Alte Galionsfigur : Albatros der "Gorch Fock" landet in Kappeln

Die Montage des Albatros auf dem Brückenkopf erforderte viel Kraft und Geschick. Foto: Nordmann
Die Montage des Albatros auf dem Brückenkopf erforderte viel Kraft und Geschick. Foto: Nordmann

Der Albatros, die betagte Galionsfigur der "Gorch Fock", ist wieder gelandet – auf dem Brückenkopf in Kappeln.

Avatar_shz von
01. Dezember 2012, 05:14 Uhr

Kappeln | Relativ weit, aber noch nicht fertig. Das antwortet Dieter Clausen, wenn man ihn fragt, wie es denn nun bestellt ist um den Albatros, um dessen geplanten Umzug vom Sägewerk an den Brückenkopf. Und Clausen wird oft gefragt. Seit Donnerstag kann der Vorsitzende des Verschönerungsvereins seine Antwort ein wenig modifizieren. Fast fertig, könnte er ab sofort sagen. Am Nachmittag nämlich sorgte ein Baukran der Firma Karsten Poppner dafür, dass der Albatros seinen vielleicht endgültigen Platz eingenommen hat. Seit gestern begrüßt er die Kappelner Gäste am Brückenkopf auf Schwansener Seite. Seine Reise war lang, und dass sie ein so gutes Ende nehmen würde, war nicht immer klar.
Allerdings war der Aufwand, den die Männer um Karsten Poppner und Uwe Frye vom Verschönerungsverein unter den Augen des Bürgermeisters Heiko Traulsen verrichten mussten, immens. Der aufgeweichte Boden erschwerte die richtige Positionierung des Kranwagens erheblich, eisiger Wind und einsetzender Schneeregen taten ihr Übriges. Und so zog es sich schließlich über eineinviertel Stunden hin, ehe der Albatros wieder an seiner ursprünglichen Aufhängung, die bereits seit Ende September auf dem Brückenkopf steht, befestigt war.

Viel Bürokratie für einen Vogel

Bisher lagerte die frühere Galionsfigur der "Gorch Fock" noch auf einer Lore im Sägewerk. Dort hatte sie Uwe Frye im zurückliegenden Sommer einer Schönheitskur unterzogen - denn das lange Nichtstun war dem Vogel damals anzusehen. Seit 1958 zierte der Albatros das Segelschulschiff der Marine, allerdings nur für einige Jahre. Danach schmückte sich die Marineschule Mürwik mit ihm, von dort gelangte er schließlich zum Marinestützpunkt Olpenitz. Nach dem Aus des Stützpunkts hatte die Odyssee jedoch noch kein Ende: Lagerraum in der Waffenschule, ausgediente Sporthalle in Olpenitz, von dort mithilfe des Bauhofs zu einem kurzen Zwischenstopp auf dem Gelände von Ancker-Yachting, schließlich ins Sägewerk. Und genau dort hat Uwe Frye der Symbolfigur der Marine wieder neues Leben eingehaucht. Ausgerüstet mit Hochdruckreiniger, Seife und Lösungsmittel, Zwei-Komponenten-Kleber und literweise Farbe machte sich Frye ans Werk. Das Resultat: ein Gold glänzender Albatros, dem seine lange Lagerzeit überhaupt nicht mehr anzusehen ist.
Der Aufstellplatz am Brückenkopf war schnell gefunden, Tiefbauunternehmer Matthias Iwersen übernahm den Transport der Aufhängung von Olpenitz nach Ellenberg. Weil aber genau dort ein neues Fundament errichtet werden sollte, war zuvor ein Bodengutachten fällig, ebenso eine Baugenehmigung. Viel Bürokratie für einen Vogel, aber schlicht notwendig. Und für den Verschönerungsverein kein Grund, die einmal in Gang gesetzte Sache wieder zu stoppen. Uwe Frye sagt dazu: "Was wir anfangen, bringen wir auch zu Ende." Auch das Originalschild "SSS Gorch Fock" ist wieder aufgetaucht, irgendwo in Westfalen. Ein Lichtblick für Dieter Clausen. "Wir sind sehr froh, dass wieder alles zusammenfindet, was zusammen gehört", sagt der Vereinsvorsitzende. Einen großen Anteil daran, das macht Clausen deutlich, haben etliche Firmen aus Stadt und Umland, die einen Teil ihrer Leistungen als Spende erbracht haben. "Ohne diese Leute hätten wir das nicht geschafft", sagt Clausen. Was jetzt noch fehlt, um das Bild wirklich komplett zu machen, sind zwei Strahler, die den Albatros im Dunkeln in Szene setzen sollen.

Kappelner fragen nach dem Albatros

In gut viereinhalb Metern Höhe blickt das Marine-Wahrzeichen nun Richtung Eckernförde - "dort haben wir ja noch Marine", begründet Dieter Clausen die Entscheidung. Andere haben sich gewünscht, der Albatros möge sich zum Wasser richten. Uwe Frye lächelt, als er davon erzählt. "Dann hätten ihn alle Autofahrer immer nur von hinten gesehen - auch nicht schön", sagt der Schatzmeister des Vereins. Gemeinsam mit Wassertonne, Anker und Schiffspropeller, wie sie auf dem Brückenkopf bereits seit Mai vergangenen Jahres stehen, soll der Albatros nun ein geschlossenes maritimes Ensemble abgeben - und die Stadt, ganz im Sinne des Vereins, eben ein bisschen schöner machen. Dieter Clausen sagt dazu schlicht: "Wir tun das nicht für uns." Gleichwohl fühlt sich der Verschönerungsverein allein durch die Reaktion der Kappelner getragen. Viele haben immer wieder nach dem Albatros gefragt, den Verein in seinem Tun bestärkt. "Diese Worte empfinden wir als Motivation", sagt Clausen.
Noch in diesem Jahr will der Verschönerungsverein den Albatros der Stadt übergeben, damit geht eine weitere selbst auferlegte Mammutaufgabe zu Ende. Und spätestens dann muss der Vereinsvorsitzende überlegen, wie seine künftige Antwort auf die eingangs erwähnte Frage ausfallen soll. Hier ein Vorschlag: Fertig.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen