Formalien für die nötigen Förderanträge vorzubereiten und um weiter Materialien zu prüfen. Die beiden Geogitter jedenfalls bleiben in Teilen noch bis zum Mai im Wasser. Peter Becker wird weiterhin in seinem kleinen Boot Runde um Runde um den Heringszaun drehen, wird weiter Pfähle reparieren und austauschen und zu Himmelfahrt die Reuse leeren.

Dass der Heringszaun all diesen Aufwand wert ist – den vergangenen und den künftigen –, stellt niemand infrage. Das hätte dieses Sinnbild auch nicht verdient.

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