Maasholm/Kappeln : „Aalutsetten“ mit Daniel Günther

Anpacken: Ministerpräsident Daniel Günther (li.) und Fischer Olaf Jensen beim Aalutsetten.
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Anpacken: Ministerpräsident Daniel Günther (li.) und Fischer Olaf Jensen beim Aalutsetten.

18.000 Fische kamen in die Schlei. Das Retten der Tiere hat eine lange Tradition in der Region.

shz.de von
23. August 2018, 09:55 Uhr

„Aalutsetten in de Schlie: Wie sünd wedder dorbi!“ So lautet auch in diesem Jahr das plattdeutsche Motto der Schleifischer. Zum ersten Mal „mit dorbi“ war gestern Nachmittag am Hafenkai von Maasholm der als Ehrengast willkommene Ministerpräsident Daniel Günther. „Ich habe hier heute beim Füllen der Eimer mit angefasst und alles verletzungsfrei überstanden“, erklärte er humorvoll. Das Retten dieser bedrohten Fischart sei eine wichtige Tradition und eine vorbildliche Gemeinschaftsaktion. Am Rande nahm er außerdem Stellung zu einer von den Fischern beklagten Überhandnahme der gefräßigen Kormorane. Die Fischer haben diesem Aalfresser den Kampf angesagt. „Ich werde zu diesem Problem mit Fachleuten Gespräche wegen einer neuen Verordnung führen“, sagte Günther zu.

Augenzeugen bei diesem Einsatz waren auch Ex-Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen, Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack, Bundestagsabgeordnete Petra Nicolaisen sowie Landtagsabgeordnete von CDU, SPD und FDP. Die „Goldene Reuse“, eine Ehrengabe der Fischergenossenschaften, erhielt Alexander Wever (Brandenburg) von der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals überreicht.

Organisatoren und Sprecher dieser maritimen Aktion sind die Fischer Jörn Ross aus Schleswig und Olaf Jensen aus Kappeln. Sie betonten unisono: „Durch viele Faktoren ist der Aalbestand in Schlei und Ostsee stark geschrumpft.“ Deswegen gibt es nur einen Ausweg: das gezielte Einsetzen von Jungaalen. Bereits zum neunten Mal fand dieses Ereignis in Maasholm statt. Ausgesetzt von einem Boot aus wurden jetzt die letzten 18.000 Exemplare von insgesamt 550.000 Glasaalen und seit Jahresbeginn auf fünf Gramm vorgemästete Jungtiere. Dieses neue Projekt erforderte einen Aufwand von 128.000 Euro. Davon stammen 60 Prozent aus der Fischereiabgabe und dem europäischen Fischereifonds.

Wie Ross und Jensen stellvertretend für alle Berufskollegen aus Kappeln, Schleswig, Maasholm und Arnis erläuterten, spielen zwei Gründe die Hauptrolle bei diesem wichtigen Programm: Einerseits soll es „irgendwann wieder ordentliche Fänge“ geben, andererseits können die Aale im Lebensraum Schlei aufwachsen, danach den weiten Weg zur Sargassosee antreten, dort laichen und mit ihrem Nachwuchs an die hiesigen Küstengewässer zurückkehren.

Wert legten die Initiatoren auf die Feststellung, dass diese Aktion auch von den Hobby-Anglern mitgetragen wird, ebenso von den Betreibern etlicher Restaurants, Werften und Räuchereien in der Schleiregion. Keine Frage: Die Fischergenossenschaften sind auf Spenden für das Aalaussetzen angewiesen. Dabei sprechen die Schleifischer von einer „innerfischereilicher Solidarität“, die auch jene Gleichgesinnte einbezieht, „die selbst keine Aale fischen.“ Olaf Jensen: „Der Aal gehört zur Schlei wie der Dom zu Schleswig.“

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