Bundessieger : Auf dem Olymp des maritimen Handwerks

Stolzes Trio bei der Hamburger Hanseboot: Preisträger Jan Brügge (Mitte), Lehrherr und Werftchef Wilfried Stapelfeldt (links) und Torsten Conradi, Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauerbandes.
Stolzes Trio bei der Hamburger Hanseboot: Preisträger Jan Brügge (Mitte), Lehrherr und Werftchef Wilfried Stapelfeldt (links) und Torsten Conradi, Präsident des Deutschen Boots- und Schiffbauerbandes.

Jan Brügge, Geselle bei der Kappelner Bootswerft Stapelfeldt, ist Bundessieger im Leistungswettbewerb Bootsbau geworden. Bei der Messe Hanseboot erhielt der 26-Jährige seine erste Auszeichnung.

shz.de von
04. November 2013, 07:30 Uhr

Davon hatte Wilfried („Willy“) Stapelfeldt lange geträumt. Als junger Spund war der Inhaber der gleichnamigen Kappelner Jacht- und Bootswerft einst bester Geselle Deutschlands. Nun hat der Senior als Lehrherr endlich auch einen seiner Schützlinge auf den Olymp des maritimen Handwerks geführt. Jan Brügge, Geselle bei der Werft in Grauhöft, ist Bundessieger im Leistungswettbewerb Bootsbau – kurz: In der Republik gibt es in diesem Jahrgang keinen Besseren als den jungen Mann aus Kappeln.

Bei der Ehrung des Muster-Azubis in Hamburg strahlte Stapelfeldt vor Glück und sprach aus, was ihm ohnehin jeder ansah: „Ich bin sehr stolz.“ Der Deutsche Boots- und Schiffbau-Verband (DBSV) überreichte Brügge während der Mitgliederversammlung am Rande der Messe Hanseboot, die gestern zu Ende ging, ein Buch – selbstverständlich zum Thema Bootsbau. Die offizielle Auszeichnung auf Bundesebene durch den Zentralverband des Deutschen Handwerks folgt.

Bei der Hanseboot konnten Besucher bestaunen, was Brügge und seine Kappelner Kollegen um Jo Vierbaum mit ihren kundigen Händen zu erschaffen vermögen. In Halle B 2 präsentierte die Werft den im Sommer fertiggestellten Daysailer „Tango“, ein gelungener Mix aus Hightech-Carbon und traditionellem Mahagoni-Look. Und DBSV-Präsident Torsten Conradi schwärmte bei der Preisverleihung: „Ein Boot, das einfach nur perfekt werden sollte.“

Jan Brügge sieht das Einzelstück im Auftrag eines leidenschaftlichen Eigners als Glücksfall, als „krönenden Abschluss“ seiner Ausbildung. Denn: „Man kann nicht Bootsbauer sein, ohne ein ganzes Boot gebaut zu haben.“ Und eben nicht nur reparieren, umbauen und Einzelteile herstellen.

Überhaupt beinhalte sein Beruf viele Berufe, findet der 26-Jährige, der in Hamburg geboren wurde und über die Familie Kontakt zur Werft an der Schlei bekam. „Wir sind Tischler, Lackierer, Schlosser, Kunststoffbearbeiter und vieles mehr“, sagte der junge Mann am Rande der Zeremonie. Und kreative Problemlöser. Am meisten Spaß, so Jan Brügge, mache es ihm, selbst Ideen für knifflige Details zu entwickeln und umzusetzen. Und warum ist er der beste der Besten ? „Ich bin selbst Segler und kann mir gut vorstellen, wie die Sachen im Schiff zu funktionieren haben.“ So wohl auch bei jenen Mallspanten, die Brügge im Finale des Bundeswettbewerbs besser hinbekam als die Konkurrenten aus den anderen Bundesländern.

Die Leidenschaft für Werkzeuge und Maschinen habe sich bei ihm früh gezeigt. „Ich war mit sieben Jahren der jüngste Praktikant bei Stapelfeldt“, sagte der Preisträger schmunzelt. „Damals haben sie mir einen Bock hingestellt, damit ich an die Werkbank kam.“ Dennoch führte ihn der Weg nicht direkt zum Handwerk, zunächst studierte er Nautik in Rostock. „Aber ich habe dabei festgestellt, dass ich nicht ein halbes Jahr auf einem Containerriesen über die Weltmeere fahren will.“ Brügge zog es zu den kleineren Schiffen und zum Selbermachen.

Nach Abschluss der Ausbildung ist der Vorzeige-Geselle bei Stapelfeldt geblieben, wo er sich nun nebenbei und Stück für Stück seinen eigenen Traum erfüllt: „Ich will mir selbst ein Boot bauen.“ Die Pläne sind bereits gezeichnet, erste Teile schon gefertigt.

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