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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 18:05 Uhr

2015 könnte die erste Mühle stehen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Einwohnerversammlung zum Thema Windpark Rieseby / Experten der Vorhabenträger stehen mehr als drei Stunden Rede und Antwort

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 00:33 Uhr

Sie heißen Enercon E-126 und E-101. Die Windkraftanlagen (WKA) weisen eine Gesamthöhe von 198,5 Metern beziehungsweise 199,5 Metern auf. Ihre Rotorblätter haben einen Durchmesser von 127 Metern beziehungsweise 101 Metern. Vier Anlagen des Typs E-126 und zwei des Typs E-101 könnten schon in zwei Jahren im Windpark Rieseby ihre Rotorblätter drehen und rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen – das entspricht dem Energiebedarf von rund 26 000 Haushalten –, wenn die Bauleitplanung durch die Gemeinde inklusive aller Verfahrensschritte (wie Beteiligung der Behörden und Naturschutzverbände, öffentliche Auslegung, F-Plan- und B-Planänderung sowie Bauanträge der Vorhabenträger) ohne jegliche Beanstandung oder Einsprüche vonstatten geht.

Es handelt sich also um ein Großprojekt, das einen spürbaren Eingriff in die Landschaft Schwansens darstellt und das kürzlich rund 60 Bürger im „Riesby-Krog“ interessierte. Riesebys Bürgermeister Jens Kolls hatte zum Thema „Windparkvorhaben in Rieseby“ zur Einwohnerversammlung geladen. Nach der Bürgerbeteiligung am 3. Dezember war das die zweite Möglichkeit der Bürger, sich aktiv einzubringen.

Anwesend waren mit Paul-Heinrich Lamping der Investor des Teilbereichs 17.1 (eine Fläche von 76 Hektar für vier WKA des Typs Enercon E-126) von der Bürgerbeteiligung Saxtorf Wind Gmbh mit Sitz in Rieseby und der von ihr beauftragte Dienstleister, Ökotec Windenergie GmbH, mit Geschäftsführerin Caroline Libotte und Mitarbeiter Markus Rostan. Für den Teilbereich 17.2 (eine Fläche von 14,5 Hektar für zwei WKA des Typs Enercon E-101) der Firma Plan 8 mit Sitz in Eckernförde standen Projektleiter Dr. Hans-Jörg Markau und Rolf Ohlsen (Büroleiter) Rede und Antwort. Bauamtsleiter Norbert Jordan vertrat das Amt Schlei-Ostsee, das für die Gemeinde die Bauleitplanung innehat. Die Moderation übernahm Dr. Danuta Kneipp, Mitarbeiterin eines unabhängigen Unternehmens aus Berlin.

Grundsätzliche Aussage aller Experten: Weder für die Fauna, wie Groß- und Greifvögel oder Fledermäuse, noch für die Menschen werde es zu einer ernsthaften Gefährdung beziehungsweise Beeinträchtigung kommen. Die geforderten Abstände zur Wohnbebauung sowohl zu Ortslagen als auch zu Einzelhöfen würden eingehalten, so Hans-Jörg Markau (Plan 8). Selbst bei der Schallprognose, die das Bundes-Immissions-Schutzgesetz vorschreibt, seien die Werte normengerecht – auch in dem Gehöft in Holzdorf, Moorbrücke 1, das mit 602 Metern die geringste Distanz zu einer der WKA habe und das trotzdem den geforderten Nachtwert von 45,0 Dezibel mit 0,1 Dezibel unterschreite. Zum Vergleich: 35 Dezibel entspreche einer ruhigen Unterhaltung. Windgeräusche seien eher bei ruhigen Wetterlagen zu hören. „Wenn richtig Dampf ist, hören Sie gar nichts“, so Markau. Auf die zwischendurch gestellte Frage aus dem Plenum, ob schon eine Unterschrift geleistet worden sei, antwortete Bürgermeister Kolls: „Ich habe noch gar nichts unterschrieben. Auch mein Vorgänger nicht.“

Auch bei der Schattenprognose sind Immissionswerte einzuhalten. Es gelte, 30 Stunden pro Jahr oder 30 Minuten am Tag nicht zu überschreiten, um gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Schlagschatten zu vermeiden. „Tatsächlich dürfen es real nur acht Stunden pro Jahr sein“, so Markau. Seine Prognose habe ergeben, dass aufgrund ihres Standorts folgende Gehöfte diesen Wert überschreiten: In Holzdorf sind dies Poppenhörn 1 (1 Stunde Schlagschatten/Tag), Wettstein 1 (knapp eindreiviertel Stunden), Vierländer 1 (gut eineinhalb Stunden), Liebesallee 1a (57 Minuten), Moorbrücke 1 (58 Minuten), Moorbrücke 2 (47 Minuten), in Loose Schwansenstraße 97 (34 Minuten) und in Rieseby Gut Saxtorf (42 Minuten). In diesen Fällen sei eine Abschaltautomatik der WKA erforderlich, die für eine Begrenzung der Immission Schlagschatten sorgt.

Hinsichtlich der Nachtbefeuerung werde es eine Synchronisation aller Anlagen in Schwansen geben, also auch in Loose, Waabs und Holzdorf, um das menschliche Auge zu schonen, so die Experten. Eine Stunde standen sie Rede und Antwort. Kolls forderte alle Anwesenden auf, auch in Zukunft Fragen zu stellen.

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