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„Aalutsetten in de Schlie“ : 50.000 Jungaale in der Schlei ausgesetzt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Kappelner Fischer haben gestern mit ihren Kollegen aus Schleswig, Arnis und Maasholm 50.000 junge Aale in der Schlei ausgesetzt.

Bei dem Projekt „Aalutsetten in de Schlie“ haben die Schleifischer gestern zwischen Schleswig und Maasholm nochmals 50.000 Jungaale ausgesetzt. Zusammen mit den 190.000 Tieren zu Jahresbeginn sind es knapp eine Viertel Million Jungaale, die der Schlei innerhalb eines Jahres zugeführt wurden. Das ist in der vierjährigen Geschichte dieser Maßnahme ein einsamer Rekord.

Weil sie den Kollaps bei den Aalbeständen in der Schlei befürchteten, gründeten die Fischer zwischen Schleswig und Maasholm die Aktion „Aalutsetten in de Schlie“ auf der Basis der „Initiative zur Rettung des europäischen Aals“. Im Rahmen dieses Besatz-Projektes wurden erstmalig 2010 gemeinsam mit den Angelsportvereinen Kappeln und Schleswig 33.000 Jungaale in der Schlei im Bereich Schleswig, Kappeln und Maasholm ausgesetzt. Finanziell gefördert wurde das „Aalutsetten in de Schlie“ – damals wie heute – durch die Fischereiabgabe des Landes Schleswig-Holstein und vom Fischereifonds der Europäischen Union.

Die Schleifischer beteiligen sich, wie deren Sprecher Olaf Jensen aus Kappeln erklärt, an dieser Besatz-Aktion aus zwei Gründen: „Wir möchten endlich mal wieder ordentliche Fänge haben. Und wir möchten, dass die Aale in der Schlei aufwachsen, zum Saragossameer ziehen, dort laichen und die Aalbabys dann wieder an unsere Küsten zurückkehren.“ Ziel ist, dass der Aal, der in seinem Bestand in den letzten 15 Jahren rapide abgenommen hat, wieder, wie der Hering, zum Brotfisch der Schleifischer wird.

Aber es sind nicht nur die Fischer und Angler, die dem Aal nachstellen. Probleme sehen die Fischer auch in den Kormoranen. Daher erwarten sie von der Politik die Schaffung eines „Runden Tisch Kormoran“, damit „das Massaker unter Wasser“ beendet wird. Auf der Schlei wurden bereits Schwärme von „mehreren Tausend Kormoranen“ beobachtet, gegen die die Jungaale, aber auch die Schleischnäpel und Zander keine Chance hätten, macht Olaf Jensen die Sorgen der Fischer öffentlich.

Seit der ersten Besatzmaßnahme im Jahre 2010 wurde die Aktion jährlich wiederholt, und jedes Mal mit deutlicher Steigerung. Die 50 000 Jungaale von gestern wurden in Schleswig, Missunde, Karschau, Kappeln und zuletzt Maasholm in die Schlei entlassen. Alle kamen von der Aalversandstelle in Halstenbek.

In Kappeln übernahm Wolfgang Brandhoff mit seinem Fischerkahn das Aussetzen. Vorsichtig ließ er alle Jungaale im Bereich des Schilfgürtels auf Ellenberger Seite ins Wasser. So sollten die Jungaale vor den Kormoranen geschützt werden. Das abschließende Aussetzen in Maasholm erfolgte mit sieben Fischerbooten.

Ursprünglich sollten in diesem Jahr nur 190.000 Aale ausgesetzt werden, erklärte Olaf Jensen nach Abschluss der Besatzmaßnahme. Aufgrund eines günstigeren Einkaufs und einem von 36.000 auf 38.000 Euro erhöhten Etat konnte der Besatz auf 240.000 aufgestockt und damit das Vorjahresergebnis um das Zweieinhalbfache überboten werden.

Nachdem der Leiter der Aalversandstelle des Deutschen Fischereiverbandes, Arne Koops, den zahlreichen Zuschauern und den Fernsehleuten die Besatzaale im Maasholmer Hafen präsentiert hatte, wurden sie auf verschiedene Schiffe verladen und mit Zuschauerbegleitung in die Schlei gesetzt. Bei der abschließenden Feier im ehemaligen Genossenschaftsgebäude in Maasholm begrüßte Olaf Jensen mit dem Sternekoch Dirk Luther vom „Alten Meierhof“ in Glücksburg einen besonderen Ehrengast. Luther übernahm die Aufgabe, den vor zwei Jahren gestifteten Wanderpokal, die „Goldene Reuse“, zum dritten Mal zu vergeben. Die Auszeichnung galt dem vor wenigen Wochen verstorbenen Fischermeister Harald Ross. Der Mit-Initiator des Aalbesatzes hatte sich im Bereich der Fischerei verdient gemacht und war über viele Jahrzehnte erster Ältermann der Holmer Fischerzunft. Den Wanderpokal überreichte Dirk Luther im Beisein der Witwe Susann Ross an den Sohn Jörn Ross. Mit diesem Preis soll Harald Ross für seinen Einsatz für den Aalbesatz und den Erhalt der gewerblichen lokalen Kleinfischerei posthum geehrt werden.

Susanne Ross nahm die Gelegenheit wahr, an die Arbeit ihres verstorbenen Ehemannes zu erinnern, der sein Leben verstärkt dem Überleben der Fischerei gewidmet hätte. Ross war es auch, der den Aalbesatz angeregt hatte. Wie sie erklärte, hatte ihr Ehemann sich stets geweigert, geehrt zu werden. Nicht aus Bescheidenheit, wie sie sagte, sondern aus Angst. Weil er glaubte, dass öffentlich Geehrte schnell sterben. „Vielleicht ärgert er sich jetzt“, so Susanne Ross. Für die Ehrung bedankte sie sich: „Der Pokal wird einen Ehrenplatz in unserem Haus finden.“ Und für den Sternekoch Dirk Luther hatten Susanne und Jörn Ross zwei geräucherte Aale mitgebracht.

Um ein erfolgreiches „Aalutsetten“ zu erreichen, wäre eine Erhöhung der Landeszuschüsse von derzeit 60 auf 80 Prozent wünschenswert. Denn eins ist sicher, so Olaf Jensen: „Der Aal gehört zur Schlei wie der Schleswiger Dom zu Schleswig.“

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