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Kappeln als „Fairtrade Town“ : Auf dem Weg zur „gerechteren“ Stadt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung und Touristik unterstützt den CDU-Antrag, Kappeln zur „Fairtrade Town“ zu machen.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 07:00 Uhr

Die Sitzung hatte noch gar nicht richtig begonnen, als Axel Langkowski (CDU) sie schon wieder kurz unterbrach. Der Grund dafür war dunkel und süß, musste allerdings, und das war der Haken, erstmal geräuschvoll ausgepackt werden, bevor er geräuschlos in den Mündern der Mitglieder des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Touristik verschwinden konnte. Volker Ramge (CDU) hatte Schokolade mitgebracht. Und wie das eben häufig ist bei Dingen, die abseits des regulären Protokolls stattfinden, trug auch diese Schokolade dazu bei, dass sich für eine kleine Weile keiner so richtig dazu berufen fühlte, sich dem – vor allem im Vergleich zu Schokolade – so schnöden Tagesgeschehen zu widmen. Allerdings: Eben dieses Tagesgeschehen steckte schon mitten in den kleinen dunklen Täfelchen drin. Die Schokolade nämlich war keine gewöhnliche, sondern eine mit „Fairtrade“-Siegel. Und sie sollte die Kommunalpolitiker darauf einstimmen, was die CDU-Fraktion schriftlich formuliert hatte – den Wunsch, Kappeln zu einer „Fairtrade Town“ zu machen.

Es war daher keine große Überraschung, dass Volker Ramge seinen Beitrag – ohne Schokolade im Mund – so einleitete: „Wir halten das für eine sehr gute Idee.“ Kurz erläuterte er die in seinen Augen „ausgesprochen niederschwelligen“ fünf Kriterien, die eine Stadt auf ihrem Weg zur „Fairtrade Town“ erfüllen muss, darunter etwa ein politischer Beschluss, die Gründung einer Steuerungsgruppe und der bewusste Einsatz von fairgehandelten Produkten in Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Sein Schlusswort: „Was zählt, ist der Wille, mitzumachen. Und ich kann mir wirklich kein vernünftiges Gegenargument vorstellen.“

Die Verwaltung konnte dies insofern, als dass sie in der Beschlussvorlage darauf hin wies, im Rathaus nicht über die ihrer Ansicht nach erforderlichen Kapazitäten zur Bearbeitung einer „Fairtrade“-Kampagne zu verfügen. Volker Ramge indes war zuversichtlich, dass eben diese Kampagne „toll mit der Verwaltung klappen kann“ und dass vermutlich sogar eine Viertel-Stelle für die Bearbeitung noch zu hoch gegriffen sei. „Außerdem“, so Ramge, „kann das Spaß machen“. Eben den erkannte auch Norbert Dick (Grüne), als er sich dafür einsetzte, für dieses Anliegen „Platz zu schaffen“. Und auch Rainer Moll (SPD) nannte den Arbeitsaufwand „nicht so umfangreich“ und die Sache „viel zu wichtig“. Christian Andresen (SSW) wollte die „Fairtrade“-Kampagne derweil lieber bei den örtlichen Geschäftstreibenden ansiedeln. „Die Wirtschaft“, sagte er, „kann den Vorreiter machen“. Diesem Gedanken allerdings mochte sich die Mehrheit nicht anschließen. Stattdessen stimmten neun Ausschussmitglieder für den CDU-Antrag, das Ziel „Fairtrade Town“ anzusteuern. Andresen enthielt sich. Ob er von der Schokolade etwas übrig gelassen hatte, ist nicht bekannt.

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