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Interkulturelle Woche : Ausstellung wird zum Kultur-Treff

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

„Deutsche aus Russland – gestern und heute“ heißt die Ausstellung, die gerade in der Gemeinschaftsschule eröffnet wurde.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2014 | 13:30 Uhr

Es war ein überraschender Auftakt zur Eröffnungsfeier einer bedeutenden Wanderausstellung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in der Mensa der Kappelner Gemeinschaftsschule. Der aus dem usbekischen Taschkent stammende Projektleiter Jacob Fischer sang gefühlvoll deutsche Volkslieder, die von der Liebe zur alten Heimat im Wolgaland und am Schwarzen Meer erzählen und die Sehnsucht nach vielen Herkunftsländern in der ehemaligen Sowjetunion zum Ausdruck bringen.

Anschließend setzten sich die Mädchen Olina Oberst, Daska Musabekow und Polina Lang ans Klavier und zeigten mit schönen russischen Melodien, was sie in der Kappelner Kreismusikschule gelernt haben. Alle drei in Deutschland geboren zählen zu den rund hundert Familien in der Schleistadt, die ihre Wurzeln im Riesenreich Russland haben, das sich als UdSSR in östlicher Richtung über zehntausend Kilometer bis weit nach Sibirien erstreckte.

Vor genau 250 Jahren rief Zarin Katharina II, eine frühere deutsche Prinzessin, per Manifest die Deutschen in das russische Reich, und 100 000 Menschen folgten ihrem Ruf. Ihnen wurde bis 1870 eine kulturelle Autonomie zugestanden, und sie sorgten für eine wirtschaftliche Blüte. Doch nach Abschaffung ihrer Privilegien durch die Staatsmacht begann ein langer Leidensweg, der ab 1915 zu den ersten Verschleppungen führte. Zwei Jahre später folgte die Oktoberrevolution: Die Russlanddeutschen mussten Enteignungen hinnehmen. Die Lage verschärfte sich während des Zweiten Weltkrieges: 1,1 Millionen Deutschstämmige wurden zur Zwangsarbeit östlich des Urals deportiert. Erst 1970 ermöglichte der Moskauer Vertrag die Regelung für Ausreisewillige. Trotz aller Repressalien: Die Spätaussiedler bleiben tief im Herzen mit ihrem russischen Herkunftsland verbunden.

Über die historischen Fakten wird in der Kappelner Ausstellung „Deutsche aus Russland – gestern und heute“ auf großformatigen Schrifttafeln an allen Wänden ausführlich informiert. Britta Pichatzek, Rektorin der Gemeinschaftsschule, begrüßte die Entscheidung, dass dieses vom Bundesinnenministerium geförderte Projekt auch in Kappeln Station macht. „Für die Klassen neun und zehn ergibt sich die Möglichkeit, das Wissen um die Schicksale und die Eingliederung der Spätaussiedler in das Leitthema Migration und Integration in den Unterricht einzubinden“, so Pichatzek.

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker betonte in ihrer Eröffnungsrede: „Fünf Prozent der Kappelner Bürger sind als Deutsche mit einer fremden Sprache in der Stadt ansässig geworden. Diese Zuwanderer sind Pioniere der Zeit.“ Längst hätten sich diese Mitbürger zu Leistungsträgern auf gesellschaftlicher, kultureller und sportlicher Ebene entwickelt. Doch dürfe niemand vergessen, dass die Auswirkungen der Kriege lange nachwirken. Die Bürgervorsteherin appellierte an alle Kappelner, Toleranz gegenüber Ungewohntem zu zeigen und persönliche Kontakte zu stärken.

Seit sieben Jahren gilt die 83-jährige Bürgerin Friederike Engel als eine Vorreiterin für die Integration der Russlanddeutschen. Der Lohn für ihr Engagement war in diesem Jahr die Einladung nach Berlin zum Bürgerfest des Bundespräsidenten. Olga Lang vom Sozial-Forum, die maßgeblich an der Organisation der Ausstellung beteiligt ist, überreichte Engel ein Blumengebinde. Lang ergänzte: „Es ist wichtig, dass alle ohne Vorurteile aufeinander zugehen.“ Projektleiter Fischer bestätigte die Notwendigkeit, den Deutschen aus Russland überall – wie in Kappeln – Chancengleichheit zu gewähren. Und danach lud er zum Häppchenessen nach russlanddeutschen Rezepten ein – und außerdem zu einem Singen à la „Kalinka“.

> Die Ausstellung „Deutsche aus Russland – gestern und heute“ ist bis zum 6. Oktober in der Gemeinschaftsschule, Hindenburgstraße 2, zu sehen. Anmeldung: ✆ 0 46 42 / 9 21 08 23.

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