Maasholm/Kappeln : Aal-Utsetten: Jungfische für die Schlei

Auch Gastronomen beteiligten sich an der Aussetz-Aktion – nicht zuletzt im eigenen Interesse, damit wieder Aal auf den Tisch kommt.
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Auch Gastronomen beteiligten sich an der Aussetz-Aktion – nicht zuletzt im eigenen Interesse, damit wieder Aal auf den Tisch kommt.

Im Beisein von Ministerpräsident Torsten Albig wurden gestern 62.500 Glasaale ausgesetzt.

shz.de von
30. Juli 2015, 08:00 Uhr

„62.500 Jungaale sind ins Wasser gekommen, und alle haben überlebt.“ Stolz berichtete der Kappelner Schleifischer Olaf Jensen, Mitorganisator der gestrigen Aktion „Aal-Utsetten“, über das als wichtiges Natur-Projekt zu betrachtende Geschehen auf der Schlei. Ministerpräsident Torsten Albig beteiligte sich von einem Boot aus an diesem Vorgang, der für ihn eine Premiere war. Sein großer Wunsch sei es, dass die nur acht Gramm wiegenden Winzlinge mit den Jahren zu stattlichen Fischen heranwachsen. Albig: „Der Aal gehört zur Schlei und zu ganz Schleswig-Holstein wie die Leuchttürme und die Windräder.“

Albigs besonderes Lob galt dem Berufsstand der Fischer, die mit ihrem professionellen Wirken seit Jahrhunderten einen bedeutenden Wirtschaftszweig prägten. Der Aal benötige als Lebensraum eine intakte Natur, und der ökonomische Gesichtspunkt – nämlich die Vermarktung einer köstlichen Speise – diene den Menschen. Dabei sei es kein Widerspruch, wenn Naturschutz und Wirtschaftsinteressen als gemeinsame Ziele betrachtet werden. „Wir sitzen mit den Fischern, die eine alte Tradition am Leben erhalten, in einem gemeinsamen Boot“, fügte Albig hinzu.

Kreispräsident Ulrich Brüggemeier sprach von einer „Investition in die Zukunft“, denn das Aussetzen der Jungaale solle nachfolgenden Fischergenerationen gute Fänge bescheren. Er verdeutlichte, dass alle Fischarten auf gesunde Gewässer angewiesen sind. „Wenn sich ein reicher Fischbestand bei uns wohlfühlt, dann können wir alle sicher sein, dass unsere eigene Lebensumwelt intakt ist“, sagte Brüggemeier und nannte den Aal einen guten „Wächter“.

Nach den Worten von Olaf Jensen wurden in diesem Jahr insgesamt 233.000 Glasaale in die Schlei entlassen – gestern Morgen in Schleswig, mittags in Kappeln und in Karschau, nachmittags in Maasholm. Die Gesamtkosten liegen bei 46.000 Euro. Zu 60 Prozent stammen die Gelder aus der Fischereiabgabe und dem Europäischen Fischereifonds, während die verbleibende Finanzlücke durch private Spenden geschlossen wird. Allein elf Kommunen beiderseits der Schlei zählen zu den Förderern. „Die Aalfischerei ist ein Stück Heimat“, betonte Jensen. Dass nach wie vor der Kormoran als der ärgste Feind der Aale, Zander und Schnäpel in der Schlei gilt, sollte die Politik auf den Plan rufen, forderte der Organisator. Torsten Albig bemerkte dazu, sich in dieser Frage mit Landwirtschaftsminister Robert Habeck ins Benehmen zu setzen und nach einer Lösung des Problems zu suchen.

Und dann stand schließlich noch eine besondere Preisverleihung an: Die Schleifischer ehrten Lieselotte Wiese aus Arnis mit der „Goldenen Reuse“, die ihr der Ministerpräsident überreichte. „Sie sind eine ganz besondere Frau“, lobte er die 82-Jährige. Die „Goldene Reuse“ verleihen die Fischer für den Einsatz beim Aalbesatz ebenso wie für den Erhalt der Kleinfischerei als Erwerbsberuf. Unter dem Beifall der Anwesenden nahm die Arnisserin diesen „Pokal“ in Empfang. In der Laudatio hieß es, dass sie sich fast ihr ganzes Leben für die Fischerei eingesetzt habe und zudem ehrenamtlich als Vertreterin der dänischen Minderheit in der Lokal- und Kreispolitik tätig war. Vor vier Jahren hat Wiese zudem mit einem Kochbuch die heimische Fischwelt und damit die regionale Küche einem größeren Kreis von Hobbyköchen nahe gebracht. Wie sehr Lieselotte Wiese der Fischerei verbunden sei, werde daran deutlich, dass sie unermüdlich Socken stricke und den Erlös für den Aalbesatz zur Verfügung stelle.

Wie wichtig das Aussetzen von Jungaalen ist, verdeutlichte die Arnisserin mit einer Geschichte aus ihrem Leben. Als junge Frau und mit einem Fischer verheiratet, sollte sie mittags gebratenen Aal auf den Tisch bringen. Da musste sie, die bis dahin nichts mit Fisch zu tun hatte, ihre Schwiegermutter fragen, wie man einem Aal die Haut abzieht. „Inzwischen kann ich das längst“, sagte sie. „Aber nun gibt es kaum noch Aale.“


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