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Schlei-Bote

21. Oktober 2017 | 16:25 Uhr

Barocker Taufengel im Ruhestand

vom

Siebte Folge unserer Kirchenserie: Das bedeutendste Kunstwerk der Feldsteinkirche St. Johannes zu Toestrup wird heute nicht mehr aktiv benutzt

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Oersberg | Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts entstand sie, die weiß gestrichene Feldsteinkirche St. Johannes zu Toestrup. Das romanische Bauwerk besteht aus einem Rechteckschiff und einem eingezogenen Kastenchor. Der Glockenstapel mit seinen drei Glocken steht frei vom Gotteshaus. 1946/48 bekam das Bauwerk ein neues Hauptportal. Der neugotische Dachreiter wurde 1886 vom Schleswiger Kreisbauinspektors Adalbert Hotzen entworfen.

Das Bogenfeld über dem Eingang schmückt ein Tympanonrelief aus Sandstein. Abgebildet ist dort die Taufe Christi durch Johannes den Täufer - den Namenspatron der Kirche - unter dem Regenbogen, begleitet von den Abendmahlsymbolen Weinstock und Ähren. Der Innenraum wurde durch den Abriss des Chorbogens und des gotischen Kreuzgewölbes im Chor zu einem protestantischen Predigtsaal mit durchgehender flacher Balkendecke umgebaut. Eine Sanduhr ermöglichte es ab dem 18. Jahrhundert, die Länge der Predigt abzumessen. Festliche neugotische Kronleuchter mit kleinen Marienfiguren, ursprünglich für das Kieler Schloss hergestellt, erhellen das Kirchenschiff.

Der aus Klostersteinen konstruierte Altar trägt einen spätgotischen Aufsatz, den ein unbekannter Schnitzer um 1520 herstellte. Dieser klassische Flügelaltar zeigt in der Mitte die Kreuzigungsszene, in den Flügeln sind die zwölf Apostel zu sehen. "Die Figuren sind nicht angemalt, sondern bestehen aus Schnitzereien", erklärt Pastorin Bettina Sender.

Die Werkstatt Marcussen aus Apenrade baute die Orgel auf der Westempore. Die Kanzel aus der Spätrenaissance stellt Reliefs von der Kreuzigung und den vier Evangelisten dar. Der barocke Taufengel, das bedeutendste Kunstwerk von St. Johannes, schwebt über dem modernen Taufstein von 1964. Zu jener Zeit, im 18. Jahrhundert, hielt er eine Schale in den Händen. "Bei Taufen wurde er heruntergekurbelt und nach der Zeremonie wieder nach oben gezogen", erzählt die Pastorin. Heute würde er jedoch nicht mehr verwendet. Der Bildhauer Johann Sigismund Marchalita schuf den Engel Mitte des 18. Jahrhunderts. Sender erwähnt einen weiteren Schatz der Kirche: den Tabernakel aus der katholischen Zeit. In dem aus einem Stamm geschnitzten Holzschrein wurden im Mittelalter die geweihten Hostien aufbewahrt.

Der Eingangsraum ist seit 1954 eine Gedenkstätte für die Toten des Zweiten Weltkriegs, deren Namen auf einer hohen Holztafel geschrieben stehen.

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