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Auf Betriebe abseits des Tourismus setzen

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Grünen-Spitzenkandidat Michael-Sven Schattka plädiert für ganzjährige Arbeitsplätze / Stadt ist bei den Finanzen auf Hilfe von außen angewiesen

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kappeln | Die Stadtbücherei bleibt für Michael-Sven Schattka auch in den nächsten Jahren eine wichtige Angelegenheit. "Wir haben in Kappeln nur wenig an kultureller Infrastruktur anzubieten, da bleibt die Bücherei - gerade auch weil sie in städtische Hände gewechselt ist - ein lebendiges Thema", sagt der Spitzenkandidat der Grünen für die Kommunalwahl. Die Bücherei liegt Schattka am Herzen, weil sie gerade für den täglichen, kulturellen Nutzen so wertvoll sei, und für den Fototermin hat er sich diesen Ort ausgesucht.

Für den Urnengang am 26. Mai wünscht sich Schattka so viele Stimmen wie möglich. "Beim letzten Mal haben wir das dritte Mandat nur knapp verpasst, dieses Mal könnten wir es schaffen, denn in unserer politischen Arbeit sind wir deutlich sichtbarer geworden." Die mit der Wahl einhergehenden personellen Veränderungen lassen den grünen Kommunalpolitiker auf eine andere Form der Zusammenarbeit hoffen. "Ganz schlecht war die Zusammenarbeit bisher auch nicht, und durch die große Koalition gab es auch immer eine Entscheidungsfähigkeit. Aber manche Abstimmung war schon klar, bevor die Stadtvertretung darüber beriet."

Für die Entwicklung der Stadt befürwortet er eine Bündelung der Kräfte im Tourismusbereich und meint eine Zusammenarbeit der Ostseefjord-Schlei-GmbH mit dem Touristikverein. Doch er empfiehlt auch, über die Tourismusgrenze hinauszuschauen. "Wir können nicht die Fußgängerzone mit acht Cafés bestücken. Im Sommer mag das o.k. sein, aber im Winter nicht", so Schattka. Stattdessen solle man auf mittelständische Unternehmen setzen, die Arbeitsplätze abseits von Betten und Frühstück machen schaffen. "Die Urlaubssaison dauert nur sechs Monate", meint der Diplom-Volkswirt.

Den Umzug von Aldi und Sky in die Borkumer Straße und die damit einhergehende Vergrößerung hat Schattka mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen. Zwar befürwortet er die Nahversorgung für die weniger einkommensstarke Bevölkerung Ellenbergs, doch sieht er für andere Flächenvergrößerungen im Lebensmittelbereich keinen Anlass. "Der Konkurrenzkampf wird mörderisch, es wird immer mehr Leerstand geben." Den Leerstand in der Innenstadt führt der Diplom-Volkswirt auf zu hohe Mieten zurück. Es lohne ein Blick nach Eckernförde, da würde es boomen, weil es einen Trend vom Land weg gebe. Daher seien Zentralorte wie Eckernförde mit der Nähe zu Kiel besser dran. "Darauf müssen wir reagieren und die Objekte besser anbieten. Wir sind eben keine wachsende, sondern eine schrumpfende Stadt."

Ausdrücklich lobt der gelernte Vermögensberater die Anstrengungen der Betriebe in der Mühlenstraße. "Das ist eine ganz charmante Umgebung geworden, und die Ladenbesitzer haben eine enorme Initiative gezeigt." Hier stelle sich nun die Aufgabe, die Mühlenstraße an die Fußgängerzone anzubinden.

Bei den Großprojekten hält sich Schattkas Zuversicht in Grenzen. Bei der Marinewaffenschule vermisst er den Mut für ausgefallene Lösungen. Da hätte die Stadt das Grundstück auch selbst kaufen und entwickeln können. "Was jetzt läuft, hätte die Stadt mit externer Hilfe auch leisten können." Doch glaubt er, dass das Projekt umgesetzt wird. Nur für das Schwimmbad sieht er momentan keine Lösung, da der Investor sich nicht mehr engagieren wolle als bisher. "Im B-Plan ist eine Fläche für die Schwimmhalle frei gehalten, doch nicht das Bauen, sondern das Unterhalten ist das Problem." Deutlich zurückhaltender beurteilt er das andere Großprojekt. "Port Olpenitz wird seinen Gang nehmen - über die nächsten 30 Jahre", meint Schattka verschmitzt. Hier werde es noch etliche B-Plan-Änderungen geben.

Problematisch beurteilt er die städtische Finanzlage. "Ich glaube nicht, dass die Kommune das Problem allein lösen kann. Dazu ist unser Steueraufkommen zu gering." Wenn Aufgaben von größeren Einheiten an die Kommune übertragen werden, dann müsste die Kommune dazu auch die Mittel erhalten. Womöglich kann er sich für diesen Standpunkt bald direkt beim Kreis einsetzen. Denn Michael-Sven Schattka kandidiert auch für den Kreistag.

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