Abschied von Kappelns Kultusminister

Ingobert   Andresen
Ingobert Andresen

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19. Mai 2012, 03:59 Uhr

Kappeln | Am 8. Mai hat Kappeln eine große Persönlichkeit verloren. Völlig überraschend starb Ehrenstadtvertreter Ingobert Andresen während eines Aufenthaltes in Kappelns Partnerstadt Ustka (Stolpmünde) - keine 20 Kilometer von seinem Geburtsort Slupsk (Stolp) entfernt. Obwohl nicht in Kappeln geboren, sah Andresen die Schleistadt als seine Heimat an. Heimat war für den ehemaligen Lehrer da, wo er sich wohl fühlte. So lernte er hier auch Plattdeutsch - eine "folgenschwere" Entscheidung, denn viele seiner Initiativen wie der Niederdeutsche Literaturpreis oder "Schölers leest Platt" hatten mit diesem Heimatdialekt zu tun. In Kappeln trat der Sozialdemokrat auch als Regisseur und Gestalter vieler Theaterstücke, des Kappelner Heimatspiels oder des Redentiner Osterspiels auf. Darüber hinaus wirkte er beim Aufbau und der Einrichtung des Stadtarchivs mit. Bei der Bücherei ging nichts ohne ihn. Das Soziale lag ihm ebenfalls am Herzen. Und bei der Städtepartnerschaft mit Ustka sorgte der gebürtige Stolper für Spendensammlungen sowie für den Jugendaustausch. Irgendwann sagte Andresen einmal: "Wenn man seine Wünsche und Vorstellungen so umsetzen kann, dann ist das auch eine Art Selbstverwirklichung." Und Andresen war reich an Ideen. Wohl deswegen blieb er auch häufig ruhelos, aber stets zielstrebig. Sein Freund Rainer Moll sagt über ihn: "Stillstand war für ihn Rückschritt." Und so blieb es nicht aus, dass er bei einigen Leuten aneckte, weil er denen seine Meinung sagte. Doch wenn Andresen mal zu weit ging, entschuldigte er sich auch.

Posten hat er nie angestrebt, doch in seinem Falle hat das Amt stets den geeigneten Träger gefunden. 30 Jahre wirkte er als Stadtvertreter, war stellvertretender Bürgervorsteher, und Vorsitzender des Ausschusses für Jugend, Kultur, Sport und Schulen. Auch als Finanzausschussvorsitzender war er tätig, "auch wenn er immer unser Kultusminister blieb", wie Ehrenbürgervorsteher Harry Detlefsen über seinen langjährigen Freund sagt. Bei seinen Tätigkeiten erwarb er sich Anerkennung weit über Partei- und Stadtgrenzen hinaus. Beleg dafür: die Auszeichnung als Träger der Schleswig-Holstein-Verdienstmedaille oder die einstimmige Ernennung zum bislang einzigen Ehrenstadtvertreter. Andresen freute sich - nicht über die Titel, aber über das Zeichen der Anerkennung. Wie groß die Wertschätzung für diesen Mann ist, zeigte sich auch am Tage seines Begräbnisses. Auf Geheiß des amtierenden Bürgermeisters Horst Trauzettel (CDU) setzte das Rathaus entgegen aller Vorschriften die Stadtflagge auf Halbmast. Eine große Geste für einen Bürger, der die Stadt wie kaum ein anderer geprägt hat.

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