Kappeln : Aal über Bord

Mit Schwung entlässt Wolfgang Brandhoff die drei Jahre alten Jungaale  in die Schlei.
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Mit Schwung entlässt Wolfgang Brandhoff die drei Jahre alten Jungaale in die Schlei.

Wolfgang Brandhoff setzt 20.000 Glasaale in der Schlei aus. Die Tiere kamen per Luftfracht aus England nach Deutschland.

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29. März 2014, 08:30 Uhr

„Der Aal gehört zur Schlei, wie der Schleswiger Dom zu Schleswig.“ Das ist das Motto, unter dem sich im Jahr 2010 sechs haupt- und nebenamtliche Schleifischer, ein Biologe und der Kappelner Kaufmann Frank Piotter zur Interessensgemeinschaft Schleifischer „Aal in Not“ mit dem Ziel zusammengefunden haben, den Aalbestand in der Schlei zu fördern.

Seitdem werden jährlich, in diesem Jahr bereits zum fünften Mal, Aale in der Schlei ausgesetzt. Im Jahr 2010 waren es insgesamt 33.000 sogenannte vorgestreckte Aale (je 10 Gramm) im Wert von 13.000 Euro, die in die Schlei entlassen wurden. In diesem Jahr wird die Zahl der ausgesetzten Aale auf 250.000 Aale im Gesamtwert von 38.000 Euro steigen. Geplant ist, 220.000 Glasaale und 32.000 vorgestreckte Aale in diesem Jahr in der Schlei auszusetzen. Der erste Besatz erfolgte jetzt in Kappeln. Die Aufgabe, die rund 20.000 Glasaale auszusetzen, über nahm Wolfgang Brandhoff, seit drei Jahren Pächter des Heringszaun.

Die weiteren Glasaale werden in Schleswig, Arnis und Maasholm ausgesetzt. Das Ganze erfolgte in einer konzertierten Aktion. Die Glasaale kamen aus einer englischen Brutanstalt. Sie wurden per Flugzeug, kiloweise in Styroporkisten verpackt und mit Eis gekühlt nach Deutschland gebracht und dann per Kurier zum Kappelner Fischereihafen und an die drei anderen Besatzstellen gebracht.

In Kappeln wurden die Glasaale schon von Wolfgang Brandhoff erwartet. Ausgesetzt wurden sie dann umgehend auf der Ellenberger Seite im Schilfgürtelbereich zwischen Marinewaffenschule und Jugendherberge. Grundlage des Aalbesatzes ist eine EU-Verordnung, die das Ziel hat, in Europa einen besseren Aalbestand aufzubauen. Und deshalb wird der Aalbesatz zu 60 Prozent aus EU- und Landesmitteln bezuschusst. Ferner beteiligen sich Angelsportvereine, Privatpersonen, Restaurants und auch Fischräuchereien als Sponsoren an dieser Aktion.

Jedes Land kann, so die EU-Verordnung, seinen eignen Weg zur Verbesserung des Aalbestandes gehen. Deshalb ist in Irland die Küstenfischerei auf Aal ganz verboten, in Dänemark dürfen lediglich die Hobby- und Nebenerwerbsfischerei auf Aal gehen. Der „deutsche Weg“ sieht vor, kleine Aale in großen Mengen auszusetzen. Alle Wege haben das eine Ziel, den Aalbestand zu verbessern. Sollte das nicht klappen, droht der Aalfischerei das Aus. Erste positive Ergebnisse liegen bereits vor. Es werden bereits schon jetzt mehr kleine Aale als in den Jahren zuvor gefangen. Allerdings plädiert die Interessensgemeinschaft der Schleifischer dafür, die kleinen Aale nicht schon jetzt wegzufangen. Die Fischer möchten, künftig wieder „ordentliche Aalfänge“ haben. Deshalb wäre es gut, wenn ein Teil der ausgesetzten Aale aufwachsen und zum Sargasso-Meer zum Ablaichen ziehen kann, damit dann „von dort viele Aalbabys“ an die norddeutschen Küsten zurückkehren. Der Glasaal-Besatz im März in Schleswig, Arnis, Kappeln und Maasholm war der erste Teil der diesjährigen Besatzmaßnahme. Im August folgt der zweite Teil. Dann werden an den gleichen Orten 32 000 vorgestreckte Aal in die Schlei entlassen, damit auch nachfolgende Generationen Aale in der Schlei angeln oder fischen können.

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