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Junge-Leute-Gilde Maasholm : 14 „Jungfrauen“ für 15 Gildebrüder

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die „Maasholmer Lustigkeit“ läuft streng nach traditionellen Regeln ab.

Die „Maasholmer Lustigkeit“ stammt aus der Zeit, als Maasholm noch ein Ort der Fischer und Seefahrer war. Dieses Fest, das auch heute noch, da sich Maasholm längst zum Parade-Urlaubsort entwickelt hat, unter großer Anteilnahme der Bevölkerung im Gildelokal „Restaurant Schunta“ jährlich gefeiert wird, diente einstmals dazu, den Seefahrern vor Antritt ihrer großen Fahrt im neuen Jahr die Chance zu geben, die Frau fürs Leben zu finden. Dieser Leitgedanke ist inzwischen nicht mehr Motivation für das Fest. Es wird veranstaltet, weil sich die Junge-Leute-Gilde zu Maasholm von 1757 heute immer noch der Tradition verpflichtet fühlt. Und darum läuft die Veranstaltung immer nach althergebrachten Regeln ab.

Dazu zählt auch, dass die „Jungfrauen“ des Ortes – die zuvor eingeladen worden waren – zum Ball (also zur „Lustigkeit“) von zu Hause abgeholt werden. Diese Aufgabe übernahm der Maasholmer Spielmannszug unter Leitung von Lars Braack. Ihnen folgten die Gildebrüder in schickem „Schapptüch“, schließlich wollten sie ja bei den Damen einen guten Eindruck machen. Bei ihrem musikalischen Ummarsch sammelten sie die bereits – trotz Wind und Kälte – am Straßenrand wartenden „Jungfrauen“ ein. Und die jungen Männer waren dabei nicht ganz erfolglos. Immerhin konnten sie 14 junge Damen für die Teilnahme gewinnen, denen 15 Gildebrüder als Tänzer zur Verfügung standen. Im Geleitzug wurden die „Jungfrauen“ zum Gildelokal gebracht. Dort durften sie auf den am Rand der Tanzfläche aufgestellten Stühlen Platz nehmen und darauf warten, dass sie von den Gildebrüdern zum Tanz aufgefordert wurden. Bevor der Reihentanz eröffnet wurde, hatten die Gildebrüder noch eine Aufgabe zu erfüllen. Sie holten die am Morgen aufgezogene Gildeflagge ein. Das war das Signal, dass die „Maasholmer Lustigkeit“ eröffnet und mit dem Tanz begonnen werden konnte.

Da aber 14 „Jungfrauen“ 15 Gildebrüder gegenüber standen, bedeutete dies, dass nicht alle Gildebrüder gleichzeitig eingesetzt werden konnten. Darum wurde zunächst im „Himmel“, dem Gilderaum im Gildelokal, unter Ausschluss der Öffentlichkeit ermittelt, wer und wann man zum Tanzeinsatz bereitzustehen hatte. Der „Himmel“ war auch der Ort, in den sich die Gildebrüder nach dem Tanz wieder zurückziehen konnten. Dort standen für sie die stärkenden Getränke bereit.

Der Reihentanz ist eine Besonderheit der „Maasholmer Lustigkeit“. Tanzen dürfen nur die geladenen „Jungfrauen“ mit den jeweils vorher ausgewählten Gildebrüdern. Dabei müssen die Damen auf Stühlen sitzend warten, bis die Gildebrüder sie zum Tanz auffordern. Die Tänzer wanderten artig in Reihe an den Damen vorbei und forderten sie zum Tanz auf. Das Ganze wurde von den vielen Lokalbesuchern und -gästen verfolgt. Allerdings: Mittanzen durften sie als Zuschauer nicht.

Wie immer war der erste Tanz, der Ehrentanz, den beiden Ältermännern vorbehalten. Beide hatten dafür gesorgt, dass die Dame ihres Herzens an der „Maasholmer Lustigkeit“ teilnahm. Somit konnten der erste Ältermann Helge Hartmann mit Veronique Mischke und sein Stellvertreter Tim Andresen mit der noch nicht verwandten, wie er betonte, Nele Andresen den Ball eröffnen. Anschließend durften dann auch die übrigen Gildebrüder auf die Tanzfläche, jedes Mal in geänderter Besetzung. Für die passende Musik sorgte „DJ Wolle“ (Wolfgang Szillat) vom „DJ Service Schleswig-Holstein“ aus Freienwill.

Der erste Teil der Veranstaltung endete um 19 Uhr mit der Abendbrot-Pause für eine Stunde. Da konnten sich die Gildebrüder für den Rest der Nacht stärken. Ab 20 Uhr ging es dann weiter bis in den frühen Morgen. Ob am Ende eine Landratte oder ein Seemann die Frau seines Lebens gefunden hatte, ist nicht bekannt. Aber das stellt sich ohnehin meist später heraus. Eines aber wurde ganz deutlich: Der Gilde und dem Ort Maasholm fehlen junge Leute. Allein mit dem Hinweis auf die Tradition einer Veranstaltung lässt sich ein derartiges Fest wohl auf Dauer nicht halten.

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