Kappeln : 37. Heringstage: Engagement fehlt

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Von Donnerstag bis Sonntag feiert Kappeln sein Stadtfest – aber: Etliche Attraktionen fallen wegen geringer Teilnehmerzahl aus.

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11. Mai 2015, 07:30 Uhr

Das wenig Erfreuliche gleich zu Beginn: Riesenrad, Bürgerwette, Sonderzug aus Kiel, frische Bratheringe am Fischereihafen, Kochwettbewerb – das alles wird es bei den diesjährigen Heringstagen nicht geben. Die Gründe sind vielfältig, reichen von Terminschwierigkeiten, über technische Probleme, bis hin zu fehlendem Engagement. Und vor allem der letzte Punkt macht Jürgen van Schöll, Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK) und Chef-Organisator der Heringstage, schwer zu schaffen. „Wenn Schausteller abspringen, kann ich auf einen gewachsenen Fundus zurückgreifen, um die Lücke angemessen zu schließen“, sagt er. Aber wenn die Menschen nicht wollen, ist van Schöll schlicht machtlos. „Es wird einfach vergessen, dass die Heringstage ein Fest von Bürgern für Bürger ist“, sagt er. „Stadtfest bedeutet, dass die Menschen dahinter stehen und Möglichkeiten ausloten, sich zu engagieren.“

Wie beispielsweise beim Loktrekken, das im vergangenen Jahr eine äußerst lebendige Wiederauferstehung feierte. Auch zu den 37. Heringstage, die wie üblich an Himmelfahrt starten, wird das Spektakel am Südhafen stattfinden, und es ist vereinzelt zu hören, dass die gemeldeten Teams eisern dafür trainieren. Erstmals haben sich zudem zwei Veranstalter aus Eckernförde und Winnemark eingeklinkt und einen Wettbewerb im Stand-up-Paddling auf die Beine gestellt. Gestartet wird in Arnis am Sonnabend um 14 Uhr. Die Teilnehmer legen rund fünf Kilometer auf der Schlei zurück, ehe sie am Sonnabendnachmittag auf der Bühne im Südhafen geehrt werden.

Ausgeweitet hat van Schöll – auch mit Hilfe von Sponsoren – das Kinderprogramm. Wie schon in den vergangenen Jahren baut die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde an allen vier Veranstaltungstagen ihr Spielmobil auf dem Deekelsenplatz auf, an Himmelfahrt wird außerdem der Clown Fidelidad auf dem Fahrrad unterwegs sein, um die Kinder zu unterhalten. Freitag und Sonnabend steht ein Kasper-Theater im Jöns-Hof auf dem Programm, am Donnerstag zudem das Kindermusical „Supersani & Autsch – Erste Hilfe“, das Kindern zwischen drei und zehn Jahren interaktiv das richtige Verhalten im Notfall nahe bringt. Sonnabendnachmittag gestaltet DJ Flo eine Kinder-Disco in der „Haifischbar“ (Parkhaus Prätorius), am Sonntag stehen ein Kinder-Flohmarkt mit Straßenmalerei auf dem Deekelsenplatz und zwei Auftritte des Kindermusikers „Grünschnabel“ im Jöns-Hof an – jede der Veranstaltungen ist kostenlos. Van Schöll ist dankbar für die Unterstützung und sagt: „Ich glaube, damit haben wir ein schönes Zugpferd.“

Premiere feiert ein besonderer Umzug: Am Sonntag marschieren ab 12.30 Uhr etliche Heringskönige und Heringsköniginnen aus vergangenen Jahren vom Rathaus durch die Stadt zur „Haifischbar“. Dort steht dann für alle Labskaus auf der Speisekarte. Derweil wird die Bimmelbahn nicht mehr als Shuttle zwischen dem Ellenberger Behelfsparkplatz und Hafen verkehren, sondern regulär zwischen Kappeln und Arnis fahren. Mit dabei ist wieder die Marine, die mit dem Minenjagdboot „Überherrn“ im Südhafen festmacht und an allen vier Tagen, genauso wie der Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“, zum „Open Ship“ bittet. Die insgesamt rund 90 Schausteller und Markthändler platzieren sich mit ihren Geschäften dieses Mal vom Südhafen nur bis zum Dehnthof – alles, was dahinter liegt sei, so van Schöll, der auch in diesem Jahr mehr als 65.000 Euro für die Heringstage ausgiebt, nicht attraktiv genug für die Standbetreiber.

Wer die Heringstage noch attraktiver machen möchte, kann sich übrigens noch anmelden fürs Loktrekken (info@preuss-optik.de) oder fürs Stand-up-Paddling (www.windyfun-Festivals.org). Vielleicht wird es dann doch noch ein bisschen mehr ein Fest von Bürgern für Bürger.

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