Internet : Amt Kappeln-Land überholt die Stadt

Grödersby, Oersberg und Rabenkirchen-Faulück erhalten neue Breitbandverbindung / Kooperation mit Deutscher Telekom besiegelt

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20. September 2011, 07:23 Uhr

Amt Kappeln-Land | Bisher konnten die Einwohner von Grödersby, Oersberg und Rabenkirchen-Faulück nur im Schneckentempo auf der Datenautobahn vorankommen. Die Zeiten sind bald vorbei. Künftig will man mit Hochgeschwindigkeit auf die Überholspur wechseln. Denn die drei Gemeinden des Amtes Kappeln-Land haben jetzt mit der Deutschen Telekom eine Kooperation vereinbart. Danach wird das Bonner Telekommunikationsunternehmen bis zum dritten Quartal des nächsten Jahres den 600 Haushalten der drei Ortschaften jeweils einen DSL-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zur Verfügung stellen. Bislang betrug die Geschwindigkeit in diesen Orten in der Regel unter zwei Megabit pro Sekunde.

"Das ist schon ein Quantensprung", meint Ulrich Bendlin von der Kappelner Verwaltung zu dieser Veränderung. Allerdings hat der neue Datenturbo auch einen stolzen Preis. Die Deutsche Telekom beziffert das kalkulierte Finanzloch, das nicht durch Einnahmen gedeckt werden kann, mit insgesamt rund 300 000 Euro. Davon übernimmt die Hälfte das "EU-Zukunftsprogramm ländlicher Raum". Dennoch müssen die Gemeinden noch einen erheblichen einmaligen Eigenanteil stemmen. Grödersby muss danach rund 33 200 Euro zahlen, auf Rabenkirchen-Faulück entfallen knapp 56 100 Euro, und Oersberg muss über 56 400 Euro finanzieren.

Für Helmut Andresen ist diese Maßnahme ein Standortfaktor für seine Gemeinde. "Wir freuen uns darüber. In unserem Ort gibt es 27 Gewerbebetriebe, und dazu kommen noch Ferienhausvermieter, die eine eigene Homepage betreiben - dafür ist ein schnelles Internet einfach unerlässlich", meint der Grödersbyer Bürgermeister. Nach Luftsprüngen ist Andresen allerdings nicht zumute, dafür hat ihm die Landesplanung viel zu lange gedauert: "Eindreiviertel Jahre wurde geplant, ohne dass irgendetwas gebaut wurde." Im Frühjahr hatte die Telekom im Zuge der Bauarbeiten für den Radweg zwischen Wittkiel und Arrild schließlich Leerrohre für Internetleitungen ins Erdreich verlegt. Dazu Andresen: "Wir hatten damals verschiedene Anbieter angeschrieben, doch nur die Telekom hat reagiert. Und nach der Verlegung der Rohre waren die anderen Firmen nicht mehr konkurrenzfähig." Und zudem wurmt den Grödersbyer Bürgermeister, dass das Land am 21. Juni rückwirkend zum 1. Mai die Förderquote von 75 Prozent auf 50 Prozent heruntergefahren habe. "Wenn wir das vorher gewusst hätten, hätten wir viel Geld einsparen können und notfalls den Antrag per Kurier nach Kiel geschickt." Auch bedauert Andresen, der zugleich Amtsvorsteher ist, dass Arnis als einzige Gemeinde des Amtes Kappeln-Land nicht in den Genuss der neuen Leitungen kommen wird. Doch da die kleine Schleistadt mit Kabel Deutschland einen Anbieter hat, der stellenweise eine Datenübertragung von 16 Megabit pro Sekunde ermöglicht, liegt Arnis weit über der Fördergrenze von zwei Megabit pro Sekunde. Zudem bestand in Arnis nach Auskunft von Bürgermeister Bernd Kugler auch kein Interesse an dem Angebot.

Auch mit Förderprogramm stand der Oersberger Bürgermeister Peter-Heinrich Lassen dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüber. "Das ist doch eine ganz schön teure Sache", sagt Lassen. Doch viele Bürger sprachen sich für das Projekt aus, und auch Lassens Stellvertreter waren dafür. Inzwischen ist auch Lassen von dem Anschluss an das Breitbandnetz überzeugt. Der Oersberger Bürgermeister glaubt, dass rund 50 Prozent seiner Einwohner von dem neuen Angebot profitieren werden. Dies seien zum einen Firmen, aber auch Privathaushalte junger Familien, die gerne auf schnelles Internet, Telefonie und digitales Fernsehen zurückgreifen. "Wir freuen uns, dass der DSL-Ausbau jetzt kommt, schließlich sind wir fast die einzigen ländlichen Gemeinden, die es dann in Angeln haben werden."

Und nicht nur auf dem Lande befinden sich Oersberg, Grödersby und Rabenkirchen-Faulück auf der Überholspur. "Das ist schon ein Stück weit Ironie", meint Ulrich Bendlin. Das "Zukunftsprogramm ländlicher Raum" sei ins Leben gerufen worden, um die Infrastrukturlücke zwischen Stadt und Land zu schließen. "Jetzt" so Bendlin, "werden Grödersby, Oersberg und Rabenkirchen-Faulück ein schnelleres Datennetz haben als die Stadt".

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