Mühle in Kappeln : Amandas runder Geburtstag

Stattlich und gut erhalten: Die Holländermühle „Amanda“.
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Stattlich und gut erhalten: Die Holländermühle „Amanda“.

Die höchste Windmühle Schleswig-Holsteins wird in diesem Jahr 130. Pfingstmontag ist Deutscher Mühlentag.

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19. Mai 2018, 07:00 Uhr

Immer am Pfingstmontag wird in Deutschland der Mühlentag gefeiert. Für die Kappelner Mühle „Amanda“ ist es in diesem Jahr ein besonderer, denn sie wurde vor genau 130 Jahren gebaut.

Sie ist die höchstgelegene Mühle in Schleswig-Holstein. Peter Thomsen erbaute sie im Jahr 1888 so hoch, „um sich den Wind nicht durch den Bau von Häusern um die Mühle herum entziehen zu lassen“ – so beschreibt es der ehemalige Kappelner Müller Hans Hadenfeldt in seinen Aufzeichnungen von 1983, die im Archiv der Stadt Kappeln hinterlegt sind.


Die höchste Mühle in Schleswig-Holstein

Die Mühle wurde in holländischer Bauart errichtet und ist ein Massivbauwerk bis unter den drehbaren Kopf. Mit ihren gut 30 Metern Höhe überragt sie die Stadt, neun Stockwerke hat sie und bietet in den oberen Etagen einen spektakulären Ausblick. Die unteren fünf Etagen sind in ockerfarbenem Ziegelmauerwerk entstanden, davon die untersten vier als Vierkant, die fünfte als Achtkant. Sie trägt die hölzerne Galerie und dient als Sockel für die oberen vier, ebenfalls achtkantigen Etagen. Das Flügelkreuz hat einen Durchmesser von 23 Metern.

Unter Dampf in windarmen Zeiten

Da es zur Zeit der Erbauung noch keine Elektrizität als Aushilfskraft gab, wurde in der Sägerei nebenan eine Dampfmaschine installiert, mit der die windarme Zeit überbrückt werden konnte. So konnten gleichzeitig die Abfälle der Sägerei gut verwertet werden. Andersherum, wenn der Wind kräftig blies, konnte mit der Energie gleichzeitig gemahlen und gesägt werden. Der Ertrag reichte Erbauer Thomsen aber nicht aus. Die Zinsen für die Baukosten von damals rund 80 000 Euro konnte er nicht aufbringen und setzte sich prompt nach Amerika ab.

Friedrich Hadenfeldt pachtete die Mühle 1895 zunächst für fünf Jahre und kaufte sie anschließend für 30 000 Mark. Sein Sohn Hans legte dort die Meisterprüfung ab und übernahm den Betrieb im Jahr 1934.


Modernisierung nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach seiner Rückkehr aus Russland 1945 hat er den Betrieb wieder aufgebaut. Hans Hadenfeldt beschreibt, wie er „Amanda“ mit neuen Flügeln versah und auf Walzenmüllerei umstellte. Bis 1964 wurde in der Mühle gemahlen, dann waren die Müller gezwungen, die Mehlproduktion aufgrund einer Überkapazität einzustellen. „Es begann das Mühlensterben“, dokumentiert Hadenfeldt. „Vom Rundgang der Kappelner Mühle konnte man früher 15 Windmühlen sehen. Loitmark, Brodersby, Sundsacker, Arnis, Maasleben, Lindaunis, Ekenis, Grödersby, Mehlby, Sandbek, Rabel, Wittkiel, Priesholz, Bobek und Kappeln. Ob es Nacht war oder Tag, wenn es wehte, wurde gemahlen. Es sind nicht mehr viele davon übrig geblieben. Alle waren dem Verfall preisgegeben.“

Trauzimmer und Tourist-Information

1976 wurde die Mühle „Amanda“ von der Stadt Kappeln übernommen und unter Denkmalschutz gestellt. 1977 wurde sie äußerlich instand gesetzt, Mühlenkopf und -flügel sowie der Rundgang erneuert. Auch die unteren drei Stockwerke wurden hergerichtet. In einem zweiten Bauabschnitt wurden die oberen Stockwerke renoviert. Seit 1990 ist „Amanda“ und das ihr angegliederte historische Sägewerk – heute ein von den Kappelner Werkstätten betriebenes „Working Museum“ – als Kulturdenkmal eingetragen. Sie beherbergt im ersten Stock die Tourist-Information. Im zweiten Stock werden kleinere Sitzungen abgehalten. Im dritten Stock befindet sich ein Trauzimmer, und die Menschen kommen aus ganz Deutschland – und sogar aus dem Ausland – um sich in der Mühle das Ja-Wort zu geben.


> Pfingstmontag gibt es von 10 bis 17 Uhr verschiedene Angebote: Mühlenbasteln und -rallye für Kinder; 11 und 14 Uhr ein Vortrag über die Geschichte der Mühle; Besichtigungen des Historischen Sägewerks.

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