Kappeln : Auf Erinnerungstour mit der „Peking“

Die „Peking“ lag lange als Touristenattraktion im East River von New York.
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Die „Peking“ lag lange als Touristenattraktion im East River von New York.

Kapitän Uwe Schneidewind berichtet über die Arbeit auf dem Großsegler und dessen anstehende Sanierung.

shz.de von
10. Januar 2019, 15:58 Uhr

Mit der „Heimkehr der Peking“ und dem Referenten Kapitän Uwe Schneidewind aus Kiel hatte der Vorsitzende des Nautischen Vereins Kappeln-Schlei, Rainer Gause, offensichtlich eine äußerst ansprechende Kombination auf die Tagesordnung der Januar-Versammlung gesetzt. An die 50 Mitglieder konnte Gause in dem in „Tauwerk“ umbenannten Restaurant „Landgang“ begrüßen. Sie alle hörten einen interessanten und abwechslungsreichen Vortrag des 81-jährigen Uwe Schneidewind, der als 16-Jähriger auf der „Pamir“ als Schiffsjunge seine seemännische Karriere begonnen hatte, später als Erster Offizier 23 Jahre auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ der Marine seinen Dienst tat und danach den Passagiersegler „Lili Marlen“ als Kapitän führte. Auch nach seiner Pensionierung ist er der Segelschifffahrt treu geblieben und heute Geschäftsführer der „Pamir-Passat-Vereinigung“.

Schneidewind berichtete über die Arbeit an Bord und über das Schicksal der „Peking“. Sie ist ein Schwesternschiff der in Lübeck beheimateten „Passat“. Beide Schiffe gehören zu dem Quartett der letzten vier großen „Flying P-Liner“. Außer den beiden genannten Schiffen existieren nur noch die „Pommern“ im finnischen Mariehamn, und die „Padua“, die jetzt unter dem Namen „Krusenstern“ als russisches Schulschiff unterwegs ist. Als „Flying P-Liner“ gelten Segelschiffe, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Besitz der Reederei F. Laeisz befanden. Alle trugen die typischen Reedereifarben Schwarz-Weiß-Rot. Es waren zuverlässige und schnelle Großsegler, die für den Salpetertransport von Chile nach Deutschland eingesetzt wurden.

1910 wurde die „Peking“ auf der Hamburger Werft „Blohm & Voss“ gebaut. 1911 absolvierte der 115 Meter lange und 14,4 Meter breite Viermast-Großsegler seine erste Fahrt nach Valparaiso. Insgesamt hat die „Peking“ diesen Seeweg noch 34 weitere Male problemlos geschafft, einschließlich der Kap-Hoorn-Passage. Im Ersten Weltkrieg wurde das Schiff in Chile beschlagnahmt und nach England überführt. Nachdem Italien das Schiff 1923 als Reparation erhalten hatte, konnte Reeder Laeisz den Segler noch im gleichen Jahr zurückkaufen. 1926 wurde die „Peking“ zum kombinierten Schul- und Frachtschiff umgebaut.

Die Arbeit an Bord war hart. Elektrischen Strom gab es nicht, alles musste per Hand erledigt werden. Kapitän Schneidewind belegte das mit Original-Fotos: Seemänner, die bei hoher See barfüßig in den Masten herumkletterten, um Segel zu bergen oder die die Ankerwinde bedienen mussten. 1932 wurde das Schiff nach England verkauft und wurde Schulschiff. 1974 schließlich kam die „Peking“ in die USA und lag zuletzt als Museumsschiff im New Yorker Hafen. Sie wurde im Juli und August 2017 zur Restaurierung in die Wewelsflether Peters-Werft mit dem Combi-Dockschiff „Combi Dock III“ überführt. Der Transport dauerte elf Tage. Am 2. August 2017 erreichte sie die Peters-Werft, auch darüber berichtete Uwe Schneidewind. Er hat die „Peking“ auf der Werft besucht und zeigte anhand von Fotos, was alles am Schiff marode war. Die Sanierung soll 20 Millionen Euro kosten und – wenn alles gut läuft – 2020 abgeschlossen sein. Dann, so die Vermutung, wird sie im Hamburger Hansa Hafen ihren endgültigen Liegeplatz finden.

Anschließend stand Kapitän Uwe Schneidewind für Fragen zur Verfügung. Rainer Gause bedankte sich für den eindrucksvollen Vortrag mit dem obligaten Aal von Föh.

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