Integration in Schenfeld : Zu Besuch in der Kleiderkammer Schenefeld

Ursula Auersch (links) und Roswitha Jürgensen freuen sich über die gut gefüllten Regale in der Kleiderkammer.
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Ursula Auersch (links) und Roswitha Jürgensen freuen sich über die gut gefüllten Regale in der Kleiderkammer.

Die Kammer des DRK in Schenefeld wird viel genutzt. Leiterin Roswitha Jürgensen und ihr Team kümmern sich um Bedürftige.

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11. April 2018, 15:00 Uhr

Schenefeld | Bedürftige Menschen kamen im Zuge der Flüchtlingswelle nur mit der Kleidung an, die sie auf dem Leibe trugen. Roswitha Jürgensen und ihre weiteren elf ehrenamtlichen Mitarbeiter sahen deshalb Bedarf, eine Kleiderkammer in Schenefeld zu eröffnen. Schnell wurde sie zu einem Ort der Kommunikation.

Leiterin Jürgensen hat sich von Anfang an für die Integration in Schenefeld engagiert. Als die ersten Flüchtlinge kamen, wirkte sie bereits im Willkommenscafé im Juks mit. „Die meisten Menschen hatten damals nichts dabei, außer der Kleidung, die sie trugen“, erinnert sich die Schenefelderin. Mit weiteren ehrenamtlichen Helfern suchte sie einen Träger, um eine Kleiderkammer eröffnen zu können. Die Helfer fanden diesen nach intensiven Bemühungen im Deutschen Roten Kreuz (DRK). „Wir sind froh, dass uns das DRK die Räume kostenlos zur Verfügung stellt. Ohne diese Unterstützung hätten wir das Vorhaben nicht auf die Beine gestellt“, sagt Jürgensen. Die Spenden können inzwischen direkt bei der Kleiderkammer an der Altonaer Chaussee 24 abgegeben werden.

200 Menschen nutzen das Angebot

Was die Schenefelder nicht benötigen, spenden sie an weitere Einrichtungen im Umkreis. Etwa 200 Bedürftige nutzen das Angebot. Die Kunden erhalten eine große Tüte für zwei Euro und eine kleine Tüte für einen Euro ausgehändigt, die sie für diesen Preis befüllen dürfen. „Vor allem Eltern mit Kindern nutzen diese Chance häufig“, berichtet Jürgensen. Beliebt sei zudem die Weihnachtspaket-Aktion der Einrichtung.

Jürgensens Team unterstützt Flüchtlinge auch im Alltag. Die zwölf Ehrenamtler helfen den Geflüchteten unter anderem bei Problemen mit Behördenschreiben. Jürgensen unterrichtet zwei junge Männer bei der Vorbereitung ihrer Prüfungen. Mit ihrem Netzwerk ist es der Schenefelderin gelungen, ihnen einen Ausbildungsplatz zum Elektriker sowie zum Elektroniker zu besorgen. „Viele Geflüchtete haben Biss“, weiß Jürgensen. Der Kontakt ist eng. Einer der von ihr betreuten Neuankömmlinge feierte gemeinsam mit ihrer Familie Weihnachten.

Die Kleiderkammer ist ein Ort der Kommunikation. Geflüchtete berichten in der Einrichtung beispielsweise von ihren Sorgen bei der Wohnungssuche. „Das größte Problem ist es nach wie vor, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, weiß Jürgensen. Sechs Syrer befinden sich ebenfalls im Helferteam. „Sie sind engagiert“, berichtet sie. „Wir sind insgesamt ein tolles Team“, bilanziert Jürgensen. Alle in der Kleiderkammer hätten sehr viel Spaß.

Ansturm gelegt

Was die Einrichtungsentwicklung betrifft, hat sich der erste Ansturm gelegt. Zwischen 30 und 40 Personen schauen jede Woche vorbei. „Leider sind es immer noch zu wenig Deutsche. Sie nehmen insgesamt einen Anteil von zehn Prozent ein“, berichtet Jürgensen. Die Kleiderkammer sei aber immer gut besucht und stelle eine Bereicherung für Schenefeld dar. Die Ehrenamtler bieten auf einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern Kinderkleidung, Koffer, Spiele, Geschirr und kleine Elektrogeräte an. Viel Unterstützung in Form von Spenden erhält die Kleiderkammer vom Verein „Glücksgriff“.

Jeder der zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiter setzt sich in anderen Bereichen wie im Willkommenscafé ein, damit die Integration in der Düpenaustadt gelingt. „Wir machen alle gute Erfahrungen mit geflüchteten Menschen und geben diese weiter an Bekannte und Freunde“, erläutert die Ehrenamtlerin. Denn es bestünden bei den hier lebenden Bürgern immer noch viele Berührungsängste.

Die Kleiderkammer hat immer donnerstags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Die Helfer nehmen Spenden donnerstags von 16 bis 18 Uhr entgegen.

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