Wieder in Betrieb : Arnis bekommt die Werft zurück

Henning Eberhardt und seine Frau Annika freuen sich auf das Leben mit der Werft in Arnis.
Henning Eberhardt und seine Frau Annika freuen sich auf das Leben mit der Werft in Arnis.

Die Otto-Eberhardt-Schiffswerft hat den Betrieb wieder aufgenommen: Henning Eberhardt übernimmt die Leitung.

shz.de von
21. November 2017, 06:11 Uhr

Kappeln | Gemunkelt wurde schon länger, seit vergangener Woche ist es offiziell: Auf der Otto-Eberhardt-Schiffswerft wird wieder gearbeitet. Kein Wohngebiet, sondern Werftbetrieb, kein fremder Investor, sondern ein Betreiber aus der Familie Eberhardt: Henning Eberhardt (36) hat die Leitung übernommen.

Vor rund vier Jahren war bekannt geworden, dass die Werft, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts von Otto Eberhardt gegründet worden war, nicht weiter betrieben werden soll. Einen direkten Nachfolger gab es nicht, und die Brüder Alfred und Manfred Eberhardt hatten einen Investor gefunden, der 52 Wohnungen auf dem Gelände bauen wollte. Die Verhandlungen zogen sich lange hin, die Arnisser Bürger standen der Entwicklung in ihrer Stadt eher skeptisch gegenüber. Nun hat sich eine andere Lösung für die vier Werfthallen am Strandweg 124 ergeben. Henning Eberhardt, Neffe der Vorbesitzer, hat die Schiffswerft übernommen und viele Ideen, wie es hier in Zukunft laufen könnte. Er wird unterstützt von seinem Vater Peter – die beiden sind die Geschäftsführer der Otto-Eberhardt-Schiffswerft GmbH – und seiner Frau Annika.

Die Entscheidung sei erst in diesem Sommer gefallen, berichtet Henning Eberhardt. Für sein aktuelles Projekt, den Ausbau des Hafens Marina Wendtorf an der Ostsee im Kreis Plön, sollten schwimmende Ferienhäuser gebaut werden, und er suchte eine geeigneten Ort dafür. „Wir hatten überlegt, die Halle in Arnis zu mieten“, sagt der Diplom-Ingenieur. „Wir haben uns alles angeguckt und waren begeistert“, sagt er und kaufte die Werft den Eigentümern Alfred, Manfred und Ulrike Eberhardt ab. Über Geld spricht er dabei nicht. Es gebe viel zu tun, aber die Substanz sei sehr gut. „Das machen wir alles Schritt für Schritt“, sagt er.

Henning Eberhardt ist auf der kleineren Werft seiner Eltern Peter (63) und Petra Eberhardt (59) in Arnis aufgewachsen und kennt die Arbeit von Schlosser, Bootsbauer und Elektriker von klein auf an. „Ich hatte sogar meinen eigenen handbetriebenen Kran“, sagt er und lacht. Trotzdem hat er sein Studium der Informatik an der Universität in Karlsruhe aufgenommen. Dort hat er auch seine Frau Annika (33) kennen gelernt. Als er ihr zum ersten Mal Arnis gezeigt hat, wollte sie am liebsten gar nicht wieder weg. Die gebürtige Estin freut sich jetzt sehr auf ihr neues Zuhause. Im Moment wohnt die Familie noch in Wendtorf. Jetzt suchen sie einen Kindergartenplatz für ihre dreijährige Tochter, der Umzug nach Arnis steht unmittelbar bevor.

Auf der Werft sollen Hausboote und schwimmende Stege entstehen. „Wir wollen die Werfttradition in Arnis fortsetzen und Stück für Stück modernisieren.“ Die Otto-Eberhardt-Schiffswerft sei die einzige Werft mit so einer großen Slipanlage an der Schlei. Die Wiedereröffnung hat sich an der Küste bereits herumgesprochen, erste Aufträge lägen schon vor, auch Bewerbungen um Stellen. Aber da müssen die neuen Eigentümer sich erstmal ein Bild machen. Die Stadt Arnis befinde sich im Wandel, berichtet Annika Eberhardt. Zahlreiche junge Familien mit Kindern haben sich angesiedelt. „Es gibt viele selbstständige Unternehmer in Arnis, die sollen auch hier arbeiten können“, sagt sie. Die Schlosser und Bootsbauer können die Hallen anmieten und ihre eigenen Aufträge dort abarbeiten. „Das ist auch eine Chance für die Unternehmer im Ort, und hier gibt es eine gute und starke Gemeinschaft.“ Durch das Miteinander und den ständigen Austausch soll auch Platz für viele kreative Ideen entstehen. „Wir wollen uns hier gut einfügen“, sagt Annika Eberhardt – und wenn hier Wohnungen entstanden wären – „das hätte Arnis einen Teil des Charmes genommen“.

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