Kappeln : Allein im Alter – das muss nicht sein

Johannes Bock (95) findet es schwierig, im hohen Alter noch Anschluss zu finden.
Johannes Bock (95) findet es schwierig, im hohen Alter noch Anschluss zu finden.

Das Unterhaltungsangebot für Senioren in Kappeln ist groß. „Franka“ bietet einen Besuchsdienst an.

shz.de von
22. Juni 2018, 07:00 Uhr

Johannes Bock ist 95 Jahre alt. Er lebt in einem Mehrfamilienhaus in Ellenberg und bekommt das Essen geliefert. Er hat jemanden, der in der Wohnung hilft, ein Nachbar guckt täglich rein und holt die Zeitung ab. Der Pflegedienst kommt alle sechs Wochen vorbei. Johannes Bock schafft den Alltag gut allein – aber er wünscht sich einen Gesprächspartner. „Ich bin Mitglied in fünf Vereinen. Drei davon sitzen in Kappeln, aber auch da finde ich niemanden zum Reden“, sagt er. Als er nun gehört hatte, dass ein alleinlebender Mann in unmittelbarer Nachbarschaft erst viele Tage nach seinem Tod in der Wohnung gefunden wurde, fing er an nachzufragen. Was wird in Kappeln für alleinlebende Senioren getan? Bietet ein Verein einen Besuchsdienst an? Wer schaut nach dem Rechten, wenn jemand länger von der Bildfläche verschwindet?

Einen Besuchsdienst hatte die Kirchengemeinde in Ellenberg. „Der musste vor etwa einem Jahr eingestellt werden, weil es keinen Nachwuchs gab“, berichtet Pastor Jörg Jackisch. Er selbst könne das nicht aufrecht erhalten, aber mache auch Besuche, wenn jemand in Not ist und ein offenes Ohr braucht. Grundsätzlich bietet die Kirche speziell in Ellenberg zwei Seniorenkreise an. Dort gibt es auch die Möglichkeit, Menschen, die Probleme mit der Mobilität haben, abzuholen. Darüber hinaus trifft sich ein Spielekreis. Die Beschwerde „Keiner besucht mich“ ist auch dem Pastor nicht neu. Die Initiative müsse aber die Person, die den Kontakt sucht, ergreifen. „Wenn niemand nachfragt oder Interesse zeigt, wird es schwierig.“

Christel Siemen ist Vorsitzende des Senioren-Fördervereins. Einen Besuchsdienst bietet der Verein nicht. Aber sie beschreibt alternativ ein großes Angebot mit einem Stammtisch, der zweimal, oder einem Spielenachmittag, der einmal im Monat angeboten wird. „Auch Menschen, die nicht mehr mobil sind, lassen sich dort hinbringen“, sagt sie, man könne auch Fahrgemeinschaften bilden. Beim jüngsten Grillnachmittag unten an der Schlei war die älteste Teilnehmerin 87 Jahre alt. „Es gibt so viele Möglichkeiten, auch im Alter dabei zu sein – wenn man will“, sagt Siemen.

„Wenn man alle Termine wahrnehmen möchte, die in Kappeln für Senioren angeboten werden, ist man gut beschäftigt“, sagt auch Christiane Spliedt, Vorsitzende des DRK- Ortsvereins in Kappeln. Einen Besuchsdienst hat sie zwar auch nicht im Angebot, aber einen Ausflug im Mai, sowie ein Frühlingfest und die Weihnachtsfeier im Feuerwehrgerätehaus in Kopperby, inklusive Fahrdienst. „Ich finde es wichtig, dass die Vereine in Kappeln sich ergänzen und nicht in Konkurrenz zueinander stehen“, sagt sie. Auch der Ortsverein der Awo in Kappeln organisiert Fahrten und Veranstaltungen für Senioren, ein Besuchsdienst für Alleinlebende gehört allerdings nicht dazu. Da verweist die Vorsitzende Maria Winter eher an die Freie Alten- und Nachbarschaftshilfe für Kappeln und Umgebung („Franka“). Uwe Herrmann ist Beisitzer bei „Franka“: „Herr Bock ist Mitglied – und wird regelmäßig von uns besucht“, sagt er. Es gebe einen Besuchsdienst, und darüber hinaus viele Nachmittage, zu denen die Mitglieder eingeladen sind. „Und natürlich können wir sie dazu auch abholen“, sagt Herrmann.

Was helfen könnte, damit jeder Verein weiß, wo Hilfe vonnöten ist und niemand durch das recht engmaschige Kappelner Netz fällt, sei eine bessere Kommunikation zwischen den Organisationen, regt Awo-Schriftführer Jürgen Strahl an. So könne die Zusammenarbeit – im Sinne der Senioren – noch verbessert werden. Das sieht Pastor Jackisch ebenso: „Das Netz in Kappeln ist hervorragend, aber stimmt – nicht jeder weiß, was der andere anbietet. Das könnte optimiert werden.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen