„Frauenzimmer“ in Kappeln : Anlaufstelle Schmiedestraße 18

Ein starkes Team für Beratung, Hilfe und ein gutes Miteinander: Inga Henningsen, Melanie Harrenberg, Anette Wendler, Monika Ludwig, Helga Brendemühl und Christiane Schwerdhöfer (von links).
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Ein starkes Team für Beratung, Hilfe und ein gutes Miteinander: Inga Henningsen, Melanie Harrenberg, Anette Wendler, Monika Ludwig, Helga Brendemühl und Christiane Schwerdhöfer (von links).

Im Dezember vor 25 Jahren wurde der Verein „Frauenzimmer“ in Kappeln gegründet. Er bietet Gruppenangebote, Beratung und Begleitung für Frauen.

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22. Dezember 2017, 06:54 Uhr

Kappeln | Es klingt sehr spannend: „Mit einem konspirativen Treffen im Keller des Rathauses fing alles an“, berichtet Christiane Schwerdhöfer aus dem Vorstand des Vereins „Frauenzimmer“ und lacht. Und spannend ist es auch, was in diesem Verein in den vergangenen Jahren alles auf die Beine gestellt wurde. Im diesem Dezember ist die Gründung 25 Jahre her.

Fünf oder sechs Frauen waren es, die Anfang der 90er-Jahre die Idee hatten, unter der Leitung von Heidi Knaak-Münster eine Einrichtung zu schaffen, die sich um Sorgen und Nöte kümmern, aber auch für Information und kulturelle Angebote sorgen könnte – alles speziell für Frauen. Zur Gründungssitzung am 12. Dezember trafen sich 13 Damen, offiziell bekannt gemacht wurde der junge Verein aber erst, als er in das Eckhaus an der Schanze 1, in einen Raum der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) einzog. Aber hier konnte der wachsende Verein nicht lang bleiben, und es folgten weitere Stationen. „Kappeln rund“, sagt Helga Brendemühl vom Förderverein, angelehnt an den bekannten Stadtlauf, und das trifft es gut: Über dem heutigen Kaufhaus Stolz bezog „Frauenzimmer“ einen Raum, dann in der alten Landwirtschaftsschule in der Hindenburgstraße, anschließend ging es für einige Jahre an den Rathausmarkt. Seit 2006 arbeitet „Frauenzimmer“ in der Schmiedestraße 18.

„Wir haben ganz klein angefangen“, erinnert Christiane Schwerdhöfer sich. Alle Mitarbeiterinnen waren ehrenamtlich bei der Sache, die Förderungen von Stadt, Kreis und Land fielen eher spärlich aus, reichten aber für die Miete. 2011, nach knapp 20 Jahren allerdings, forderte das Land, dass es nur noch eine Frauen-Notrufstelle pro Kreis geben sollte und regte eine Fusion mit dem Schleswiger Frauenzentrum an. „Wir haben darauf bestanden, dass die Anlaufstelle für Kappeln wichtig ist und bestehen bleiben muss“, sagt sie. Der 20. Geburtstag wurde dann aber doch eher wie ein Abschiedsfest gefeiert, denn wenn die Förderung des Landes weggefallen wäre, hätte die Zukunft dunkel ausgesehen. „Es stand völlig in den Sternen, wie es mit uns weitergehen würde.“

Die Stadt Kappeln stand hinter dem Verein und stellte ihren Zuschuss nicht ein. Und der Förderverein, der sich 2005 gegründet hatte, konnte mit der Preuschhof-Stiftung einen Sponsor gewinnen, der die Einrichtung seither jährlich mit einer großzügigen Summe unterstützt. „Wir haben beschlossen, nicht aufzuhören, und am Ende hat auch das Land die Förderung beibehalten“, berichtet Christiane Schwerdhöfer. Inzwischen arbeiten einige Frauen als geringfügig Beschäftigte bei „Frauenzimmer“. Der Verein wird gut angenommen, und die Beratungszahlen sind in die Höhe geschnellt, auch weil die Mitarbeiterinnen 2015 schnell Verbindung zur Flüchtlingshilfe geknüpft hatten und auch geflüchteten Frauen helfen konnten. Aus diesem Grund konnte mit Inga Henningsen die erste feste Teilzeitstelle besetzt werden. Die Diplom-Sozialpädagogin ist in der Beratung für Frauen tätig.

Aber das Angebot von „Frauenzimmer“ ist bunt. Die Mitarbeiterinnen sind nicht nur im Notfall da. Es werden Zumba- und Hip-Hop-Kurse angeboten. Eine Gruppe von Mädchen im Grundschulalter trifft sich regelmäßig mit Melanie Harrenberg, Anette Wendler leitet eine Gruppe von Frauen mit Behinderung und sammelt als „Wächterin der Strampelhosen“ Sachspenden in Form von Babykleidung für bedürftige Frauen. Annick Moro-Burgwald gehört noch zu den Gründungsmitgliedern, springt ein, wo sie gebraucht wird und hilft jeden Donnerstag beim interkulturellen Café. Da ist auch Monika Ludwig mit im Einsatz, aber sie betreut auch den Spielenachmittag und das Frauencafé. Auch Christiane Schwerdhöfer gehört zum Team. „Na, eher schon zum Inventar“, sagt sie und lacht. Sie hat lange im sozialpädagogischen Bereich gearbeitet und eine Zusatzausbildung in Trauma-Pädagogik gemacht. Den Vereinsvorstand bilden außerdem Susanne Jessen, Annick Moro-Burgwald und Monika Strathausen.

„Frauenzimmer“ möchte Anlaufstation für alle Frauen sein, die sich vor eine Herausforderung gestellt sehen. Es kann um Trennungsabsichten gehen oder um Fragen zu Sozialleistungen, um Stalking oder Gewalterfahrungen – wobei diese sehr unterschiedlich aussehen können. „Häusliche Gewalt fängt da an, wo Frauen sich nicht mehr wohlfühlen“, erklärt Inga Henningsen. Im geschützten Raum in der Schmiedestraße sind alle diese Themen nicht neu. Wo nicht weitergeholfen werden kann, wird ein Ansprechpartner vermittelt. Alle Mitarbeiterinnen unterliegen der Schweigepflicht, die Beratung kostet nichts und erfolgt auf Wunsch anonym.

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