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Trödel-Profi aus Schenefeld : Zuhause in staubigen Kellern

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Weil der frühere Bauschlosser und Bürokaufmann Maik Meschke arbeitslos wurde, handelt er heute in Schenefeld mit dem, was andere nicht mehr brauchen oder wollen.

shz.de von
erstellt am 15.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Wie bekommt man ein geschultes Auge? Bei ebay? Auf Auktionen? Wie lernt man es, Preise – sowohl für den An- wie auch für den Verkauf - richtig zu taxieren? Zumal, wenn es sich um sogenannten „Trödel“ handelt. Indem man sich jahrelang, Wochenende für Wochenende, auf Flohmärkten umsieht – einfach so zum Spaß – später eigene Stände aufbaut – und dann plötzlich arbeitslos wird.

Maik Meschke ist gelernter Bauschlosser und musste aus körperlichen Gründen umschulen. Er wurde Bürokaufmann. Und dann stand er mit der betriebsbedingten Kündigung in der Hand plötzlich vor der Frage: Hartz IV oder lieber ins kalte Wasser springen, in die Selbstständigkeit? Er hat den Sprung gewagt und ergriff in Schenefeld „Die Gelegenheit“, wie sein kleines Ladenlokal an der Altonaer Chaussee doppeldeutig heißt. Zehn Jahre ist das jetzt her. Und Meschke sieht nicht so aus, als hätte einen einzigen Tag gehungert.

Spätestens seit der RTL 2-Kultsendung „Der Trödeltrupp – das Geld liegt im Keller“, in der Meschke bereits mehrfach mitmischte, wissen wir, dass man tatsächlich mit dem, was andere über Dekaden in Kellern und auf Dachböden verstauben lassen, ein gutes Einkommen sichern kann.

„Wir machen alles, auch Entrümpelungen“

Deswegen sagt Meschke jetzt. „Wir machen alles, auch ganze Entrümpelungen.“ Bevor er sich aber um derart große Dinge wie eine Lkw-Fuhre von einem staubigem Dachboden kümmern kann, betritt ein älterer Herr mit Baseball-Käppi den Laden, tritt schnurstracks auf Meschke zu und fragt forsch: „Alte Kaffeekanne, Meissen?“ Da ist Meschke, der als waschechter Hanseat sehr gern Sprüche klopft, augenblicklich in seinem Element: „Können Sie Ihr Begehren für mich nochmals in einem vollständigen Satz kleiden, junger Mann?“ Der Nippes-Experte wartet den zweiten Versuch des kernigen, aber sprachlosen Seninors gar nicht mehr ab, sondern stiefelt direkt mit den Worten „Da habe ich etwas für Sie, junger Mann“ nach hinten zu einer Vitrine. Und spricht: „Das Service hier gebe ich nur im Ganzen ab, aber diese Kanne, das Meissner Einzelstück, können Sie haben, für – sagen wir – 189 Euro.“

Wenig später wühlt der jetzt nicht mehr ganz so forsche Interessent in den DVD’s für fünf Euro. Die kostbare Kanne? Kein Thema mehr. „Alles hat seinen Preis“, erklärt Meschke, „entscheidend ist, was auf der Unterseite steht, die Marke – eben alles, was Rang und Namen hat. Der Rest liegt herum wie Blei. Das kaufe ich auch nicht mehr an.“ Bei den Schreibgeräten hätte Mont Blanc die Nase vorn, bei den Uhren beispielsweise Omega, bei den Bestecken WMF.

Und die Kundschaft? Was sind das für Leute, die ihn anrufen, oder die zu ihm und seiner Frau in den Laden kommen? „Querbeet“, sagt Nicole Meschke, die seit ebenso langer Zeit hinter dem Tresen steht wie ihr Mann, das Suchen und Findden – beispielsweise auf Auktionen in Hamburg – jedoch ihm überlässt. „Wir haben schon Millionäre hier gehabt, die ihren goldenen Füller verkauft haben, weil er nicht mehr schrieb und ebenso Leute, denen man anmerkte, dass der Verkauf der Uhr zum Monatsende dazu diente, etwas in den Magen zu bekommen“, so die Expertin, während sie die DeLonghi-Espressomaschine mit frischen Wasser füttert. Leckeren Kaffee bekommt hier nämlich nebst Schokolade jeder, der das möchte. Kostenlos, natürlich. „Wir begrüßen alle, wie wir begrüßt werden möchten. Also freundlich“, erklärt sie die einfache, aber doch beeindruckende Geschäftsphilosophie.

Manchmal kommen ganze Busladungen

Und das mit immer gleich bleibender guter Laune, wie sie versichert. „Mal kommen drei Kunden am Tag, manchmal fragen wir uns aber auch, wer die ganzen Busse organisiert hat, die Ladungen mit Interessenten auspucken, obwohl gar keine Busse da sind.“ Was die Unternehmerin damit sagen will: Mal ist es voll, mal nicht. Das spiele aber eben gar keine Rolle, weil am Ende des Monats zähle, was in der Kasse sei. Und das habe noch nie Anlass zur Sorge gegeben.

Gehandelt wird bei den Meschkes übrigens gar nicht so häufig wie es nahezuliegen scheint. Die meisten würden den Laden mit genauen Vorstellungen betreten. „Manche mögen das, manche nicht“, sagt Maik Meschke – und setzt sein breites Grinsen auf.

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