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Einwohnerversammlung : Arnis will keine Sylter Verhältnisse

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Über die Hälfte der Bürger kam ins Schifferhaus. Größter Wunsch der Einheimischen: ein Tante-Emma-Laden.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2015 | 16:30 Uhr

Die Stadt Arnis braucht einen „Tante-Emma-Laden“, bezahlbaren Wohnraum und ein eigenständiges Energiekonzept. Erstmals durften die Bürger der Stadt sagen, was sie in ihrem Ort vermissen und was sie sich wünschen.

Arnis verändert sich. Eine Herausforderung für die Bürger und besonders für die gewählten Kommunalvertreter. Der demographische Wandel macht auch vor Deutschlands kleinster Stadt nicht Halt. Hinzu kommen die besonderen Arnisser Verhältnisse. Obwohl mit Stadtrechten ausgestattet, hat der Ort mit 283 Einwohnern eher die Struktur eines kleinen Dorfes. Wie in den meisten Gemeinden steigt das Durchschnittsalter der Bevölkerung immer weiter an, viele Jahre hatte der Ort keine Geburten zu verzeichnen. Neubürger gibt es, aber die haben die 40 dann auch schon überschritten, wenn sie sich an der Schlei sesshaft machen. Der Anteil der Bürger, für die Arnis lediglich der Zweitwohnsitz ist, muss zudem als überdurchschnittlich hoch bezeichnet werden.

Zeit also etwas zu tun. „Die Stadtvertretung hat zur Kenntnis genommen, dass sich die Bürger über die Entwicklung ihres Heimatortes Gedanken machen, dass Ängste über die Entwicklung und nachlassende Lebensqualität vorhanden sind“, beschreibt Bürgermeister Bernd Kugler die Lage. Und er fügt hinzu: „Wir wollen keine Sylter Verhältnisse in Arnis.“ Mit der AC Planergruppe aus Itzehoe hat die Stadt Fachleute beauftragt, ihren Ort zu analysieren, Daten und Fakten aufzunehmen und ein „Zukunftsgemälde“ vorzustellen. Eine Lenkungsgruppe mit vier Stadtvertretern und fünf Bürgern hat die ersten Schritte eingeleitet. Nun waren die Bürger gefragt.

Im Rahmen einer Einwohnerversammlung stellten Susanne und Martin Stepany die ersten Ergebnisse der Analyse vor. Zur Überraschung der Akteure war der Saal im Schifferhaus übervoll. Über die Hälfte der Einwohner war anwesend, um sich an der Ortsgestaltung zu beteiligen. Im zweiten Teil waren diese Bürger gefragt, ihre Vorstellungen von der Zukunft des Ortes zu nennen.

Das Positive vorweg. Arnis ist schön, bietet klare Luft, ist von Wasser umgeben und der gesamte Ort ist verkehrsberuhigt. Doch dann wird es schon schwierig. Die Zahl der Arbeitsplätze ist durch den Abbau der Werften stark zurück gegangen. Von 125 Arbeitsplätzen vor 25 Jahren sind heute 65 verblieben. Zum Teil in neuen Unternehmen, wie Dienstleistern. Die Zahl der Einpendler ist allerdings genau so hoch, wie die Zahl der Auspendler. Der Tourismus, als ein wirtschaftliches Standbein, ist gut aufgestellt, obwohl die Qualität der Quartiere noch verbessert werden kann.

Und was wünschen die Bürger? Die waren aufgerufen zu verschiedenen Themen ihre Meinung auf Tafeln niederzuschreiben. Fünf Tafeln zeigten das Ideen-Engagement, als die Planer die am meisten genannten Wünsche vorstellten. Ganz oben, ein „Tante-Emma-Laden“. Dann wurde es schon speziell mit der Forderung eines freien Internet-Zugangs. Bezahlbarer Wohnraum lässt schon ein wenig die Befürchtung vor Sylter Verhältnissen durchklingen. Ein eigenständiges Energiekonzept orientiert sich an anderen Orten, die dort schon weiter sind. Der im Ort diskutierte Ausbau des Rundweges wird abgelehnt. „Bis zum Parkplatz reicht“, meinen viele Bürger.

Angesichts der spartanischen Möglichkeiten im Schifferhaus war die Forderung nach einem Versammlungs- und Eventraum verständlich.

Für Bürgermeister Bernd Kugler war der Ideen-Abend ein voller Erfolg, weil sich so viele Bürger engagiert eingebracht haben. Er versprach, dass die Ideen ausgewertet und in die Ortsgestaltung einfließen werden. Der B-Plan für die Neu-Gestaltung der Eberhard Werft wird so lange zurück gestellt, bis die Vorschläge der Bürger ausgewertet auf Umsetzung geprüft und in den B-Plan eingearbeitet sind.  

 

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