Kappelner Kommunalpolitik : „Alle müssen kompromissbereit sein“

Am Südhafen kommt viel zusammen: Mit Museumsbahn, Cremilk, Wohnungsbau und künftigem Hotel thematisiert unser Bild nur vier Aspekte. Für den Bauausschussvorsitzenden Lars Braack ist dieser Bereich daher aktuell einer der herausforderndsten.
Am Südhafen kommt viel zusammen: Mit Museumsbahn, Cremilk, Wohnungsbau und künftigem Hotel thematisiert unser Bild nur vier Aspekte. Für den Bauausschussvorsitzenden Lars Braack ist dieser Bereich daher aktuell einer der herausforderndsten.

Der Bauausschussvorsitzende Lars Braack hofft auf ein Verkehrskonzept, mehr Struktur am Südhafen und Bewegung auf den Schleiterrassen.

shz.de von
03. August 2018, 07:00 Uhr

Mit der Kommunalwahl haben die vier politischen Ausschüsse neue Vorsitzende erhalten. Für uns ist das Anlass, dieses Quartett gleich zum Start zu einem Interview zu bitten. Den Anfang macht Lars Braack (SPD), Vorsitzender des Bauausschusses, im Gespräch mit unserer Redakteurin Rebecca Nordmann.

Herr Braack, Sie haben seit der Kommunalwahl den Vorsitz des Bauausschusses übernommen. Weshalb sind Sie der richtige dafür?

Braack: Ich war bisher schon stellvertretender Vorsitzender und kenne die Vorgänge, die bis hierhin gelaufen sind. Insofern fällt es mir etwas leichter, mich zurechtzufinden. Überhaupt halte ich den Bauausschuss für besonders interessant, weil man viel sichtbar bewegen kann.

Dieses Sichtbare macht es dann aber auch leichter, Sie an dem, was passiert oder nicht passiert, zu messen.

Das stimmt, und man kann es kaum allen recht machen. Aber wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht und mit den Menschen spricht, kann es funktionieren.

Ihr Vorgänger Volker Ramge hat den Bauausschuss sehr geprägt. Was werden Sie anders machen?

Ja, das hat er auf jeden Fall. Er hat sehr viel Zeit investiert, sehr viel bewegt und, wie ich finde, gute Arbeit geleistet. Gleichzeitig hat er polarisiert, obwohl es ihm immer um die Sache ging. Ich muss nun meine eigene Richtung finden, halte mich aber für konstruktiv und für in der Lage, Kompromisse zu finden. Ich wünsche mir, dass wir mehr reden als in der Vergangenheit und das alle gewillt sind, diesen Weg mitzugehen.

Sie sind ja, im Gegensatz zur Mehrheit der Stadtvertreter, kein kommunalpolitischer Frischling. Wie haben Sie die vergangenen Jahre erlebt?

Es waren wahnsinnig interessante Jahre, die ich allerdings eben nur als Ausschussmitglied begleitet habe. Jetzt stehe ich in größerer Verantwortung, das bedeutet, dass ich mich noch intensiver mit den Themen beschäftigen muss.

Was waren die wichtigsten Beschlüsse, die der Bauausschuss in der abgelaufenen Wahlzeit gefasst hat?

Jeder Beschluss ist wichtig für den, den er betrifft. Aber als Schlagworte will ich die Beschlüsse zum Gewerbegebiet, zu den Schleiterrassen, zum Ostseeresort Olpenitz nennen. Als ein bisschen zäh habe ich die Beschlussfindung zum Parkplatz in Ellenberg in Erinnerung. Das hat zu lange gedauert.

Jetzt besteht die Chance, dass genau das anders wird: Der Bauausschuss wurde mit der Kommunalwahl um den Themenbereich Verkehr erweitert. Eine sinnvolle Entscheidung, weil Bauen und Verkehr nicht selten Hand in Hand gehen. Gleichzeitig setzt diese Erweiterung voraus, dass sich auch die Ausschussmitglieder breiter informieren.

Richtig, und das fängt mit dem Grundwissen an. Es wird eine Veranstaltung der Verwaltung geben, um eben das zu vermitteln. Ich finde es nach wie vor sinnvoll, dass wir die Zahl der Ausschüsse verringert haben.

Welche Schwerpunkte werden den Bauausschuss in den nächsten fünf Jahren beschäftigen?

Das Gewerbegebiet steht für mich an oberster Stelle – weil es die Chance bietet, mehr Arbeitsplätze hervorzubringen. Und es ist gut, dass die Umlandgemeinden eingebunden sind. Bei den Schleiterrassen haben wir unsere Aufgaben erledigt, jetzt ist der Investor dran. Das Thema Breitband wird eine große Rolle spielen, der Gedanke eines Schwimmbads ist immer noch präsent, und ich glaube auch immer noch daran, dass es Wirklichkeit werden kann. Wir haben dazu die Verwaltung beauftragt, verlässliche Zahlen zu liefern. Bezahlbarer Wohnraum wird uns beschäftigen, allerdings sehe ich die Stadt da auf keinen Fall als Investor. Städtebauförderung, Südhafen, seniorengerechtes Wohnen, Entwicklung der Kleingartenfläche – an Themen mangelt es wirklich nicht.

Welche Auswirkungen erwarten Sie, gerade mit Blick auf diese Themenvielfalt, von den neuen Mehrheitsverhältnissen?

Ich erwartet, dass mehr miteinander geredet wird. Alle müssen kompromissbereit sein, wenn wir zum Ziel kommen wollen. Die neuen Verhältnisse sind nicht schlechter, nur interessanter.

Der Bauausschuss war in der Vergangenheit der Ausschuss mit dem häufigsten Tagungsrhythmus. Werden Sie die Quote beibehalten?

Ja, das bleibt so. Bedingt allein dadurch, dass manche Dinge nicht aufgeschoben werden können. Da müssen wir dranbleiben, damit es weitergeht.

Bitte ergänzen Sie folgende Sätze: Das Ostseeresort Olpenitz muss innerhalb des nächsten Jahres...

...zusammen mit der Stadt ein vernünftiges Verkehrskonzept erstellen. Das Resort wird Tausende Autos nach Kappeln bringen, da erwarte ich vom Investor Unterstützung, wie wir damit umgehen sollen.

Von der Entwicklung im Südhafen erhoffe ich mir...

...dass es gelingt, alle an dieser Stelle vorherrschenden Herausforderungen zu strukturieren und unter einen Hut zu bringen. Mit Museumsbahn, Maschinenhalle, Cremilk, Wohnbebauung, Hotel, Ferienapartments, ASC ist das schon wirklich fordernd.

In fünf Jahren werden die Schleiterrassen...

...nicht mehr so aussehen wie jetzt, sondern hoffentlich schon mindestens zur Hälfte bebaut sein.

Günstigen Wohnraum wird Kappeln in fünf Jahren vorweisen können, weil...

...wir genau das dringend benötigen.

Das Mühlenumfeld wird in naher Zukunft...

...sich im positiven Sinne verändern.

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