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Schilder-Panne: Die Tunnelsperrung wurde zur Falle für auswärtige Lkw-Fahrer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 00:33 Uhr

„Alles entspannt“ – so hatte die Einsatzleitstelle der Polizei in Kiel die Situation während der Vollsperrung des Kanaltunnels am späten Sonnabend beschrieben. Glaubt man Anwohnern, stellt sich die Lage ganz anders dar. Demnach kam es vor allem südlich des Kanals zu teilweise abenteuerlichen Szenen. Hauptgrund: Die dreistündige Vollsperrung war zwar über Presse und Rundfunk angekündigt worden. Entlang der Strecke und vor allem am Autobahnkreuz Rendsburg im Zuge der A7 fehlten jedoch jegliche Hinweise. Dadurch gerieten Lkw-Fahrer, die von der Sperrung nichts wussten, förmlich in eine Sackgasse und irrten auf der Suche nach Parkraum oder einem Ausweg aus dem Schlamassel durch Rendsburg-Süd sowie Teile von Oster- und Westerrönfeld.

Ein Augenzeuge berichtete von Männern der Kanalverwaltung, die mit Unterstützung der Polizei das Aufstellen der Absperr-Baken erledigt hatten und sich anschließend in ihrem Fahrzeug einschlossen – aus Angst, zur Zielscheibe wütender Lkw-Fahrer zu werden.

B 77-Anwohnerin Anne Happach aus Westerrönfeld erlebte mit eigenen Augen, wie sich 40-Tonner mit Einbruch der Dunkelheit in Westerrönfeld verzettelten. „Von uns gibt es für die zuständigen Behörden inklusive Polizei für die Koordination eine glatte Sechs“, sagte sie. „Bei der nächsten nächtlichen Sperrung tun uns die Kraftfahrer schon jetzt leid.“ Wie könne eine Behörde nur so mit Kraftfahrern umgehen, vor allem mit ortsunkundigen und ausländischen, fragt Anne Happach.

Nachfrage bei Günter Wischnewski, der für die technische Umsetzung der Tunnelsperrung verantwortlich war. Der Leiter der Verkehrsaufsicht des Kreises suchte gestern gar nicht erst nach Ausreden: „Das lief nicht optimal, dazu stehe ich“, sagte er. Die Zeit zwischen Bekanntgabe der Sperrung am Donnerstagnachmittag und Sonnabend, 21.30 Uhr, habe einfach nicht gereicht, eine weiträumige Ausschilderung zu organisieren. „Das haben wir nicht mehr geschafft.“

Auf Grundlage der Mess-Ergebnisse vom Sonnabend prüfen Statiker in dieser Woche, ob der Kanaltunnel zeitweise für Schwertransporte freigegeben werden kann. Eine Entscheidung wird voraussichtlich heute verkündet.

Landrat Rolf-Oliver Schwemer hatte sich für diese Lösung im Verkehrsministerium eingesetzt und hatte dabei vor allem den Rendsburg Port im Blick. Dort liegen tonnenschwere Bauteile für Windkrafttürme, die für Abnehmer in Dänemark bestimmt sind und die schwer beschädigte Rader Hochbrücke frühestens im November wieder passieren dürfen.

Und warum werden die Türme nicht über den Seeweg weiter in den Norden transportiert? „Diese Möglichkeit ist erörtert und als zu zeitraubend verworfen worden“, sagte Ministeriums-Sprecher Harald Haase. Mit der Prüfung des Transports durch den Kanaltunnel habe man im Übrigen dem Wunsch des Kreises entsprochen.

Geben die Statiker dafür grünes Licht, könnten auf die Region mehr Schwertransporte zukommen als zunächst gedacht. Grundsätzlich muss nämlich jeder Transport mit Überbreite, der beantragt und durch das Verkehrsministerium genehmigt wurde, durch den Rendsburger Kanaltunnel gelassen werden. Exklusive Durchfahrten für Rendsburg-Port-Frachten erlaubt das Bundesrecht nicht. Konsequenz könnte sein, dass viele Rendsburger und Büdelsdorfer auch nachts die Nebenwirkungen der Hochbrücken-Teilsperrung zu spüren bekommen. Denn weil die Brücke über die Eider im Zuge der B77 ebenfalls marode und nur für Lasten bis 40 Tonnen freigegeben ist, werden alle schwereren XXL-Laster ab der Abfahrt Rendsburg-Mitte durch das Stadtgebiet auf die A7 geleitet. Erste Überlegungen bei der Verkehrsaufsicht gehen dorthin, dreimal die Woche ein halbstündiges Zeitfenster kurz vor Mitternacht zu öffnen. Dann sollen die Riesen-Trucks im Konvoi durch den Tunnel geführt werden. Am Rendsburg Port soll es einen Sammelplatz geben.

Alle übrigen Lkw-Fahrer müssten auf der B202 oder B77 anhalten, den Motor abschalten und sich gedulden.

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