Auf Tuchfühlung mit den Schaustellern

Wolfgang Lange (links) zeigt den Teilnehmern der Backstagetour das wichtigste Teil seiner Kinderachterbahn: den Ordner mit den Unterlagen für die Genehmigungen und Versicherungen.  Foto: Kuhl
Wolfgang Lange (links) zeigt den Teilnehmern der Backstagetour das wichtigste Teil seiner Kinderachterbahn: den Ordner mit den Unterlagen für die Genehmigungen und Versicherungen. Foto: Kuhl

Bei der Backstagetour des Schlei Boten konnten Brarupmarkt-Fans einen tiefen Blick hinter die Kulissen des Volksfestes werfen / Verwehrt blieb lediglich der Besuch eines Wohnwagens

Avatar_shz von
28. Juli 2012, 08:27 Uhr

Süderbrarup | Es war eine bunte Mischung, die sich am Abend vor der Brarupmarkt-Eröffnung vor dem Riesenrad traf. Alle waren Gewinner bei der Verlosung der Backstagetour und hatten eines gemeinsam: "Sie sind alle Brarupmarkt-Freaks - denn sonst hätten sie sich garantiert nicht zu dieser Tour gemeldet", meinte Süderbrarups Bürgermeister Friedrich Bennetreu bei seiner Begrüßung. Danach rollte er die Geschichte des Marktes von vorchristlicher Zeit bis heute vor den Zuhörern aus.

Tourführer Michael Wundsam vom Landesverband der Schausteller und Marktkaufleute Schleswig Holstein fütterte dann nackte Zahlen nach, in denen er Arbeitsplätze, Umsatz und Besucherzahlen vorstellte, die sechsmal höher sind als bei der Fußballbundesliga. Mit einem Lebkuchenherzen wurden die Besucher dann zu echten Backstagetouristen gemacht.

Otto Cornelius präsentierte Kosten und Technik des Aufbausystem seines 50 Meter hohen Riesenrads, das zwar auf drei Tiefladern montiert in zwei Tagen aufgebaut werden kann, aber nicht ohne Transportgenehmigung bewegt werden darf.

Gleichermaßen fasziniert war man vom größten reisenden "Hau den Lukas" gegenüber, dessen Aufbausystem von Besitzer Peter Sachs (Schlosser und studierter Ingenieur) selbst konstruiert wurde. Er reist mit diesem Stand bis nach München. Bei dieser Gelegenheit wiesen die Schausteller auf ihre veränderte Einstellung zur Schulbildung hin, die früher als Plage und heute als Überlebensnotwendigkeit betrachtet und sehr ernst genommen wird.

Dann ging es kreuz und quer über den Marktplatz. Autoscooter und Kinderachterbahn verrieten ihre technischen Geheimnisse. "Die hohen Stromkosten und Anschaffungspreise haben mich überrascht", meinte Merle Marie Jessen aus Quern angesichts Beträgen, die bei 100 000 Euro anfingen und bei zwei Millionen nicht aufhörten. Doch auch kleine Betriebe zeigten ihre Geheimnisse. Angelina Fahrenkrug war erstmals mit ihrem Crêpes-Stand auf dem Markt und gab Tipps, als die Besucher selbst versuchten, die dünnen Pfannkuchen zu backen. Bei einem Süßwarengeschäft durften die Besucher hinter die Theke und selbst Zuckerwatte herstellen. "Die Kunst bei Zuckerwatte ist es, viel Luft zu verkaufen", erklärte dazu Wundsam, der vorrechnete, dass ein Liebesapfel mehr Zucker enthält, als so eine weiße Riesenwolke.

Charles Fahrenkrug bewirtete die Teilnehmer in seiner Wurstbraterei, die schon seit 80 Jahren auf Brarupmarkt steht und ihr Fleisch immer noch vom gleichen Schlachter erhält. "Qualität ist wichtig, denn die Marktbesucher wollen auch im nächsten Jahr den typischen Geschmack wieder haben."

Die Tour endete nach einem Besuch des Spiegellabyrinths und einer Schießbude im "Café Wien", wo bei Kaffee und kalten Getränken noch Restthemen in gemütlicher Runde aufbereitet wurden. Leider konnte der Wunsch nach dem Besuch eines Wohnwagens nicht erfüllt werden, da dies doch die Privatsphäre der Schausteller zu stark belasten würde.

Insgesamt war das Urteil der Tourteilnehmer positiv. "Mir hat gefallen, dass man mit den Schaustellern ins Gespräch kommt und sieht, dass das ganz normale Menschen sind, die nicht nur den Profit im Auge haben", meinte Stefan Clausen aus Mohrkirch. Das fand auch Annedore Clausen aus Tolk: "Ich fand es nett, dass die Schauspieler so offen waren und über ihr Leben in dieser Gruppe, die eigentlich ein Dorf ist, berichteten."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen