Einwohnerversammlung : Arnisser Lagune auf dem Prüfstand

Michael Oetzmann vom Dänischen Kulturverein in Flensburg zeigt eine farbige Darstellung über die Noorwiesen-Vernässung. Rechts neben ihm: Stadtvertreter Walter Timm (SSW).
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Michael Oetzmann vom Dänischen Kulturverein in Flensburg zeigt eine farbige Darstellung über die Noorwiesen-Vernässung. Rechts neben ihm: Stadtvertreter Walter Timm (SSW).

Auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt, ist das Projekt einer Lagune in Arnis und Grödersby bereits viel diskutiertes Thema.

shz.de von
22. Juli 2015, 07:30 Uhr

Die Einwohner führen bereits hitzige Diskussionen um eine etwaige Wiedervernässung von ungefähr 80 Hektar Wiesenland am Rande der Stadt Arnis und in einem angrenzenden Areal, das zur Gemeinde Grödersby gehört. Dabei gibt es bislang nur eine Projektidee, keine Planung. Anlässlich der von beiden Kommunen anberaumten Informationsveranstaltung zu diesem Thema im überfüllten dänischen Schulhaus drehte sich alles um die Kernfrage: Könnte sich eine Mehrheit der Einheimischen mit einer Umwandlung zu einer Lagune anfreunden, oder soll an dem bisherigen Zustand nicht gerüttelt werden?

Der Arnisser Bürgermeister Bernd Kugler stellte klar, dass die Stadtvertretung allein nach dem mehrheitlichen Willen der Bürger über beziehungsweise gegen die Aufnahme von Planungen entscheiden werde. Berater Ulrich Bendlin von der Kappelner Amtsverwaltung betonte, es gehe um eine Abwägung zwischen Chance und Risiko. Gegenwärtig brauche niemand Angst zu haben, dass er vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Lagune hin oder her: „Wir lassen uns überzeugen, wenn die meisten sagen, die Projektidee ist blöd.“

Uwe Dierking vom Deutschen Verband für Landschaftspflege erklärte, durch die Vernässung der Noorwiesen könne ein deutlicher Gewinn erzielt werden, vor allem zugunsten der Natur, aber auch in Sinne eines touristischen Mehrwerts. Fraglos seien die Wiesenflächen zwischen Arnis und Grödersby mit ihren Röhrichtbeständen schon längst ein wertvoller Lebensraum. Doch liegt dieses Terrain zwei Meter unter Normal Null, und um es trocken zu halten, müssten jährlich rund 10.000 Euro für den Einsatz von Pumpen aufgewendet werden.

Angedacht wird laut Dierking eine Zuführung von Schleiwasser – entweder mit einem Durchlass vom Arnisser Badestrand her oder vom Grödersbyer Noor in Höhe des Großparkplatzes. Die tiefgelegenen Bereiche beiderseits des Sportplatzes sowie in Höhe des Feuerwehrhauses und einige Gebäude auf Grödersbyer Seite müssten vermutlich durch Deiche vor gelegentlichem Hochwasser (nach Sturm und Starkregen) geschützt werden. Das dann in weiten Teilen von Brackwasser geprägte Gebiet könnte hohe Bedeutung als Brutstätte für Fische und Vögel erlangen.

Bei Verwirklichung der Projektidee entstünden hohe Kosten für Landkauf, Planung und Baumaßnahmen. Die dafür benötigten Mittel würden hauptsächlich von der EU und vom Land Schleswig-Holstein getragen, außerdem vom Kreis, hieß es dazu. Bendlin und Dierking empfahlen unisono, nach einem positiven Votum der Bürger ein offizielles Flurbereinigungsverfahren zu starten, damit die Kommunen in der dann zu bildenden Teilnehmergemeinschaft ein Mitspracherecht erhalten.

Gutachter sollen zu einem späteren Zeitpunkt für Untersuchungen vor allem in Sachen Hochwasserschutz herangezogen werden. „Kein Haus darf absaufen“, so lautet die Devise.

Den Einwohnern standen die Experten Rede und Antwort in vielen Detailfragen, die aber als reine Zukunftsmusik zu verstehen sind. Eine wichtige Information gab der Arnisser Bürger Dr. Karl Nachtigall: In den Noorwiesen herrsche vom Grund her ein starker Wasserdruck nach oben. Dieser Umstand würde die Vernässung erheblich beeinflussen, fügte er hinzu.

Für alle interessierten Bürger ist von der Amtsverwaltung am Dienstag, 28. Juli, eine Exkursion zur Geltinger Birk geplant. Dort hat es ein Dutzend Jahre Zeit gebraucht, bis die kontrollierte Vernässung von Niederungen realisiert werden konnte.


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