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Schlei-Bote

21. November 2017 | 05:41 Uhr

HSV-Fanclub : Angst vor dem Abstieg

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Sie bangen um den Verbleib ihres HSV in der Eliteklasse – die Mitglieder des Fan-Clubs „Die Schleigeister“.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 12:30 Uhr

Wenn morgen der Schiedsrichter um 15.30 Uhr das Fußballspiel Augsburg – Hamburger SV anpfeift, wird die Dörphoferin Christa Schröder allein in ihrer Stube vor dem Fernseher sitzen. Angespannt, voller Hoffnung und Verzweiflung gleichermaßen. Die 71-Jährige wird in ihrem Sessel nicht ruhig sitzen bleiben können. Zu wichtig ist dieses Spiel für die Zukunft ihres Vereins. Neben sich genügend Taschentücher, falls es dann doch auch an diesem 32. Spieltag für den HSV wieder mal nicht gereicht haben sollte. Das Abstiegsgespenst geht bei allen HSV-Fans im Norden schon seit einigen Wochen um. Auch die Mitglieder des HSV-Fan-Clubs „Schleigeister“ in Winnemark treibt die Sorge vor einem Abstieg in die zweite Bundesliga um. Diesem drittletzten Spieltag sehen sie mit einiger Sorge entgegen, denn dieser kann bereits über das Schicksal des Vereins entscheiden. Sollte die Mannschaft das Auswärtsspiel gegen Augsburg verlieren, „ist es im Grunde zu spät“, prophezeit Stefan Moese, stellvertretender Vorsitzender des Fan-Clubs. Der 35-jährige Koch hat die Leidenschaft für den HSV von Vater Norbert (62) geerbt. Mit zehn Jahren durfte er das erste Mal mit zu einem Spiel in das Volksparkstadion und ist seitdem mit dem HSV-Virus infiziert. Das derzeitige Abschneiden der Mannschaft ist für ihn „die schlechte Ernte aus den vergangenen 15 Jahren“. Schuld an dem Zustand des Teams sind seiner Meinung nach die Funktionäre im Aufsichtsrat und im Vorstand, die sich selbst viel zu wichtig nehmen. „Die Funktionäre haben vom Fußball keine Ahnung“, sagt der Winnemarker. Norbert Moese, Gründungsmitglied des Vereins und Inhaber des Vereinslokals „Victoria“, merkt man an, dass er die Situation als dramatisch empfindet. „Ganz klar – die Angst geht um“, beschreibt er seine Gefühlslage. Und macht im selben Atemzug klar: „Die Spieler müssen jetzt mehr kämpfen und nicht schön spielen. Denn wir Fans wollen in der ersten Liga bleiben“, so Moese, und genau das könne man den Spielern auf dem Platz nicht ansehen. Denen sei es egal, was mit der Mannschaft passiere. Die hätten alle neue Verträge in der Tasche, so die einhellige Meinung der Schleigeister. „Das Leben nach einem Abstieg ? Deprimierend !“, blickt er düster in die Zukunft. „Die HSV-Spieler sind sich gar nicht der Bedeutung bewusst, die der Verein hier in der Region hat. Ein Abstieg ist abwertend für unsere Region“, sagt Norbert Moese, der sich nur zu gerne an die goldenen Zeiten unter Trainer Ernst Happel erinnert.

Marwin Blaas wird sich das Spiel am Sonntag wie Christa Schröder vor dem heimischen Fernseher anschauen. Auf den Gang ins Karbyer Sportheim verzichtet der Hobbyfußballer. „Zu viele Bayern-Fans“, so der 17-Jährige. Ob er auch im Falle eines Abstiegs HSV-Fan bleibt ? Zwar hat der Schüler auch mal eine Zeit lang dem MSV Duisburg die Daumen gedrückt, aber auch für ihn – wie für alle HSV-Fans – gilt: „Ganz aufhören ? Geht nicht. Ein Mal HSV-Fan, immer HSV-Fan“.

Heidenheim ? Wo liegt denn das ? Die „Schleigeister“ haben eine Karte mit den Vereinen aus der zweiten Liga vor sich liegen, um sich zu orientieren. HSV gegen Heidenheim ? Geht gar nicht, sind sich alle einig. Auf den Vorteil, Zweitligaspiele montags live auf Sport 1 sehen zu können, möchten sie lieber verzichten. „Wir müssen und wollen oben bleiben“, bekräftigt Norbert Moese, der als Achtjähriger sein erstes Fußballspiel, HSV gegen Barcelona, 1960 im Schwarz-Weiß-Fernseher seines Nachbarn gucken durfte.

Der Vorsitzende der „Schleigeister“, Harald Kloss, ist der einzige, der sich optimistisch gibt. Er tippt als Ergebnis des Spiels gegen Augsburg 1:2. Wer die Tore für den HSV schießen soll, ist ihm egal. Im Falle eines Abstiegs werden die „Schleigeister“ auch in der zweiten Liga Vereinstreue beweisen. „Vielleicht ist es gewollt. Vielleicht müssen sie sich erst einmal regenerieren“, so Kloss.

Christa Schröder war im Februarspiel 2013 gegen Mönchengladbach (1:0) Fan des Tages und durfte Lotto King Karl begleiten, als dieser das Lied „Hamburg, meine Perle“ sang. Die Postbotin, die seit ihrer Pensionierung vor acht Jahren stolze Besitzerin einer Dauerkarte ist, zieht Trost aus dieser Erinnerung, wenn sie morgen den Fernsehapparat einschaltet.

Eins steht schon jetzt fest: Unabhängig vom Spielausgang fahren die „Schleigeister“ am vorletzten Spieltag nach Hamburg und werden in der Südtribüne ihrem HSV mehr als nur einen Daumen drücken – auch wenn es gegen Bayern München geht.

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