Spektakuläre Idee : Arnis als Lagunenstadt

Wenn auch ein Großteil der Fläche südwestlich (oberhalb) des Straßendamms überflutetet wird, erhielte Arnis nahezu eine Insellage.
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Wenn auch ein Großteil der Fläche südwestlich (oberhalb) des Straßendamms überflutetet wird, erhielte Arnis nahezu eine Insellage.

Auf Vorschlag des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege könnten 40 Hektar Land unter Wasser gesetzt werden.

shz.de von
09. Mai 2015, 08:30 Uhr

Es gibt keine Planung, keinen Beschluss, noch nicht einmal eine Absichtserklärung. Doch es gibt eine Idee. Ulrich Bendlin von der Kappelner Stadtverwaltung und Uwe Dierking vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) präsentierten auf der jüngsten Sitzung der Arnisser Stadtvertretung ihren Vorschlag von der Vernässung einer rund 40 Hektar großen Fläche vor den Toren von Arnis.

„Es ist eine Idee mit gewaltigem Charme“, so Dierking. Etwas reizt ihn besonders daran. „Arnis bekommt – mal abgesehen vom Straßendamm – wieder eine Insellage. Das finde ich sehr spannend.“ Zudem würde die Stadt eine Lagune erhalten mit einzigartigen naturrechtlichen Lebensräumen etwa für Wasservögel. Er sei daher auch zuversichtlich, dass es für diese Maßnahme genügend Fördertöpfe von außen gebe, ohne dass die Arnisser etwas zahlen müssten. Dierking: „Eine solche Lagune in Arnis wäre in Deutschland aufgrund seiner Größe wohl einzigartig.“

Der Leiter des DVL-Landesbüros erläuterte den Anwesenden, dass in Arnis bislang ein Schöpfwerk die besagte Fläche trocken halte. Die tiefsten Stellen seien bis zwei Meter unter dem Niveau der Schlei. Wenn man nun die Pumpe höher stelle und einen Durchbruch unter dem Straßendamm zur Schlei schaffe, dann würde dieses Gebiet geflutet. Dabei solle niemand schlechter gestellt werden als zum jetzigen Zeitpunkt. „Wer jetzt trocken unter Normal-Null liegt, soll diesen Zustand auch künftig behalten“, so Dierking. Dagegen setze man bei landwirtschaftlichen Flächen auf ein Flurbereinigungsverfahren. Danach stünde dem Landwirt eine Ausgleichsfläche zu, ohne dass er dabei Schaden erleide. „Das ist kein Verfahren, bei dem jemand überfahren oder übertölpelt wird“, sagte der Landschaftspfleger.

Der Arnisser Bürgermeister Bernd Kugler (Bürger für Arnis/BfA) wandte ein, dass die Anwohner jetzt zufrieden seien. „Verwirklicht man diese Idee, dann waren alle Maßnahmen, die wir in den vergangenen fünf Jahren in dem Gebiet gemacht haben, für die Katz“, sagte er. Ein Bürger pflichtete ihm bei und sprach sich für den Erhalt des alten Wanderweges aus. Ulrich Bendlin antwortete, dass ein solches Projekt selbst im schnellsten Falle drei Jahre benötige. Kugler betonte bei dem Projekt die Notwendigkeit eines Durchbruchs zur Schlei. „Ein stehendes Gewässer fängt an zu stinken, und außerdem gibt es dort viele Mücken“, beschrieb er seine Sorge. Dierking versicherte, dass es zu einem regelmäßigen Wasseraustausch käme und das Salzwasser die Mücken fern hielte. Stadtvertreter Ralf Timm (SSW) hielt einen deichhohen Damm für nötig. „Wenn an der Stelle Wasser rüberkommt, halte ich das für absolut gefährlich“, sagte er. Bendlin entgegnete, dass für die Details Wasserplaner zuständig wären. „Doch wenn das nur mit einem Zwei-Meter-Deich geht, den Sie nicht wollen, funktioniert das Ganze nicht“, so Bendlin.

Besonders schutzbedürftig durch die Entstehung einer Lagune sind demnach der Lindenweg und die Grundstücksflächen am Sportplatz. Utz Saalmann, bürgerliches Mitglied für die Arnisser Wählergemeinschaft (AWG) im Bauausschuss, nannte als Anwohner dieser Flächen den Vorschlag eine tolle Idee. „Das ist ein Geschenk für Arnis. Das bedeutet eine großartige Erweiterung der Flächen“, so Saalmann. Schon jetzt habe man ein schönes Noor, doch sei es so eingewachsen, dass keiner es sehe. Und Ralf Timm ergänzte: „Wir bekommen dadurch Wassergrundstücke.“ Walter Timm (SSW) lehnte das Projekt dagegen ab.

Mit der Resonanz war Dierking nach der Sitzung zufrieden. „Wenn jemand das Gefühl hat, dass seine Heimat umgekrempelt wird, dann muss man damit auch erst mal klar kommen“, meinte der DLV-Leiter.

Bendlin wie Dierking betonten, dass ohne die Zustimmung aller Beteiligten das ganze Projekt nicht funktioniere. Und noch hat keiner zugestimmt, weder die Nachbargemeinde Grödersby, der ein Großteil des Areals gehört, noch Arnis. In Arnis werden die Stadtvertreter voraussichtlich auf ihrer übernächsten Sitzung darüber abstimmen, ob sie einen unverbindlichen Grundsatzbeschluss zur Weiterverfolgung der Idee verabschieden. Dann kann sich schon entscheiden, ob dieser Vorschlag ins Planungsstadium kommt oder eben doch nur eine Idee bleibt.  

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