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350 Jahre Arnis : Arnisser erzählen ihre Geschichten

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Lieselotte Wiese und Brigitte Wollert haben mit Zeitzeugen gesprochen und Dokumente gesammelt.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Wenn es um die Geschichte der Stadt Arnis geht, dann gibt es zwei, die dazu richtig viel sagen können. Aber damit ist keineswegs eine Aufzählung historischer Fakten gemeint, sondern viel mehr geht es um Geschichten, Anekdoten und individuelle Schicksale, die einen echten Einblick gewähren. Lieselotte Wiese und Brigitte Wollert haben „Arnisser Geschichten“ gesammelt und aufgeschrieben. Das Buch ist im April erschienen.

Lieselotte „Lotti“ Wiese ist zwar nicht in Arnis geboren, aber wegzudenken ist sie aus der kleinen Stadt auch schon lange nicht mehr. Geboren wurde sie 1933 in Flatzbyholz bei Sörup, aber schon mit 17 Jahren ging sie „in Stellung“ bei der Bäckerei Grohmann, Lange Straße 27 in Arnis, und kümmerte sich um den Laden und den Haushalt. In Arnis lernte sie auch ihren Mann Heinrich kennen, mit dem sie zwei Kinder bekam. Sie begann, sich für die Geschicke der Stadt zu interessieren und engagierte sich später im Touristikausschuss. Jahrelang war sie in der Stadtverwaltung aktiv, unter anderem als Bürgervorsteherin und stellvertretende Bürgermeisterin. „Die Geschichte von Arnis hat mich immer beschäftigt. Ich hörte die alten Geschichten, verbunden mit den Erlebnissen meines Mannes in der Fischerei. Und dann die Alltagserlebnisse, die mir noch heute in Erinnerung sind. Ich habe sie gesammelt, um sie zu bewahren“, sagt Lotti Wiese. So hat sie mit den Frauen aus der Langen Straße zusammen gesessen und Sitten und Gebräuche studiert, Erinnerungen aufgeschrieben. „Dass es einmal ein Buch werden sollte, hatte ich gar nicht geplant“, erinnert sich die 84-Jährige, aber 2000, zum Arnisser Stadtfest, legte Lieselotte Wiese den „Gruß aus Arnis“ vor. 2011 wagte sich die Fischersfrau an eine zweite Veröffentlichung: Die Idee, ein Buch über heimische Fische und schmackhafte Rezepte zu schreiben, kam ursprünglich aus der Aktiv-Region. Lieselotte Wiese brachte in „Fische aus der Schlei“ das Wissen ihres Mannes mit historischen Geschichten und Rezepten zahlreicher Fischersfrauen aus Arnis, aus Maasholm und dem Schleswiger Holm zusammen. Aber auch von den Illustrationen hatte sie eine genaue Vorstellung, und so zog es sie wieder zu ihrer ersten Arnisser Unterkunft: In die ehemalige Bäckerei Grohmann war inzwischen die Künstlerin Brigitte Wollert eingezogen.

Brigitte Wollert, Jahrgang 1953, kommt ursprünglich aus Bremen. Nach einem fünfjährigen Auslandsaufenthalt mit der ganzen Familie in China suchte die freischaffende Künstlerin ein neues Zuhause – und fand es in Arnis. Die alte Backstube wurde Atelier, und sie eröffnete die Galerie „Kunst in Arnis“. Dass Lieselotte Wiese sie nun bat, ausgerechnet Fische zu malen, passte ihr erst gar nicht. Aber sie probierte und übte, und erntete nach den ersten drei Versuchen von Lotti Wiese gleich ein „Genau so will ich die“.

Das dritte Buch sind die beiden Arnisserinnen nun von vornherein gemeinsam angegangen. Bei Lieselotte Wiese stapelten sich die Unterlagen, denn nach dem „Gruß aus Arnis“ kamen viele alteingesessene Bürger, die auch eine Geschichte zu erzählen hatten. Lieselotte Wieses Tochter Antje Joppien hat alles zusammengetragen, und Brigitte Wollert hat es aufgeschrieben und in Form gebracht. Zwei Jahre intensiver Arbeit sind dabei ins Land gegangen, eindrucksvolle Geschichten kamen ans Tageslicht. „Ich hab hier in einer Sturmflut aus Ordnern gesessen“, erinnert Brigitte Wollert sich. „Aber es war von Anfang bis Ende eine spannende Reise, im Nachhinein eine klasse Zeit.“

Da gibt es die Fotos von den alten Postkarten, die Smutje Marianne von den Fahrten mit dem Küstenmotorschiff „Herta“ nach Hause geschickt hatte – aus jedem Hafen eine. „Telefon gab es ja noch nicht, und so hat sie eine Art Fahrtenbuch geführt“, beschreibt Lieselotte Wiese. Und es gibt Briefe vom Seemann Fritz Matthiesen an seine Familie, die zeigen, wie flexibel er sein musste, wie lange er von zu Hause weg war und wohin die Fahrten führten. „In dem Brief stellt Fritz in ganz wenigen Sätzen dar, wie das Erleben an Bord war. Das hat mich sehr berührt“, sagt Brigitte Wollert. „Das Buch ist nicht nur fröhlich, es gibt schon Stellen, an denen man Tränen lassen kann, wenn man will“, ergänzt sie.

„Arnisser Geschichten“ malt ein neues Bild von der Stadt und dem Leben ihrer Bewohner. Es erzählt von Kindergilden, Hebammen, Seemännern und Künstlern. „Es ist kein Blick von außen auf Arnis, sondern es kommt von innen heraus“, sind die Frauen sich einig. Das Vorwort hat Lotti Wiese verfasst, die letzte Geschichte kommt von Brigitte Wollert. Sie endet: „Heute, 350 Jahre später, hat Arnis andere Geschichten, andere Familien, andere Feste und Gewohnheiten, aber der Wind bleibt, wie er war, mal stürmisch, mal sanft, mal laut, mal leise. Es ist ein feines Zuhause. Am Ufer der Schlei.“



> Erhältlich in der Galerie „Kunst in Arnis“, Lange Straße 27 in Arnis, außerdem in den Kappelner Buchhandlungen Gosch und Kocks und im Internet. Verlag Husum ISBN 978-3-89876-865-8

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