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Otto-Eberhardt-Werft : Arnis steht am Scheideweg

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Arnisser Stadtvertreter beschließen ein Ortsentwicklungskonzept im Zuge der Wohnbaupläne für die Otto-Eberhardt-Werft.

Der geplante Umbau der Arnisser Otto-Eberhardt-Werft in eine Wohnanlage ist ins Stocken geraten. Seit August 2013 gab es keinen neuen Schritt im Genehmigungsverfahren. Zunächst verlangte die Genehmigungsbehörde einige Untersuchungen sowie ein aufwendiges Bodengutachten. Nun gibt es offensichtlich einen weiteren Grund für die Verzögerung. „Wir haben eine Bremse reingehauen, um mit der Stadt klar zu kommen“, sagte Martin Stepany Geschäftsführer der AC-Planergruppe in Itzehoe, während der Arnisser Stadtvertretersitzung.

Grund dieser Notbremsung ist eine jüngst gemachte Aussage des Investors Nicolai Steinert aus Heikendorf. Dieser will neben Ferienwohnungen nun auch Wohnungen mit Zweitwohnsitz und nicht wie ursprünglich angenommen mit festem Wohnsitz errichten. Diese Zweitwohnsitze könnten aber ein Großteil des Jahres leer stehen. Stepany, zwar von Steinert als Architekt beauftragt, will laut eigener Aussage das Beste für den Investor wie auch für die Kommune erreichen. Doch da kommt für Stepany die entscheidende Frage „Was soll Arnis sein? Sie müssen wissen, was Sie wollen“, sagte der Architekt in die Runde.

Dabei geht es laut Stepany um die Gesamtsituation. Denn bei 297 Einwohnern könnten 40 neue Wohneinheiten ohne festen Wohnsitz eine gewisse Präzedenzwirkung auf andere Grundflächen haben. Die Stichwörter „Sylter Verhältnisse“ und „Ausverkauf“ machten die Runde. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatten Bürger auf einer Sitzung der Stadtvertretung ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass die Wohnanlage auf lange Sicht zu einem deutlichen Anstieg der Mieten im gesamten Ort führen könnte.

Der Kappelner Bauamtsleiter Erich Reuter ermunterte die Einwohner dazu, ihre Rolle selbstbewusst wahrzunehmen. Im Zusammenhang mit dem Bauprojekt riet Reuter dazu, ein Stadtentwicklungskonzept in Auftrag zu geben. Auch dies hatten die Bürger bereits im Herbst von ihren Stadtvertretern gefordert. Weiter empfahl Reuter, den vorhabenbezogenen B-Plan mit einem Durchführungsvertrag zu koppeln. Dieser für die praktische Anwendung gedachte Vertrag sollte all das regeln, was in einem Bebauungsplan keinen Platz findet. Dabei gehe es um die Frage, wohin sich Arnis in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln soll. „Soll der Ort mehr von der einheimischen Bevölkerung bewohnt werden oder zum Museumsort werden?“, brachte es der Bauamtsleiter auf den Punkt.

Stadtvertreter Peter Ilgenstein von der Wählergemeinschaft Bürger für Arnis (BfA) forderte in diesem Zusammenhang eine Einwohnerversammlung, „um die Bürger mitzunehmen“. Die Einwohnerversammlung könne aber keine professionelle Beratung ersetzen, ergänzte er.

In der Einwohnerfragestunde sowie im späteren Verlauf der Sitzung nahmen die rund 30 Bürger ihre Rolle selbstbewusst und kreativ wahr. Ein Zuhörer machte sich dafür stark, die Einwohnerstruktur auf ihre Wohnsitze und Arbeitsverhältnisse zu untersuchen. Auch die Zahl der Ferienwohnungen sollte dabei ermittelt werden. Ein Stadtentwicklungskonzept wurde weithin begrüßt, es wurde aber auch eine professionelle Begleitung gefordert. Eine Einwohnerin äußerte die Sorge, dass der Investor bei einem Ausführungsvertrag abspringen und dann eine dauerhafte Industriebrache entstehen könnte. „Der Investor muss auch eine Mark daran verdienen“, stellte daraufhin Stepany klar. Ein Anwohner meinte: „Wir als Bürger haben alle ein Interesse daran, dass dort etwas passiert, sonst hat am Ende keiner etwas davon.“ Daher solle man nun den Prozess zügig starten, damit Familie Eberhardt nicht der Investor verloren ginge.

Schließlich forderten die Einwohner, dass einer der Stadtvertreter einen Beschlussvorschlag für ein Stadtentwicklungskonzept mit professioneller Begleitung zur Abstimmung vorlegen soll. Stadtvertreter Hans-Joachim Schock (BfA) versuchte dies. Letztlich übernahmen die Stadtvertreter dann aber Stepanys verbindlichere Formulierung, nachdem Bürgermeister Bernd Kugler (BfA) den Architekten zu einem Vorschlag aufgefordert hatte. Demnach beschlossen die Stadtvertreter einstimmig, ein Ortsentwicklungskonzept mit professioneller Begleitung durch ein Fachbüro und unter breiter Einbeziehung der Bevölkerung zu erarbeiten. Arnis steht jetzt vor einer Weichenstellung. Die Doppelfrage lautet, welche Form von Wohnanlage die Bürger befürworten und in welcher Art von Stadt sie leben wollen.

 

 

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erstellt am 23.Apr.2015 | 07:30 Uhr

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