Neuer Röntgenlaser : XFEL in Schenefeld: Der Laser der Superlative

Von der Elbphilharmonie wurde gestern ein „Lasergruß“ über Hamburgs Dächer nach Schenefeld gesendet.
Von der Elbphilharmonie wurde am Montag ein „Lasergruß“ über Hamburgs Dächer nach Schenefeld gesendet.

Weltweit einmalig: In Schenefeld wird ein Milliarden-Projekt zur Grundlagenforschung in Betrieb genommen.

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29. August 2017, 12:23 Uhr

Acht Jahre Bauzeit, mehr als 1,2 Milliarden Euro teuer: In Schenefeld geht am Freitag die hellste Röntgenquelle der Welt in Betrieb. Die ersten Experimente in dem 3,4 Kilometer langen Tunnel – genannt XFEL – starten Forscher der Universität Lübeck.

„Die Eröffnung dieses weltweit einmaligen Röntgenlasers ist ein großer Augenblick – für die Wissenschaftswelt, für Hamburg und Schleswig-Holstein, für Deutschland und die Mitgliedsländer des European XFEL-Council“, freut sich Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU). Das Milliarden-Projekt markiere eine neue Ära in der Grundlagenforschung und werde enorme Impulse liefern. In Schenefeld sei ein Forschungsstandort von internationalem Rang entstanden, betont die Ministerin.

Für die Anlage wurde ein 3,4 Kilometer langer Tunnel zwischen Hamburg-Bahrenfeld und dem Hauptsitz in Schenefeld gegraben. Im Inneren werden mithilfe eines Teilchenbeschleunigers ultrakurze Lichtblitze (Röntgen-Laser) erzeugt. Die Leuchtstärke soll in ihren Spitzenwerten milliardenfach höher sein als die der besten herkömmlichen Röntgenquellen. Die Gesamtinvestition für XFEL beläuft sich einschließlich Mehrkosten auf 1,22 Milliarden Euro. Deutschland ist mit 58 Prozent an den Kosten beteiligt, hier zahlen der Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein. Schleswig-Holstein hat seit 2009 einen festen Anteil von 25 Millionen Euro investiert. Zuzüglich der Kosten für den Grunderwerb wurden insgesamt 31 Millionen Euro Landesmittel aufgebracht. Künftig zahlt das Land jährlich rund zwei Millionen Euro für die Betriebskosten der Anlage, die sich auf insgesamt 117,6 Millionen Euro belaufen. Weitere internationale Partner sind Russland, das 27 Prozent der Kosten trägt, sowie Frankreich, Schweiz, Dänemark, Schweden, Polen, Slowakei und Ungarn. Italien und Großbritannien haben Interesse signalisiert.

Spitzenforscher der Universität Lübeck sind trotz überbuchter Nutzerzeiten bereits beim Start mit einem ersten Experiment dabei. Prof. Lars Redecke und sein Team werden im Super-Röntgen Proteinkristalle untersuchen, die in lebenden Insektenzellen gewachsen sind. Damit können Medikamente gegen Infektionen entwickelt werden. „Ich würde es als einen weiteren technischen Quantensprung bezeichnen“, so der Lübecker Forscher. „Dies zeigt sehr deutlich, dass in Schleswig-Holstein Spitzenforschung betrieben wird, die international anerkannt ist.“ Sein Kieler Kollege, Prof. Kai Rossnagel von der CAU, träumt sogar vom „Elektronen-Hollywood“: Die Forscher wollen den Tanz der Elektronen, also ultraschnelle Änderungen elektrischer, optischer und magnetischer Eigenschaften von Materialien und Oberflächen in Zeitlupe filmen. Seite 5

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