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Zerbrechliche Ware : Aus Glasbruch entstehen Kunstwerke

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Glasbläser müssen hohe Temperaturen ertragen. Als Lohn winken Kunstwerke und ein unvergessliches Erlebnis – wie ein Besuch in der Ulsnisser Glasbläserei zeigt.

Der Schnupperkurs im Glasblasen war für Bärbel Jacobsen und ihren zwölfjährigen Sohn Jan-Vincent ein einmaliges Erlebnis. Inmitten von Feuer, Hitze und weißglühendem Glas fertigten sie unter Anleitung von Sabine Putbrese kleine Kunstwerke.

Zuerst erhielten sie von der Künstlerin eine Einweisung in die technische Ausstattung ihrer Werkstatt in Ulsnis. Zentraler Ort ist der Schmelzofen, in dem 100 Kilogramm geschmolzenes Glas bei einer Temperatur von 1200 Grad Celsius auf ihre Verarbeitung warten. Verbrauchtes Material wird über Nacht mit Glasbruch aufgefüllt, der sich bis zum Morgen in der restlichen Masse auflöst. Mit einer Stange holt der Glasbläser das honigweiche Material heraus, das ständig gedreht werden muss, damit es nicht von der Stange tropft.

Mutter Bärbel hatte die Idee eines massiven Briefbeschwerers in Form eines in einer Glaskugel eingeschlossenen Fliegenpilzes mitgebracht. Putbrese fertigt also zunächst ein Muster, denn ein derartiges Teil hatte sie zuvor noch nie hergestellt. Danach ist ihre Schülerin dran. Am Anfang ist bei dieser der Respekt vor der Hitze des Ofens und des Materials sehr hoch. Doch unter fachkundiger Anleitung holt sie mehrere Lagen Glas aus dem Ofen, färbt diese in Weiß sowie Rot ein und formt sie mit einem Werkzeug – dem Jack – sowie nassem Zeitungspapier. Was herauskommt, ist nicht mehr unbedingt als Pilz zu erkennen. Aber es gefällt ihr.

Dann ist Pause, die die Protagonisten nutzen, um den durch die Saunatemperaturen hervorgerufenen Flüssigkeitsverlust ihrer Körper durch Leitungswasser wieder aufzufüllen. Danach ist Sohn Jan-Vincent an der Reihe. Er hat das Prozedere bisher kritisch aus großer Distanz betrachtet, geht dann aber beherzt zur Sache und entwickelt viel Gefühl für das Formen. Er will ein Glas herstellen, aus dem man trinken kann, und kommt deshalb mit der Pfeife in Berührung, mit der das breiige Glas aufgeblasen wird. Künstlerin Putbrese muss bei der ersten Blase mit einem Trick aushelfen. Danach gelingt Jan-Vincent das Aufblasen, Formen und das Bilden eines Bodens. Es entsteht ein sehr individuelles Trinkglas.

Doch mit nach Hause nehmen dürfen die Kursbesucher ihre Produkte noch nicht. Sie würden in kürzester Zeit durch innere Spannung zerspringen, wenn man sie der Umgebungstemperatur aussetzt. Deshalb verbringen sie die nächsten 24 Stunden in einem Abkühlofen, der die Gläser ausgehend von 550 Grad Celsius bis auf Raumtemperatur bringt.

„Das sah schwieriger aus, als es war“, meint Jan-Vincent hinterher. Und seine Mutter schwärmt. „Das ist unglaublich“, fasst sie zusammen und ist sich sicher, dass sie nicht zum letzten Mal am Glasofen stand. Nur will sie das nächste Mal nicht so konkrete Vorstellungen für das Endprodukt haben. „Dann werde ich es mehr fließen lassen.“

Sabine Putbrese bietet neben den Schnupperkursen auch Workshops mit bis zu zwei Gruppen an. Am Wochenende vom 2. und 3. November jeweils von 13 bis 15 Uhr veranstaltet sie parallel zur Finissage in der „Galerie Nr. 10“ ein Schaublasen. Bis dahin sind noch Vereinbarungen für Kurse unter Tel. 0 46 41 / 4 84 97 04 möglich. Anschließend will sie den Ofen leer arbeiten und für dieses Jahr herunterfahren.

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erstellt am 19.Okt.2013 | 13:00 Uhr

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