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Schlei-Bote

22. Oktober 2017 | 01:46 Uhr

Auch Urmel geht bald in die Schule

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Tierpsychologin und Lehrerin Gabi Orrú aus Grundhof bildet Schulhunde aus – zum Beispiel den jungen Münsterländer Urmel

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 19:03 Uhr

„Urmel“ soll über eine umgedrehte Gemüsekiste gehen. Autsch, ein unangenehmes Gefühl an den Pfoten. Lieber setzt er mit einem Satz drüber hinweg. Die Luftpolsterfolie hingegen schreckt den neun Monate alten Münsterländer wenig. Unter lautem Geknister untersucht er, ob hier ein Leckerli versteckt ist. Wenn „Urmel“ alt genug ist, soll er in die Schule gehen – aber nicht in die Hundeschule: Herrchen Sven Nicolaysen, Lehrer an einer Gemeinschaftsschule in Flensburg, bildet ihn als Schulbegleithund aus.

Heute stehen Basiskompetenzen auf dem Plan: Bindung Mensch-Hund und Bodenarbeit bei Gabi Orrú in Grundhof. Die Tierpsychologin und Lehrerin an der Heinrich-Andresen-Gemeinschaftsschule in Sterup ist selbst „Schulhundlerin“, hat den Arbeitskreis Schulhund Schleswig-Holstein ins Leben gerufen und bietet Fortbildungen im Bereich hundgestützter Pädagogik und für Mensch-Hund-Teams in sozialen Berufen an.

„Schulhunde müssen besonders gut ausgebildet sein, eine Menge Stress aushalten können“, sagt sie, aber vor allem müssten sie ein freundliches Wesen haben. „Man kann einem Hund alles Mögliche antrainieren, aber die soziale Intelligenz muss er von Haus aus mitbringen.“ Also wird sie sich die jungen Schulhundeanwärter heute genau anschauen. Wie gehen sie auf Menschen zu ? Wie reagieren sie in herausfordernden Situationen ? Sind sie eher forsch oder vorsichtig ? Und auch die Hundeführer sollen genau auf die Körpersprache ihrer tierischen Teamkollegen achten. „Ihr müsst Beschwichtigungsverhalten und Stresssymptome erkennen. Euer Hund teilt euch mit, wenn er in der Schule Stress hat. Ihr seht dann die Stressfalten, leichtes Lefzenhochziehen. Auch Hecheln oder über den Fang lecken können Stress-Anzeichen sein“, weiß Orrú.

Raus geht es zum „Social Walk“ und danach auf den Hundespielplatz: Die Taststraße mit verschiedenen Untergründen von der Gitterbox bis zum Wasserbecken sollen die Teams mit Hilfe größerer Mengen Leckerlis absolvieren. Zum Abschluss der Höhepunkt: Gabi Orrú schaltet eine Plastikente ein, die mit den Flügeln flattert und scheppernd „Born to be wild“ singt. Der nächste Hundekeks liegt genau vor dem Ungetüm. „Urmel“ ist hin- und hergerissen. Der Keks lockt, die Ente schreckt. Vorsichtig nähert er sich mit der Nase, geht dann wieder weit zurück. Endlich traut er sich, schnappt sich die Belohnung. „In der Schule habt ihr oft Situationen, in denen plötzlich Bewegungen und Geräusche sind“, sagt Orrú. Da drehe auch mal einer den Ghetto-Blaster auf.

„Urmel ist kein Feigling“, stellt Sven Nicolaysen zufrieden fest. „Und er lernt schnell.“ Auch Orrús Urteil fällt positiv aus: „Urmel ist noch roh, der braucht noch gut eineinhalb Jahre, bis er voll belastbar ist, aber er bringt alles mit, was ein Schulhund braucht. Und Sven ist sehr geduldig mit ihm.“ Bei der abschließenden Massage zum Entstressen werden „Urmels“ Augen immer kleiner. Er war mit Abstand der jüngste Teilnehmer und wird heute gut schlafen. Das war ein aufregender Tag für einen Vorschulhund.

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