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Ostseeresort Olpenitz : Ausschuss macht Weg frei für Marina

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das Ostseeresort Olpenitz könnte noch in diesem Jahr Bauanträge für Yachthafen und Werfthallen stellen.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 19:38 Uhr

Es war eine kleine Herausforderung, die der Bauausschuss anlässlich seiner jüngsten Sitzung zu bewerkstelligen hatte. Es ging um die B-Plan-Änderung für das Ostseeresort Olpenitz, deren Folge eine sogenannte vorzeitige Baureife sein sollte – das heißt: Es können Bauvorhaben umgesetzt werden, obwohl noch kein Satzungsbeschluss vorliegt. Diesen Umstand regelt der Paragraf 33 des Baugesetzbuches unter der Überschrift „Zulässigkeit von Vorhaben während der Planaufstellung“. Konkret bezog sich dies auf die geplante Marina im Ostseeresort, deren Gesamtgröße, vor allem aber Hallenhöhe bereits mehrfach kritisiert worden waren – sowohl von Naturschutzverbänden als auch von örtlichen Bootsbauern. Jetzt sollte sich der Ausschuss mit den eingegangenen Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange befassen – hatte jedoch eben diese 14 DinA4-Seiten erst unmittelbar vor der Sitzung als Tischvorlage erhalten. Nach langer Diskussion, die auch Per Barlag Arnholm und Dietrich Landmann von der Helma Ferienimmobilien GmbH (Eigentümerin des Ostseeresorts) verfolgten, einigte sich das Gremium mehrheitlich darauf, die Abwägungen zu empfehlen und so den Weg zu vorzeitiger Baureife freizumachen.

Grundlage für die Entscheidung waren die sehr ausführlichen Erläuterungen des Landschaftsarchitekten Frank Springer, der sich jeder einzelnen Stellungnahme, darunter die des Kreises, der IHK, des Nabu, der Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) und einzelner Nachbargemeinden, im Detail widmete. Vorweg schickte er die Ursache für die kurzfristige Vorlage der Stellungnahmen. „Es gab inzwischen drei Besprechungen zwischen der Helma und den Naturschutzverbänden“, sagte Springer. Dabei sei eine schriftliche Vereinbarung entstanden, die er „die Basis des Abwägungsbeschlusses“ nannte. Gleichzeitig habe man den Verbänden eine Fristverlängerung für ihre Stellungnahmen eingeräumt. Eben diese habe die Zeitknappheit ausgelöst.

Dass der Bauausschuss nun unbedingt noch kurz vor Jahresfrist Baurecht auf dem genannten Areal der geplanten Marina schaffen soll, hat derweil einen anderen Grund. Wie Per Barlag Arnholm, geschäftsführender Gesellschafter der Helma, erläuterte, ist dieser Schritt von wirtschaftlicher Bedeutung für das Projekt. „Wir haben zwei Käufer für die Fläche“, sagte Arnholm vor dem Ausschuss. „Beide haben ab 2016 ein Rücktrittsrecht und werden das auch wahrscheinlich wahrnehmen. Wenn das passiert, haben wir keine Marina und das Ostseeresort wird um Jahre zurückgeworfen.“

Auch deshalb hat die Helma den engen Kontakt zu den Naturschutzverbänden gesucht und in der dreiseitigen Vereinbarung teils bemerkenswert konkrete Abmachungen getroffen. So heißt es darin etwa, dass einzelne Dächer der geplanten Werfthallen begrünt werden und Hallenwände als Unterschlupfmöglichkeit für Kleintiere dienen sollen. Lichtverschmutzung soll insoweit vermieden werden, als dass Lichtstrahler nur auf den Boden gerichtet werden. Auch die Dächer der Ferienhäuser sollen begrünt und eventuell mit Fotovoltaik versehen werden. Das Papier lag im Vorfeld der Sitzung allen Beteiligten unterschriftsreif vor. Unterschrieben hatten – Stand gestern – die Stadt, die Helma, der Nabu und die IGU. Es fehlten der Landesnaturschutzverband und der Verein Jordsand. Kein Umwelt-Vertreter hatte derweil den Weg in den Sitzungssaal gefunden.

Im Ausschuss herrschte große Einigkeit darüber, dass die kurzfristige Vorlage der Stellungnahmen äußerst unglücklich sei. Gleichwohl betonte der Ausschussvorsitzende Volker Ramge (CDU): „Ich finde es sehr gut, dass Stadt und Investor in der Art auf die Umweltverbände zugehen. Das ist deutlich mehr als das, was wir tun müssen.“ Auch Rainer Moll (SPD) erkannte darin den Knackpunkt. „Die Verzögerung ist nur dem Umstand geschuldet, dass die Helma freiwillig mit den Naturschützern geredet hat“, sagte er. „Die Sache deshalb ins neue Jahr zu ziehen, halte ich für viel zu riskant.“ Daran ändere für ihn auch die Tatsache nichts, dass die Vereinbarung noch nicht von allen unterschrieben sei. Moll: „Wir sollten uns nicht am Nasenring durch die Manege führen lassen, nur weil einige ihre Termine nicht einhalten.“ Das sah Dietrich Landmann, Helma-Projektentwickler, genauso. „Wir wollen das Projekt zügig und erfolgreich hinter uns bringen“, sagte er. „Das gelingt aber nicht, wenn es uns nun zum Nachteil gereicht, dass Unterschriften fehlen.“

Marina-Betreiber Thedje Ancker brachte noch eine andere Sorge ins Spiel – nämlich die des zu ähnlichen Klientels der alteingesessenen Werftbetreiber und des neuen Betreibers im Ostseeresort. „Wir sind nicht gegen eine Investition in diesem Bereich“, sagte Ancker. Aber er wünsche sich einen Zusatzvertrag, der die Reihenfolge des Baus regelt. Ancker: „Erst die Dockhalle für die großen Boote, um ein Zusatzangebot für die Region zu schaffen.“ Rainer Moll stellte an dieser Stelle klar, dass der Hafen im Resort ohnehin für anderes Klientel gedacht sei.

Gegen eine Nein-Stimme (Grüne) votierte der Ausschuss für den Abwägungsbeschluss. Der Kreis wird nun prüfen, ob das Anliegen tatsächlich dem Paragrafen 33 des Baugesetzbuches entspricht und somit vorgezogene Baureife erhalten kann. Gestern Abend allerdings sollte zunächst noch die Stadtvertretung darüber befinden.

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