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Premiere "Geschenkt" : Amateurfilmer geben Einblicke in ihre Arbeit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Regisseur und Produzent stehen Besuchern der Capitol-Lichtspiele Rede und Antwort.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2014 | 13:36 Uhr

Von roten Teppichen und glamourösen Preisverleihungen sind sie noch ein Stück weit entfernt. Einen durchaus vielversprechenden Anfang hat die Amateurfilmgruppe um Wolfgang Philipp allerdings bereits hingelegt. Gestern Vormittag flimmerte ihr Erstlingswerk „Geschenkt“ über die große Leinwand der Kappelner „Capitol-Lichtspiele“. Und die rund 50 Anwesenden sparten hinterher nicht mit Applaus.

Die Handlung des zwölfminütigen Films ist schnell erzählt: Unbekannte stehlen in der Nacht zwei Fahrräder, bringen sie später zurück und klemmen als Entschuldigung zwei Theaterkarten auf den Gepäckträger. Als Mutter und Sohn spät von der Vorstellung zurückkommen, stehen sie in einem leeren Haus. Eine wahre Begebenheit, wie Regisseur Michael Zemlin hinterher im Gespräch mit den Zuschauern erklärte, die fünf Drehbuchfassungen gebraucht hat, ehe sie das ganze Team für verfilmbar hielt. Das Team heißt HawophilM und hat sich erst vor einem Jahr mithilfe einer Zeitungsmeldung zusammengefunden. Sie verstehen sich, das betonte Produzent Wolfgang Philipp, als „gehobene Amateurfilmer“, und der Kurzfilm untermauerte den Anspruch eindeutig.

Sechs Drehtage und -nächte hat das zehn Köpfe starke Team in „Geschenkt“ investiert. Und eigentlich wollte man mithilfe dieses Projektes nur die Fähigkeiten jedes einzelnen abklopfen. Philipp sagte gestern noch einmal: „Der Film war dazu gedacht, uns besser kennen zu lernen.“ Viel wollten sie ausprobieren, gerade mit Blick auf Technik und Ton, auf Kameraeinstellungen und Musik. Herausgekommen ist ein Produkt mit sanften Übergängen zwischen den Szenen, mit geschicktem Kameraeinsatz und viel Liebe zum Detail. Besonders deutlich wurde das im Vergleich zum Film „Angekommen“, den Philipp 2009, damals war er Lehrer in Baden-Württemberg, mit einer Schulklasse gedreht hatte. Ebenfalls ein bemerkenswertes Ergebnis, allerdings deutlich härter und holpriger im Schnitt, weniger professionell in der Tontechnik.

Beide Filme durfte HawophilM gestern im „Capitol“ zeigen, und das Premieren-Publikum wollte hinterher noch so einiges wissen. Michael Zemlin etwa sollte erklären, wie häufig einzelne Szenen wiederholt werden mussten („So lange, bis alle zufrieden waren.“) oder wie es gelungen ist, ein fahrendes Auto von vorne zu filmen („Aus einem geöffneten Kofferraum heraus.“). Hauptdarsteller Niklas Wacker, gerade auf dem Sprung zur Ausbildung zum Regieassistenten im Theater, nannte das Filmprojekt einen „ganz tollen Zusatz“ für seine berufliche Laufbahn. Und die Frage nach der richtigen Filmidee beantwortete Wolfgang Philipp mit dem Hinweis: „Menschen beobachten und ihnen zuhören.“ Dass die Gruppe ihren Erstling in einem echten Kino zeigen durfte, war allerdings nicht einkalkuliert. Zemlin sagte: „Das ist viel mehr als wir geglaubt haben.“ Philipp machte die Qualität des Films, die diese Chance ermöglicht hatte, in erster Linie an einem Kriterium fest: „Es waren Leute dabei, die unheimlich viel Herzblut investiert haben.“ Sollte die Gruppe sich das erhalten können, könnte Philipps Prognose, die er da vor der großen Kinoleinwand formulierte, vielleicht Wirklichkeit werden: „Wir sind nicht das letzte Mal hier gewesen.“ Ein Langfilm jedenfalls ist in Arbeit.

 

 

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