Vodafone: Netzausbau in Pinneberg und Schenfeld : Zu langsames Internet: Verbraucherschützerin gibt Tipps

Glasfaserkabel laufen an einem Verteilerpunkt zusammen. In Schenefeld profitiert nicht jeder von der schnellen Verbindung.
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Glasfaserkabel laufen an einem Verteilerpunkt zusammen. In Schenefeld profitiert nicht jeder von der schnellen Verbindung.

Verbraucherschützerin rät unter anderem zu regelmäßigen Speed-Tests, um die Geschwindigkeit zu dokumentieren.

shz.de von
22. März 2018, 13:15 Uhr

Schenefeld/Pinneberg | Probleme mit dem Internet hat nicht nur Dennis Tscherwitschka, der shz.de kürzlich von der langsamen Verbindung mit Vodafone im Schenefelder Dorf berichtet hat. Tagsüber hat er noch 100 Mbit pro Sekunde zur Verfügung. Doch am Nachmittag und Abend, wenn mehr Menschen zu Hause sind, sinkt das Datenvolumen auf unter zehn Mbit pro Sekunde, sagt Tscherwitschka. Vodafone bestätigte die Probleme für Schenefeld und Pinneberg und versprach einen Netzausbau bis Mai.

Viele Nutzer meldeten sich nach unserer Berichterstattung bei der Facebookgruppe „Breitbandausbau Schenefeld“ an. Mehr als 400 Mitglieder sind dort nun aktiv, veröffentlichen das Ergebnis ihres Speed-Tests und tauschen sich aus. Sie berichten von ähnlichen Problemen wie Tscherwitschka. Auch ein Treffen, um die Situation zu verbessern, ist geplant. Wie Verbraucher sich am besten verhalten, weiß Julia Buchweitz. Sie ist Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Beim Anbieter informieren

Sie rät, sich vor Vertragsschluss bei dem Anbieter zu informieren, welche Geschwindigkeit an der eigenen Adresse erreicht wird. Laut der Telekommunikations-Transparenzverordnung, die bereits sein Juni 2017 gilt, seien die Unternehmen verpflichtet, ihren Kunden so genannte Produktinformationsblätter auszuhändigen, so Buchweitz. Darin muss auch darüber informiert werden, mit welchen Up- und Downloadgeschwindigkeiten Kunden realistisch rechnen können. „Nach diesen Produktinformationsblättern sollten Verbraucher explizit fragen, wenn sie sie nicht unaufgefordert ausgehändigt bekommen“, erläutert Buchweitz.

Speedtests durchführen

Ist der Vertrag schon geschlossen und man hat die Vermutung, dass der Internetzugang nicht über die vereinbarte Geschwindigkeit verfügt, sollte ein Speedtest durchgeführt werden. Es empfiehlt sich, diesen zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Tagen zu machen und alle Ergebnisse zu protokollieren. Mit dem Ergebnis könne man sich dann an den Anbieter wenden. „Wird die vertraglich vereinbarte Geschwindigkeit nicht erreicht, sollte der Anbieter zur Nachbesserung aufgefordert werden“, sagt Buchweitz. Ist diese Geschwindigkeit an dem Standort unmöglich, sei ein Tarifwechsel erforderlich. Auch ein Sonderkündigungsrecht greife in diesem Fall. Darüber hinaus kann man für den Zeitraum, in dem man für die höhere Geschwindigkeit gezahlt, diese aber nicht erhalten hat, eine entsprechende Rückforderung geltend machen.

Die Schenfelder Parteien haben derweil unterschiedliche Konzepte, um die Internetversorgung zu verbessern:

CDU

Die CDU schlägt  zunächst eine Bestandsaufnahme vor. „Die Versorgung ist sehr unterschiedlich“, sagt CDU-Pressesprecher Tobias Löffler. Er befürwortet, einen eigenen Ausschuss ins Leben zu rufen, „damit das Thema den Stellenwert bekommt, den es haben sollte“, so Löffler. Zudem will die CDU bei der Verwaltung „Druck machen“. Die Stadt könne beispielsweise flächendeckend darüber informieren, dass die Gemeindewerke Halstenbek den Breitbandausbau vorantreiben wollen. Löffler kann sich auch eine Anschubfinanzierung der Stadt vorstellen, um das „Henne-Ei-Problem“ zu lösen. Auf die Gründung der Stadtwerke will die CDU nicht warten. „Bis dahin ist es zu spät“, so Löffler.

SPD

Aus Sicht von Niels Wieruch, Fraktionsvorsitzender der SPD, liegt  die Versorgung in den Händen der entsprechenden Anbietern. Diese würden ein  Angebot nur dann unterbreiten, wenn es sich für sie rechnet. „Ich kann mir vorstellen, dass eigene kommunale Stadtwerke diese Dienstleistung in ihrem Leistungskatalog anbieten werden“, führt Wieruch aus. „Aber weder die Stadt noch die Schenefelder Politik kann hier Anbieter zu höheren Leistungen verpflichten oder städtische Mittel zur Subventionierung einsetzen“, glaubt der SPD-Chef.

Grüne

Aus Sicht der  Grünen müsste die Bundesregierung Anreize für den flächendeckenden Ausbau der Glasfasernetze bieten. „Aus unserer Sicht haben wir kommunal nur über eigene oder kooperative Stadtwerke ein realistisches Instrument für den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur“, sagt Fraktionschef Mathias Schmitz (Grüne).  „Genau aus diesem Grunde ist Halstenbek sehr viel besser dran. Nur so können wir entscheiden, in welcher Qualität dieses wichtige Infrastrukturangebot verfügbar sein wird“, so Schmitz.  Allerdings werde der  Antrag für eine Machbarkeitsstudie für Stadtwerke „derzeit verschleppt“. Es gebe keine  gesicherte Mehrheit für die Gründung von Stadtwerken in Kooperation mit einem geeigneten Partner.

BfB

Auch Manfred Pfitzner, Fraktionschef der BfB,  liegt das Thema Internet sehr am Herzen. „Wir haben  kurzfristig eine AG gegründet. Ziel soll es sein, sich mit verschiedenen Anbietern in Verbindung zu setzen, Angebote einzuholen, zu vergleichen und für Schenefeld das beste und günstigste Modell auszuloten“, führt Pfitzner aus. „Auch aktuelle Probleme, dass versprochene Geschwindigkeiten nicht geliefert werden und die Behebung der Fehler, werden von uns in der AG recherchiert. Wir setzen uns für eine intensive Aufklärung der Schenefelder Bürger über die Vorteile  und der Verfügbarkeit eines Breitbandanschlusses ein, um zu erreichen, dass möglichst viele Haushalte einen Anschluss beantragen.“

OfS

Jörg Evers, Fraktionsvorsitzender der OfS, will der Unzufriedenheit mit dem Netz „schnell entgegentreten“.  Zuständig sei  in Schenefeld der Ausschuss für Energie, Wasser und Abwasser. Dort solle die Politik  Gespräche mit den Netzbetreibern aufnehmen, mit dem Ziel, die Schwachstellen zu finden und zu beseitigen. „Jedem Bürger der Stadt Schenefeld muss ein vernünftiger Zugang zur digitalen Welt möglich sein. Hierfür werden wir uns einsetzen“, so Evers.

 
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