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Schlei-Bote

13. Dezember 2017 | 10:44 Uhr

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

von
erstellt am 28.Feb.2014 | 20:02 Uhr

„Bewegung ist das A und O bei Parkinson“, sagt Bernd Carstens. Seit 2002 ist seine Parkinson-Erkrankung erkannt. Neben den richtig dosierten Medikamenten baut der Karbyer vor allem auf Physiotherapie. Über aktuelle Behandlungsmöglichkeiten und Übungen informierten sich diese Woche je sieben Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfegruppen Kappeln und Eckernförde bei einem Workshop an der Helios Physiotherapieschule (PT) Damp.

„Der Workshop ist für viele der Höhepunkt im ganzen Jahr“, sagt Astrid Carstens, die ihren Mann selbstverständlich begleitet. Denn neben Tipps und Übungen für die Patienten, deren Krankenstand sehr unterschiedlich ist, finden die Angehörigen auch Alltagstipps und Hilfen, berichtet Simon Schweder, stellvertretender Schulleiter.

Bevor die 28 PT-Schüler aber in Zweiergruppen zunächst die Befunde der Parkinsonpatienten aufnehmen, führte Professor Karsten Schepelmann vom Helios Klinikum Schleswig in das Thema ein. „Wirklich Neues gibt es auf dem Feld nicht“, stellte Jürgen Kunze, Landesbeauftragter Schleswig-Holstein der Deutschen Parkinson Vereinigung fest, aber der Vortrag sei sehr verständlich gewesen. Der Verband und die Selbsthilfegruppen wollen die Parkinsonerkrankten ermuntern, sich zu öffnen, und sich nicht zuhause zu verkriechen, wie Bernd Carstens erläuterte. Der Bundesverband hat etwa 23 000 Mitglieder, die Zahl der Erkrankten werde aber auf 300 000 bis 400 000 geschätzt, so Kunze. Und der Bedarf an Behandlungsmöglichkeiten wird steigen, die Krankheit werde sich weiter ausbreiten, so die Befürchtungen. Zugleich wollen sie die Öffentlichkeit aufklären über die Krankheit und den Betroffenen Mut machen.

Für die 14 Parkinsonpatienten sei die Teilnahme an dem Workshop eine große Chance, unter fachkundiger Anleitung der PT-Schüler speziell für sie geeignete Übungen kennen zu lernen und zu machen, so Carstens. „Nach der Aufnahme entwickeln wir einen Übungsplan“, berichteten die PT-Schülerinnen Heinke Lauritzen und Deborah Schnurbus. Ihnen gegenüber saß Johanna Althaus, die über ihren Krankheitsverlauf berichtete. „Das ist gut für beide Seiten“, sagte sie und freute sich schon auf die Übungen.

Mit denen hatte Bernd Carstens schon begonnen. Gemeinsam mit PT-Schülerin Alina Küsel trainierte er seine Arm- und Rückenmuskulatur. Für Lehrer Simon Schweder ist die Kombination von Lehre und Praxis eine sehr gute Ergänzung zur Ausbildung der Physiotherapeuten. Für die Schüler sei es sehr hilfreich mit Patienten zu arbeiten und so Erfahrungen zu sammeln. Und auch Schulleiterin Ingeborg Holla-Dettmer ist sehr froh über die nun schon vierte Veranstaltung dieser Art im vierten Jahr mit den Selbsthilfegruppen. Im kommenden Jahr werde der Workshop sicher wieder statt finden, dann mit neuen PT-Schülern. Für die Ausbildung mit und ohne FH-Studium können sich Interessierte noch bei der Schule in Damp bewerben.

Bernd Carstens ist mit der Resonanz auf den Workshop sehr zufrieden. Und er wird weiter Werbung machen, damit sich Parkinson-Erkrankte und ihre Angehörigen den Gruppen anschließen und dadurch etwas für sich tun können. Durch Bewegung und Medikamente könne die Erkrankung zwar nicht gestoppt werden, aber sie verlaufe sehr viel schleichender und langsamer, das hätten auch Auswertungen von Studien ergeben, so Schweder. Eine vergleichbare enge Verknüpfung zwischen Lehre und Patient könne er sich auch für an Multiple Sklerose erkrankte Patienten vorstellen. So weit sei man aber noch nicht, räumte Schweder ein.


>Die Selbsthilfegruppe Eckernförde (19 Mitglieder) trifft sich jeden zweiten Mittwoch im Monat von 15 bis 17 Uhr im Familienzentrum im Saxtorfer Weg, die Gruppe Kappeln (31 Mitglieder trifft sich jeden letzten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr im Christophorus Haus Kappeln. Die Leitung hat Bernd Carstens, Telefon: 0 46 44 / 97 07 69.


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