Flutkatastrophe an der Ahr : Anpacken: Olaf Zimmermann fährt wieder als Helfer ins Hochwassergebiet

Schaufeln, Kabel, Sicherungen, Schrauben und Dübel: Thomas Lorenzen (li.) sowie Timo und Sahra Holst (r.) helfen Olaf Zimmermann, Sach- und Geldspenden für die überfluteten Gebiete in Westdeutschland zusammenzutragen.
Schaufeln, Kabel, Sicherungen, Schrauben und Dübel: Thomas Lorenzen (li.) sowie Timo und Sahra Holst (r.) helfen Olaf Zimmermann, Sach- und Geldspenden für die überfluteten Gebiete in Westdeutschland zusammenzutragen.

Die Menschen im Westen Deutschlands haben Angst, dass sie so wenige Wochen nach der Flutkatastrophe wieder in Vergessenheit geraten, denn die Spendenbereitschaft nimmt ab. Doch Hilfe wird weiterhin dringend gebraucht.

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17. August 2021, 17:20 Uhr

Kappeln/Altenahr | Als Olaf Zimmermann aus Scheggerott von der Hochwasserkatastrophe erfuhr, ließ es ihm keine Ruhe mehr. Er sammelte zusammen, was er an Werkzeug und Material finden konnte und machte sich an seinem 32. Geburtstag auf den Weg in die Gemeinde Altenahr. Viele freiwillige Helfer hatten sich dort eingefunden, organisierten sich selbst und packten mit an. Anderthalb Wochen blieb Zimmermann da, erlebte und sah unfassbare Dinge und wusste gleich, dass er wiederkommen würde.

Es gibt immer noch Vermisste und immer noch Abschnitte, an denen noch niemand war. Olaf Zimmermann, Helfer nach der Hochwasserkatastrophe

Weniger Berichte, weniger Spenden

Schon jetzt, nur wenige Wochen nach der Katastrophe, wird immer weniger berichtet. „Die Menschen haben Angst in Vergessenheit zu geraten. Die Spendenbereitschaft und die Hilfsaktionen nehmen jetzt schon ab, dabei wird es noch Monate, noch Jahre dauern, bis dort wieder etwas Normalität einkehren kann“, sagt er.

Viele Familien haben alles verloren.
Olaf Zimmermann
Viele Familien haben alles verloren.

Zimmermann steht im ständigen Kontakt zu Betroffenen und Helfern vor Ort. Er hat den Eindruck, dass von offiziellen Stellen der Eindruck vermittelt werden soll, dass im Krisengebiet inzwischen alles in geordneten Bahnen verlaufe. „Das ist nicht so. Es gibt immer noch Vermisste und immer noch Abschnitte, an denen noch niemand war.“

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Zimmermann sammelt alles, was auf dem Bau gebraucht wird

Am 16. September will der Verkehrstechniker für Schwertransporte wieder los. Er nimmt dafür Urlaub, bummelt Überstunden ab. Jetzt sammelt er Bautrockner und Stromverteiler, Hochdruckreiniger und Pumpen, Kabeltrommeln und lichtdurchlässige Baufolie, Dübel und Nägel, Dachlatten und Insektenschutzmittel. Auch Werkzeuge aller Art nimmt er gern mit. „Alles, was auf dem Bau gebraucht wird“, fasst Zimmermann zusammen, weist aber darauf hin, dass die Sachen voll funktionsfähig sein müssen.

Der Erlös und alle Spenden gehen direkt ins Krisengebiet. Thomas Lorenzen, Elo Gelting

Unterstützt wird er von Thomas Lorenzen, Firma Elo Gelting, der von Beginn an mitgesammelt hat. Er erinnert sich an das Hochwasser, mit dem Gelting von zehn Jahren zu kämpfen hatte. „Das war für uns schon schlimm, aber das ist ja gar kein Vergleich“, sagt er. Am 11. September lädt der Elo-Inhaber aus diesem Grund zu einer 10-Jahre-Hochwasser-Gelting-Party mit Bratwurst und Getränken ein. „Der Erlös und alle Spenden gehen direkt ins Krisengebiet“, so Lorenzen.

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Barspenden werden weiterhin gebraucht

Auch Timo und Sahra Holst, Firma Ostsee Hydraulik Kappeln, helfen dabei, möglichst viel Werkzeug und Material zusammenzutragen und ermutigen ihre Kunden, sich zu beteiligen. Holst würde auch einen Transporter zur Verfügung stellen, die Sammlung ist allerdings inzwischen so groß, dass das Helferteam sich die Unterstützung durch ein Transportunternehmen wünscht. Auch Barspenden werden nach wie vor gebraucht. Olaf Zimmermann: „Ich würde kurz vor Abfahrt Rücksprache halten, was unmittelbar fehlt und es hier noch besorgen.“

Eindrücke der Zerstörung in Altenahr.
Olaf Zimmermann
Eindrücke der Zerstörung in Altenahr.

Der Helfer fährt mit einem Freund und möchte weitere Freiwillige ermutigen. „Ohne die geht es nicht. Und es ist egal, ob man bei Oma Erna Wände abstemmt oder eine Baumaschine bedienen kann. Wer Zeit und Bock hat, fährt runter. Es muss alles am Laufen gehalten werden“, sagt er und empfiehlt Interessierten die Website pack-an.org.

Materialannahme und Spendenkonto

Gebraucht werden Bautrockner, Baustromverteiler, Heizgebläse, Stemmhämmer, Verlängerungskabel, Kabeltrommeln für Haus- und Starkstrom, lichtdurchlässige Baufolie als Fensterersatz, 80er-Torx, 80er Nägel, Dachlatten zum provisorischen Abdichten der Häuser, Arbeitshandschuhe, Schutzbrillen, Staubschutzmasken, Werkzeug wie Hämmer, Zangen, Sägen, Akkuschrauber, Schraubendreher, Bohrer, Insektenschutzmittel, Motor- und Hydrauliköle, Fette und Schläuche.
Die Liste wird auf der Facebook-Seite von Olaf Zimmermann ständig aktualisiert.
Abgabestellen für Sachspenden, Montag bis Freitag, 8 bis 16.30 Uhr:
ELO Elektro Lorenzen Gelting, Süderholm 3, Gelting und Ostsee Hydraulik GmbH, Mehlbydiek 52, Kappeln.
Geldspenden gehen an betterplace oder direkt an die Gemeinde Altenahr:
Kreissparkasse Ahrweiler, IBAN DE 45 5775 1310 0000 2000 30, BIC MALADE51Ahr; Betr. Katastrophenhilfe Altenahr
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