Jagel : Auf allen Vieren durch den Tornado: Die Arbeit der Flugzeugwarte

Einparkhilfe: Philipp Menzel weist den Tornado auf der Abstellfläche vor dem Shelter ein.

Einparkhilfe: Philipp Menzel weist den Tornado auf der Abstellfläche vor dem Shelter ein.

Die Flugzeugwarte Philine Busch und Philipp Menzel sorgen dafür, dass die Kampfjets in Jagel sicher abheben können.

shz.de von
24. Juli 2018, 18:05 Uhr

Jagel | Der Tornado ist gerade gelandet, da bereiten sich die Flugzeugwarte Philine Busch und Philipp Menzel auf die Ankunft des Kampfjets vor. Sie schnüren den Nierengurt um, setzen sich den Helm auf. Wozu braucht man als Flugzeugwart einen Nierengurt? „Das schützt uns vor der Vibration durch die Triebwerke“, erklärt Hauptfeldwebel Menzel.

Dann kommt die Maschine auch schon laut dröhnend von der Landebahn Richtung Shelter gerollt. Während Menzel die Piloten auf der Abstellfläche vor dem Flugzeugbunker einwinkt, nimmt seine Kameradin bereits eine erste Kontrolle der Tragflächen vor. Dann wird der Tornado mit Hilfe eines Rangierfahrzeugs rückwärts in die Halle bugsiert.

Der Pilot und sein Waffensystemoffizier steigen über eine Leiter aus, übergeben das Bordbuch an Philipp Menzel. „Jetzt sind wieder wir für die Maschine verantwortlich“, sagt der 31-Jährige. So wie morgens, als man die Maschine bereits vor dem Abflug inspiziert hatte.

Die beiden Warte sind ein erfahrenes Team. Die 32 Jahre alte Stabsunteroffizierin Philine Busch gehört dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 „Immelmann“ bereits seit 2004 an. Von Beruf ist sie Kfz-Mechatronikerin. Der gelernte Fluggerätemechaniker Philipp Menzel kam 2007 nach Jagel. Nach zwei Jahren wechselte er an andere Standorte der Luftwaffe, ehe er 2017 zu den „Immelmännern“ zurückkehrte.

Routiniert arbeiten beide die Checkliste ab. Treten irgendwo Flüssigkeiten aus? Sind Kabel gebrochen? Sind noch alle Antennen dran? Ist mit den Reifen alles in Ordnung? Ist irgendwo ein Vogelschlag erkennbar? Hier und da werden Klappen geöffnet, die einen Blick auf die Technik der Maschine ermöglichen. Gleichzeitig rollt der Tanklaster an. „Der Tornado hat in der Regel 7000 Kilo Kraftstoff an Bord“, erklärt Philine Busch, als sie den Schlauch an den Tankstutzen anschließt.

Stabsunteroffizierin Philine Busch inspiziert das Cockpit.
Alf Clasen

Stabsunteroffizierin Philine Busch inspiziert das Cockpit.

 

Anschließend klettert die Stabsunteroffizierin ins Cockpit. Sie kontrolliert Füllstände, stellt Regler zurück auf Null, sortiert die Sitzgurte und leuchtet mit ihrer Taschenlampe alles gründlich aus. „Manchmal verlieren die Piloten einen Kugelschreiber.“ Das könnte beim nächsten Flug für die Besatzung gefährlich werden. Doch Busch findet nichts und meldet ihrem Kameraden nach einem abschließenden Gang über die Flügel: „Oben ist alles in Ordnung.“

Kriecharbeit: Hauptfeldwebel Philipp Menzel krabbelt durch einen der beiden Lufteinlässe, die zu den Triebwerken führen.
Alf Clasen

Kriecharbeit: Hauptfeldwebel Philipp Menzel krabbelt durch einen der beiden Lufteinlässe, die zu den Triebwerken führen.

 

Philipp Menzel schwingt sich derweil in die Lufteinlässe. Mit einer Taschenlampe bewaffnet krabbelt er bis zu den Triebwerken, überprüft diese auf etwaige Schäden. Aber auch hier gibt es keine Beanstandungen. „Das ist natürlich top, es erleichtert unsere Arbeit“, sagt der Hauptfeldwebel. Sollten Probleme auftreten und der Jet nicht mehr flugfähig sein, müssten spezielle Techniker des Geschwaders ran. „Außer bei Reifenwechseln, die machen wir selber.“

Wie abwechslungsreich ist der Job? „Man hat jeden Tag eine andere Maschine“, sagt Philine Busch. Und damit immer wieder andere Probleme. Hinzu kommen die Auslandseinsätze. Afghanistan, Türkei, Jordanien. Die beiden Flugzeugwarte sind in ihrer Laufbahn viel herumgekommen. Philine Busch war erst im Frühjahr für zwei Monate auf dem jordanischen Stützpunkt Al-Asrak, von wo aus deutsche Tornados zu ihren Aufklärungsflügen im Kampf gegen die Terrormiliz IS abheben. Im Herbst wird sie ein weiteres Mal dort sein.

Die beiden Warte montieren eine Harm-Rakete an den Rumpf des Jets.
Alf Clasen

Die beiden Warte montieren eine Harm-Rakete an den Rumpf des Jets.

 

An diesem Tag hat die Wartungs-Crew – eine von etwa zwölf, die pro Schicht auf dem Fliegerhorst Dienst schieben – noch eine weitere Aufgabe zu erledigen. Zwei Soldaten haben eine Luft-Boden-Rakete vom Typ Harm angeliefert. Mit einem Hubwagen schieben Philine Busch und Philipp Menzel die Rakete unters Flugzeug und montieren sie am Rumpf. Eine scharfe Rakete? „Wenn die scharf wäre, würde hier kein Fremdpersonal stehen“, stellt Menzel klar.

Nach gut einer Stunde ist der Jet fertig für die nächste Übungsrunde am Nachmittag. „Jetzt wartet nur noch der Papierkram auf uns“, sagt Menzel. Und die Mittagspause.

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