Arnis : Arnis investiert in seine Schleifähre

Schleifähre bei Sundsacker:Ständige Verbindung zwischen Arnis und Schwansen.
Schleifähre bei Sundsacker:Ständige Verbindung zwischen Arnis und Schwansen.

Modernes Steuerhaus, neue Heizung: Die Stadt will 60.000 Euro ausgeben.

shz.de von
03. Januar 2018, 07:00 Uhr

„Es ist ein heikles Thema.“ Mit diesen Worten leitete Bernd Kugler die Angelegenheit mit der Überschrift „Schleifähre Arnis“ ein. Konkret ging es um die Erneuerung des Steuerstandes, für die laut einer ersten Schätzung mal eben 60.000 Euro fällig werden könnten. Insofern passte also die Einleitung des Arnisser Bürgermeisters ganz gut ins Bild. Und auch wenn sich die Stadtvertreter am Ende dazu durchrangen, das erforderliche Geld im Haushalt dieses Jahres zur Verfügung zu stellen, taten sie dies nicht, ohne vorab rege darüber zu diskutieren.

Die Ausgangslage sah so aus: Um die Arbeitssicherheit auf der Fähre zu optimieren, soll der Steuerstand grundlegend erneuert werden. Heißt: Steuerhaus und Motor werden nach außen versetzt, der Eingang wird nach hinten verschoben und eine Heizung eingebaut. Nach den Worten von Bernd Kugler ist die jüngste Überholung der Fähre bereits über 20 Jahre her. Kein Wunder also, dass Kugler jetzt sagte: „Die Fähre ist stiefmütterlich von uns behandelt worden. Inzwischen ist der Zustand jämmerlich.“ Gleichzeitig betonte der Bürgermeister die Bedeutung der Fähre für den Tourismus und stellte klar: „Die Fähre ist für uns nicht wegzudenken.“

Nun ist die Stadt Arnis Eigentümerin der Schleifähre, hat sie bis Ende April 2024 verpachtet, und dem Fährmann attestierte Kugler, in den vergangenen Jahren viel in Eigenleistung erledigt zu haben, um die Fähre in Schuss zu halten. Jetzt aber ist der Moment gekommen, an dem umfassendere Arbeiten fällig werden. Und wie diese genau aussehen sollen, erläuterte Jürgen Wollert von der örtlichen Marine Engineering Wollert GmbH.

Wollert machte deutlich, dass die Modernisierung des Fährstandes den Einsatz mehrerer Gewerke erfordere. „Und wenn man jetzt etwas anfasst, dann müssen die Ergebnisse den gültigen Vorschriften entsprechen“, sagte er. Die Folge: „Die 60.000 Euro sind nicht aus der Luft gegriffen.“ Hinzu komme, dass das derzeitige Fährzeugnis noch bis März kommenden Jahres gültig sei – „dann steht ohnehin eine große Überprüfung an“, sagte Wollert. Auf Nachfrage erklärte er, dass ein negatives Prüfungsergebnis derweil nicht die sofortige Stilllegung der Fähre zur Folge habe, aber eine Frist ausgesprochen werden würde, innerhalb derer die Fähre auf den neusten Stand gebracht werden müsse. Für die Auffrischung der 1981 erbauten Fähre, deren Schwimmkörper Wollert für untadelig hielt, prognostizierte er eine Bauzeit von etwa zwei Monaten.

Bernd Kugler berichtete danach von der erfolglosen Bitte an den Pächter, sich an den für die Modernisierung anfallenden Kosten zu beteiligen. „Das hat er abgelehnt, eben weil er viele Kosten schon selber deckt“, sagte der Bürgermeister. Laut Beschlussvorlage geht aus dem Pachtvertrag ohnehin eine eindeutige Regelung hervor: Demnach werden die Kosten für außergewöhnliche Erneuerungs- und Ersatzinvestitionen von der Verpächterin, also der Stadt, übernommen. Als außergewöhnlich gelten solche Investitionen, die trotz Einhaltung aller Betriebs- und Wartungsanweisungen über den üblichen Rahmen hinausgehen. Kugler zog die Konsequenz: „Wir sind dran, etwas zu machen.“ Trotzdem kam der Wunsch auf den Tisch, sich den Pachtvertrag und die daraus hervorgehenden Rechte und Pflichten der Vertragspartner noch einmal genau anzusehen.

Der Beschluss, die genannten 60.000 Euro im Haushalt für 2018 einzuplanen, fiel danach einstimmig.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen