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Schlei-Bote

20. August 2017 | 00:52 Uhr

Gedenkfeier : Aufruf zur Brüderlichkeit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mit einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des 150. Jahrestags der Schlacht bei Missunde wird am Sonntag der Versöhnung von Dänen und Deutschen gedacht.

Als am 2. Februar 1864 die Granaten in Missunde einschlugen, fand die erste Schlacht im Zweiten Schleswig-Holsteinischen Krieg statt. Begonnen hatte er 1. Februar und endete am 30. Oktober des selben Jahres mit einem Friedensvertrag. In Kürze jährt sich das Datum zum 150. Mal und wird als Anlass zur Versöhnung von Deutschen und Dänen mit einer Gedenkveranstaltung am Sonntag, 2. Februar, 15 Uhr, in Missunde gewürdigt. Schätzungen zufolge kamen bei der Schlacht rund 60 Soldaten um, mehr als 300 wurden verletzt.

„Wir wollen die Veranstaltung zum Anlass nehmen, an den überwundenen Zwist der benachbarten Völker zu erinnern und gleichzeitig zur Brüderlichkeit zu mahnen“, sagt Heinz Zimmermann-Stock, der mit Kosels Bürgermeister Hartmut Keinberger seit gut drei Jahren die Veranstaltung vorbereitet. Man wolle die gute Nachbarschaft von Deutschen und Dänen betonen und daran erinnern, dass Grenzen unter einem gemeinsamen europäischen Dach verschwimmen und unwichtig werden. Zahlreiche Gäste werden zu der öffentlichen Veranstaltung erwartet. Das Original-Schlei-Blasorchester unter Leitung von Andreas Ehmer wird die Gedenkstunde musikalisch mit verschiedenen Hymnen begleiten.

Die Schlacht in Missunde, am schmalsten Übergang über die Schlei, stand am Anfang des zweiten Krieges zwischen Dänemark und Preußen/Österreich um die Loslösung der Herzogtümer Schleswig und Holstein von Dänemark. Der Waffengang fand vor dem Hintergrund nationalistischer Bestrebungen in ganz Europa statt. Am Morgen des 2. Februar 1864 zog der preußische Prinz Friedrich Karl mit einem Armeekorps mit rund 10.000 Soldaten auf die dänischen Stellungen bei Kochendorf zu. Als sie ankamen, waren die Dänen nicht mehr da. Die Preußen rückten Richtung Missunde weiter. Gegen 10 Uhr erreichte eine Vorhut Missunde, wo sie schnell mit dänischen Verteidigern in einen Kampf verwickelt wurden. Die Preußen konnten die äußeren Stellungen besetzten, in die die nachrückenden Truppen samt 64 Feldkanonen einzogen. Oberhalb des Ortseingangs von Missunde (etwa im Bereich der heutigen Gedenkstätte) befanden sich zwei starke dänische Abwehranlagen mit Geschützen, sogenannten Schanzen. Schätzungsweise 2200 Mann waren auf der Halbinsel Missunde stationiert. Um die Mittagszeit setzte ein heftiger gegenseitiger Beschuss ein. Da dichter Nebel über dem Schlachtfeld lag, konnten die Kanoniere die feindlichen Anlagen schwer ausmachen. Viele Geschosse flogen zu weit und setzten etliche Gebäude in Missunde in Brand. Am Nachmittag wagten die Preußen einen Sturmangriff, der jedoch scheiterte. Nach rund acht Stunden Gefecht befahl Karl Friedrich den Rückzug. Die Truppen zogen Richtung Norden weiter. Tage später überquerten sie bei Kappeln die Schlei.

„Von den alten Anlagen und Schanzen ist nichts mehr in der Landschaft zu sehen“, berichtet Zimmermann-Stock. Im Bereich der alten nördlichen Schanze wurde später eine Gedenkstätte errichtet. Dabei wurde ein dort befindliches Steinzeitgrab genutzt. Auf dessen Steinen wurde eine gusseiserne Platte angebracht. Sie war 1964 zum 100-jährigen Gedenken der Schlacht auf einem neuen Platz mit einem Gedenkstein installiert worden.

Im vergangenen Dezember hatten die Koseler Gemeindearbeiter mit Bürgermeister Keinberger und Bürgern aus Missunde das Ehrenmal aufgeräumt und freigelegt. Als letztes ergänzten die Organisatoren der Gedenkveranstaltung jetzt ein Infoblatt zu dem Ehrenmal, das auf Dänisch verfasst ist. An den Kampf erinnern noch heute an zahlreichen Häusern in Missunde eingebaute dänische Kanonenkugeln. Julie Mylord, Gutsherrin auf Ornum, ließ im Kampf beschädigte Gebäude, die zum Gut gehörten, wieder aufbauen. Dabei wurden zur Erinnerung und zum Andenken an Mylord die Kugeln samt Gussplatte mit den Initialen „JM 1864“ angebracht.

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erstellt am 31.Jan.2014 | 12:30 Uhr

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