Abschied von der Schwimmhalle ?

Rund 50 Zuhörer interessierten sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt für die Schleiterrassen. Sie beteiligten sich mit teils kritischen, teils mutmachenden Wortbeiträgen.
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Rund 50 Zuhörer interessierten sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt für die Schleiterrassen. Sie beteiligten sich mit teils kritischen, teils mutmachenden Wortbeiträgen.

Investor erhielt bei Bürgerbeteiligung für die Planung der Schleiterrassen viel Zuspruch, aber auch Kritik / Stadt: Schwimmbad nach 2014 derzeit nicht vorstellbar

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06. Juli 2013, 04:59 Uhr

Kappeln | Es passiert nicht oft, dass der große Sitzungssaal des Rathauses gut gefüllt ist. Donnerstagabend, als es um die Schlei-Terrassen, also um das Gelände der ehemaligen Marinewaffenschule, ging, war so ein Tag. Rund 50 Bürger waren erschienen. Ihnen gegenüber befand sich ein langer Tisch, an dem zehn Personen saßen. Es waren dies Mitarbeiter aus der Verwaltung mit dem Bürgermeister an der Spitze, Geschäftsführer und Projektleiter der AMA Schleiterrassen GmbH, die das Grundstück erworben hat und entwickeln will, sowie ein Landschaftsarchitekt, zwei Vertreter eines Planungsbüros und ein Ingenieur für die Erschließung des Geländes.

AMA-Projektleiter Jan Christopher Kortüm umriss ein Ziel für die Schlei-Terrassen. "Die Schleiterrassen sollen Impulse in den Stadtteil Ellenberg senden", sagte Kortüm. Um die Schlei erlebbar zu machen, brauche man den Blick und den Zugang zum Wasser. Bei den Bauten werde für jeden Anspruch etwas dabei sein. Bauamtsleiter Erich Reuter stellte derweil klar: "Wir sind noch im Vorentwurfsstadium. Ich sage dies ausdrücklich, weil es Irritationen gegeben hat, dass schon alles feststeht. Das ist nicht so." Damit spielte Reuter auf die Vorwürfe der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU) sowie des Naturschutzbundes (Nabu) Ortsgruppe Ostangeln an. Die Naturschutzverbände hatten jüngst bemängelt, dass ihre Kritik an der Planung keine Berücksichtigung gefunden hatte (wir berichteten).

Dagmar Struß, Vorsitzende des Nabu Ostangeln, erneuerte jetzt ihre Einwände. "Die Planung verstößt gegen Naturschutzgesetze", so Struß. "Ich gehe davon aus, dass wir hier eine reine Fantasie-Planung sehen." Viele Fragen blieben offen, so die Nabu-Vorsitzende. "Die Planung, die Sie hier präsentieren, ist auf keinen Fall umsetzbar." Kortüm antwortete ihr, dass er erwartet hätte, dass die Naturschutzverbände den Dialog aufrecht erhalten hätten. "Ich hätte mich über einen Anruf von Ihnen gefreut. Stattdessen haben Sie sich an die Presse gewandt, so konnte ich Ihnen nicht erklären, in welchem Stadium wir uns befinden." Landschaftsarchitekt Uwe Herrmann hatte zuvor von empfindlichen Flächen in dem Areal gesprochen. Als Beispiel nannte er ein nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) sowie nach der EU-Vogelschutzrichtlinie geschütztes Gebiet. Zur abschließenden Beurteilung fehlten derzeit noch Gutachten und andere tiefer gehende Daten. Herrmann betonte auch: "Die Planung wird in den rechtlichen Rahmen eingepasst. Wenn dafür Änderungen erforderlich sind, werden wir sie vornehmen. Ansonsten werden die Ziele des Investors eingehalten."

Doch im Mittelpunkt des Bürger-Interesses stand die ungewisse Zukunft des Schwimmbades, dessen Erhalt derzeit nur bis Ende 2014 gesichert ist. Etliche der Anwesenden appellierten an die AMA, das Bad darüber hinaus zu erhalten oder ein neues zu bauen und einen Investor zu suchen. Manche meinten auch sich zu erinnern, dass die AMA den Zuschlag für das Grundstück erhalten habe, da sie den Erhalt des Bades zugesichert habe. So sprach etwa Stadtvertreter Philipp Schmitt von einem "grundlegenden Kriterium bei der Investorensuche". Und Ferienhofbetreiberin Frauke Siemen führte aus, dass viele ihrer Gäste täglich das Bad nutzten. Siemen: "Die Schwimmhalle hat auch einen touristischen Wert." Bürgermeister Heiko Traulsen betonte, dass immer nur von einem temporären Erhalt der Halle die Rede gewesen sei. "Es ist eine politische Entscheidung, die Schwimmhalle finanziell zu fördern." Die Stadt könne neue Aufgaben nur in Angriff nehmen, wenn die Finanzierbarkeit gesichert sei. "Selbst wenn wir es so beschließen, bremst uns die Kommunalaufsicht aus." Und für die AMA sagte Frank Krogel: "Der Betrieb eines Schwimmbades ist für einen privaten Investor nicht darstellbar." Gleichwohl stelle die AMA einen Bereich für solch eine Freizeiteinrichtung zur Verfügung. Laut dem früheren Stadtvertreter Dittmer Heil hat sich die Schwimmhalle in die Köpfe der Bevölkerung eingebrannt, dabei hätte die Stadt diese nur von der Bundeswehr geerbt. Heil: "Wir müssen uns von der Vorstellung freimachen, das Projekt sei an die Schwimmhalle gekoppelt."

Das Areal soll in vier Bauabschnitten von Norden nach Süden innerhalb von zehn Jahren realisiert werden. Zum Wunsch eines Spazierwegs am Schleiufer sagte Krogel, dass man das Gelände über breite Wege für die Nachbarschaft öffne. Man wolle aber nicht Besucher unkontrolliert in die ökologisch sensiblen Uferbereiche hereinholen.

Heil erinnerte daran, dass die Marinewaffenschule seit über zehn Jahren leer stehe. "Das darf nicht an einer Kreuzkröte scheitern, sonst geht wieder ein Projekt kaputt. Meine Bitte: Raufen Sie sich zusammen, und lassen Sie das Projekt nicht platzen", sagte Heil unter lautem Beifall in Richtung Naturschutzverbände und Investoren. Struß erwiderte, Heils Äußerung dürfe nicht als Aufruf verstanden werden, Gesetze außer Acht zu lassen, um eine schöne Planung zu erhalten. Diese Vorschriften hätten ihren Sinn. "Wenn aber die Gesetze eingehalten werden, dann haben auch wir an der Planung nichts auszusetzen", erklärte die Nabu-Vorsitzende - ebenfalls von Applaus begleitet.

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