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Kappeln : Baum fällt – und keiner kriegt’s mit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Verwaltung lässt Pappel, Apfel- und Birnbaum entfernen. Am Mittwoch steht das Thema auf der Tagesordnung einer Sitzung.

Es ist etwas mehr als vier Wochen her, dass Vertreter von SPD, CDU und der Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) gemeinsam einige der Bäume abgelaufen sind, für die das aktuelle Baumprotokoll der Stadt verschiedene Behandlungsansätze vorsieht. Von „vorsorglicher Fällung“ ist in dem Papier beispielsweise die Rede, von „verkürzten Rückschnittsintervallen“, von „intensiver Begutachtung“. Entstanden ist aus dieser gemeinsamen Aktion ein Antrag, der auf die Erstellung eines Baumkatasters und einer Richtlinie, die Hilfestellung geben soll, wann welcher Baum auf öffentlichen Flächen gefällt werden kann, abzielt. Die Fraktion der Grünen hat derweil einen Antrag auf Neufassung einer Baumschutzsatzung erarbeitet – beide Ansätze sollen in dieser Woche politisch beraten werden (wir berichteten). Für mindestens drei Bäume, die laut Baumprotokoll zur Fällung vorgesehen sind, kommt diese Beratung auf jeden Fall zu spät. Sie wurden bereits entfernt. Allerdings: Der Beschluss, wonach das Baumprotokoll zur Kenntnis genommen und den geplanten Baumpflegemaßnahmen zugestimmt werden soll, ist nicht ergangen. Zwar hatte der Hauptausschuss Ende Oktober 21  000 Euro für solche Pflegemaßnahmen bereitgestellt – jedoch verbunden mit der Maßgabe, dem Fachausschuss freie Hand bei der Entscheidung zu lassen, was damit genau zu tun sei. Und eben jener Fachausschuss für Umwelt und Verkehr hatte den gesamten Themenkomplex im November zurückgestellt.

Eine Kopfpappel am Museumshafen, ein Apfelbaum auf der Obstwiese hinterm Rathaus, ein Birnbaum am Spielplatz an der Wassermühlenstraße: Für alle drei ist in den Unterlagen mit dem Titel „Baumpflegemaßnahmen“ die Fällung geplant. Bei der Pappel aufgrund eines Risses im Stamm, beim Apfel und bei der Birne aufgrund von Bruchgefahr. Und wer sich die Baumstümpfe ansieht, erkennt bei der Pappel einen Hohlraum in der Mitte, bei den beiden Obstbäumen ist die Mitte dunkelbraun verfärbt. Bürgermeister Heiko Traulsen sagt dazu auf Nachfrage: „Die waren innen rott.“ Der Stadtgärtner habe keine Verantwortung mehr für die Standfestigkeit der Bäume übernehmen und daher die Sicherheit nicht mehr gewährleisten können. „Aus Langeweile sägen wir sicher keinen Baum um“, sagt Traulsen. Von diesen dreien aber sei eine Gefahr ausgegangen, und daher eine Fällung – auch ohne Beschluss – erforderlich gewesen.

Und wenigstens bis Mittwoch, bis zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Verkehr zu warten, wäre nicht drin gewesen? „Ja, hätte man tun können“, sagt Traulsen. „Aber das hätte nichts an der Gefährdungslage geändert.“

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erstellt am 20.Feb.2017 | 07:00 Uhr

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